Mehrere Einwegbecher
Einwegbecher sorgen für Müllberge Bild © picture-alliance/dpa

Schnell noch in der Bahn einen Cappuccino trinken, dann zur Arbeit. "Coffee to go" ist praktisch, produziert aber Unmengen an Müll. In Frankfurt wird nun über ein Pfandsystem für die Pappbecher diskutiert.

Morgens in der Frankfurter Innenstadt - zahlreiche Menschen trinken auf dem Weg zur Arbeit Kaffee aus Pappbechern. Die Deutsche Umwelthilfe spricht davon, dass allein in Frankfurt jedes Jahr 25 Millionen "Coffee to go"-Becher benutzt und weggeworfen werden. In ganz Deutschland sind es demnach 2,8 Milliarden oder umgerechnet 320.000 in der Stunde.

Die Folge: Ein Müllberg mit einem Gewicht von 40.000 Tonnen. Um dieses Problem in das Bewusstsein von Kaffeetrinkern und Betreibern von Cafés, Bäckereien und Groß-Ketten zu bekommen, schlägt die Partei "Bürger für Frankfurt" (BFF) ein Pfandsystem wie in Freiburg vor. Die Stadt solle prüfen, ob solch ein System eingeführt werden kann.

Ein Euro Pfand in Freiburg

In Freiburg zahlen Kaffeetrinker seit November einen Euro Pfand für einen bunt gestalteten Plastikbecher. Dieser soll mindestens 400 Mal gereinigt und wiederverwendet werden können.

Wer den Becher zurück gibt, bekommt auch seinen Euro wieder. So versucht Freiburg etwas gegen die Vermüllung der Innenstadt zu unternehmen. Derzeit sind laut der Freiburger Abfallwirtschaft AFS rund 8.000 Pfandbecher im Umlauf.

Eigenes Pfandsystem bei Frankfurter Bäckerei-Kette geplant

In Frankfurt sind die Dimensionen deutlich größer. Der Frankfurter Bäckereikette Eifler will ab dem Sommer mit einem eigenen "Coffee to go"-Pfandsystem starten. Für die 65 Filialen in der Stadt hat die Marketingabteilung nach eigenen Aussagen bereits 20.000 Becher bestellt.

Auch die Stadt Frankfurt prüft verschiedene Systeme. "Der Kunde und der Handel müssen gerne mitmachen - nur dann ist es ein gutes System", sagt Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU). Zudem unterstütze die Stadt die "BecherBonus Initiative" des hessischen Umweltministeriums.

Kunden, die ihren eignen Mehrwegbecher mitbringen, bekommen in teilnehmenden Cafés bis zu 30 Cent Rabatt auf ihren Kaffee. An dieser Initiative beteiligen sich auch große Ketten wie McDonald's oder Starbucks.

Frankfurter Cafébetreiber skeptisch

Die Deutsche Umwelthilfe spricht sich sowohl für Pfand- als auch für Mehrwegbechersysteme aus. "Die Herstellung der Wegwerf-Pappbecher verbraucht enorme Ressourcen", sagt Thomas Fischer von der Umwelthilfe. Jedes Jahr würden zehntausende Tonnen Holz, 1,5 Milliarden Liter Wasser und über 320 Millionen Kilowattstunden Strom für die Becherherstellung verbraucht. "Das entspricht dem gesamten Stromverbrauch von Schwerin", sagt Fischer.

In der Frankfurter Innenstadt wollen sich Betreiber von kleinen Cafés ungern mit Namen zum Thema äußern. Viele glauben, dass ihre Kunden einen Pfandbecher nicht akzeptieren würden. "Ich habe es versucht", sagt ein Cafébetreiber aus Sachsenhausen, "die Becher bin ich nicht losgeworden". Andere hoffen auf ein politisches Verbot der Pappbecher. "Kaffee schmeckt nur aus einer Tasse", sagt eine Cafébetreiberin aus der Innenstadt. Dennoch findet sie die Idee eines Pfandsystems für "Coffee to go"- Becher gut.

Lokale Spülstraßen könnten Pfandbecher reinigen

Bei einem Pfandsystem entsteht allerdings ein größerer logistischer Aufwand. Die Becher müssen beispielsweise gespült werden. Die Deutsche Umwelthilfe schlägt vor, die Plastikbecher zentral von einer regionalen Spülstraße reinigen zu lassen. "Es ist nicht kompliziert, diese Becher zwischenzulagern. Die sind ja auch stapelbar, das nimmt nicht viel Platz weg. Die können durch externe Spüldienstleister abgeholt und gesäubert werden", sagt Fischer.

Auch der Deutsche Hotel und Gaststättenverband (Dehoga) in Hessen begrüßt Mehrwegsysteme für "Coffee to go" Becher; hat aber Einwände wegen der Hygienevorschriften. Wenn Kunden ihren eigenen Becher mitbringen, "würden wir uns verbriefte und verbindliche Haftungsfreistellungen für die Gastronomen wünschen",  sagt Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des Dehoga Hessen. Außerdem wünscht sich Wagner, dass solche Initiativen nicht auf Hessen beschränkt werden, "sondern bundesweit stattfinden".

Ihre Kommentare Pfand für Kaffeebecher - nützlich oder unsinnig?

43 Kommentare

  • Ich finde es gut, daß man das Pfandsystem bei Coffee to go einführt was aber schon mit der einführung hätte erfolgen sollen. Auch wird auf allen Jahrmärkten aller Art ein Pfand bei Getränken erhoben was bei Rückgabe der Tassen und Becher wieder erstattetwird. Wer also einen solchen Becher oder Tasse mitbringt sollte einen günstigeren Preis erhalten. Alle Coffee to Go anbieten sollten dies gleichzeitig einfühgren ohne Vorreiter z.B. Eifler Bäckereikette. und Bundesweit. Wenn ich Kaffee oder ähnliches trinke möchte ich dieses genießen zusammen mkit einem Stück Kuchen, Torte, Eis oder Obstsalat und nicht nur im vorübergehen. Auch sieht es nicht positiv aus über all diese Pappbecher herumliegen zu sehen. warum sollen 3. diese Gleichgültigkeit der Coffee to Go Nutzer/-innen wegräumen unabhängig von der Nationalität. Auch sehe ich/wir hierin einen Beitra zum Umweltschutz Schonung von rohstoffen, Wasser sowie Energie

  • Wenn die Zahlen stimmen, dann erfordert die Herstellung eines Pappbechers circa 0,1kWh Energie, 0,5l Wasser und 5g Holz. Ob man dafür einen Mehrwegbecher abholen, reinigen und wieder ausliefern kann, darf bezweifelt werden. Die Ökobilanz wäre dann schlechter als beim Einwegbecher. Aber so ist das offenbar in unserer postfaktischen Gesellschaft. Mehrweg ist per Definition gut und Einweg schlecht. Aber nachdenken tut niemand.

  • Pfandsysteme sind aufwendig, Einmalsysteme sollten richtig teuer sein, ansonsten gabs das auch früher schon, da hat man sein Butterbrot in der Büchse/Plastikschale mitgenommen und Kaffee in der Thermoskanne. Heute gibt es doch durchaus schicke, isolierte Becher die gut verschlossen werden können. wenn es jetzt noch überall an Rucksäcken und Bürotaschen eine Halterung dafür gäbe wäre es doch fast perfekt. Dann sollte aber auch klar sein, daß jeder selbst fürs Becher spülen verantwortlich ist. Trotzdem frage ich mich warum so viele über Stress klagen, aber dann auch noch den Kaffee oder das Essen im Laufen zu sich nehmen statt mal innezuhalten und das zu genießen.

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