Fahrrad UBahn
Bild © Verkehrsgesellschaft traffiQ

Die U-Bahn ist wie immer voll auf dem Weg zur oder von der Arbeit, und dann wollen auch noch Radler einsteigen: ein Reizthema für viele Pendler in den Hauptverkehrszeiten. In Frankfurt darf das Rad auch zu Stoßzeiten mit - aber das hat sich offenbar noch nicht überall herumgesprochen.

Sebastian Scholl ist gelegentlich sauer. Der Referent pendelt täglich von Frankfurt zu seinem Wiesbadener Arbeitsplatz. Und wenn an einem sonnigen Morgen drei U-Bahn-Fahrgäste ihre Räder dabei haben, um damit am Nachmittag den Heimweg anzutreten, kommt es schon mal zu Diskussionen: Ist die Fahrradmitnahme ausgerechnet in den Spitzenzeiten erlaubt?

Fahrräder in der vollen U-Bahn

Nach der Erfahrung von Scholl, der selbst begeisterter Radler ist, sein Vehikel aber nicht in die volle Bahn quetschen würde, sind unter Pendlern in Frankfurt allenfalls die exakten Verbotszeiten umstritten, nicht aber der Grundsatz. Doch die Realität sieht anders aus.

Fakt, aber offenbar noch immer wenig bekannt ist: Das früher werktags geltende Mitnahmeverbot für Fahrräder in U- und Straßenbahnen zwischen 6 und 8.30 Uhr sowie zwischen 16 und 18.30 Uhr ist weggefallen, wie Klaus Linek, Sprecher der Verkehrsgesellschaft traffiq, erläutert. Und das schon im Herbst 2015.

Weniger Sitze, mehr Sondernutzungsflächen

Mit dieser Regelung profitierten die Radfahrer von einem Nebeneffekt des Trends zur Barrierefreiheit, so Linek. Eine wachsende Zahl von Menschen ist heute mit Rollatoren, Rollstühlen oder auch Zwillingskinderwagen unterwegs. Die Raumnutzung in den modernen Bahnen folgt daher inzwischen einem geänderten Konzept: mehr Abstellflächen, dafür weniger Sitzplätze.

Fahrrad UBahn
Platzangebot in älteren Frankfurter U-Bahn-Zügen Bild © RMV/Montage hessenschau.de

Für Klaus Linek kein Problem: "Viele wollen sich gar nicht setzen, weil sie nur eine kurze Strecke fahren", sagt der Experte. Probleme räumt er noch bei einigen Straßenbahnlinien ein. Aktuell folgten 39 von 92 Zügen noch nicht dem neuen Raumkonzept. "Aber das ändert sich praktisch täglich“, so Linek, der Ersatz durch moderne Züge komme voran.

"Nicht geschimpft ist schon genug gelobt"

Einen weiteren Trend hat Linek erkannt – den zur so genannten Multimodalität. Heißt: "Die Menschen nutzen das Verkehrsmittel, das gerade zur Verfügung steht“ – neben Bussen, Bahnen und (Leih-)Fahrrädern etwa auch Carsharing-Angebote.

Eine Häufung von Beschwerden über Fahrräder in vollen Bahnen kann Linek nicht feststellen. Für die Statistik sei dies kein Thema. Dass es andererseits auch kaum positive Reaktionen auf die Erweiterung des Angebots gibt, führt er auf ein allgemeines Kundenverhalten zurück: "Nicht geschimpft ist schon genug gelobt“ sei das Motto der meisten Nutzer im öffentlichen Nahverkehr.

Gegenseitige Rücksichtnahme

Beim Thema Fahrrad in der U-Bahn setzt er ebenso wie Pendler Sebastian Scholl auf gegenseitige Rücksichtnahme. Rollstuhlfahrer und Kinderwagen hätten im Zweifel ohnehin Vorrang, und das letzte Wort habe der Fahrer oder die Fahrerin.

Auch Pendler Sebastian Scholl betont, dass er die Mitnahmemöglichkeit grundsätzlich sehr positiv bewertet. Und dass jenseits des Nörgelns schon einmal durch andere Fahrgäste eingefordert worden wäre, ein Radler möge draußen bleiben, hat auch er bei seinen vielen Fahrten noch nicht erlebt.

Ihre Kommentare Fahrradmitnahme auch zu Spitzenzeiten: Was halten Sie davon?

75 Kommentare

  • Ganz klar und eindeutig nichts. Dafür haben sie das Fahrrad, das sie es AUCH auf der Straße benutzen. Man bekommt hier allmählich den Eindruck, das den Radfahrern alle möglichen und unmöglichen Zugeständnisse einberaumt werden, wie auch z. B. das fahren gegen die Fahrtrichtung. Jetzt dürfen sie auch selbst in den Spitzenzeiten in die U-Bahn??? Wie weit geht dieser Irrsinn noch??? Wie viele ältere Menschen, Leute, die in ihrem Job nur gestanden haben, Menschen die mit vollen Taschen vom einkaufen kommen und eben auch übergewichtige, sind froh über einen Sitzplatz, und wenn es nur mal 5 Minuten sind, wo man sich mal setzen kann. Hierüber sollten die Fahrradvernarrten Stadtverordneten mal drüber nachdenken.

  • Gar nix !
    Wer so eine lange Strecke fährt, dass es mit dem Fahrrad zu anstrengend wäre
    bzw. zu lange dauern würde, der muss dann eben auf ein wie auch immer
    motorisiertes Zwei-Rad umsteigen.
    Aber die werden von unseren Verkehrsplanern in ihren Konzepten ja ignoriert.

    Statt dessen versucht auf Biegen und Brechen,
    eben z.B. durch die Fahrradmitahme auch zu Stoßzeiten in Bahnen,
    die Ideologie-Fahrrad als Allheilmitten durchzupeitschen.

  • Ich finde es nicht OK, da manchmal die U-Bahnen so voll sind und dann auch noch die Fahrräder! Die Radfahrer nehmen schon so keine Rücksicht im Straßenverkehr und fahren wie sie wollen. Wer Fahrrad fahren möchte, sollte dies auch tun und nicht damit U-Bahn fahren. Schließlich nehme ich mein Auto auch nicht mit in die Bahn um vielleicht Staus zu umgehen.

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