Treffpunkt Kleinmarkthalle
Treffpunkt Kleinmarkthalle Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Die Kleinmarkthalle ist für viele Frankfurter ein lebendiges Stück Tradition. Inzwischen haben sie auch Partyhungrige für sich entdeckt – unter den Folgen leiden viele Händler.

Samstag vor der Kleinmarkthalle in der Frankfurter Innenstadt, selbst bei Regen und kühlem Wetter: Gläser klirren, Grillrauch zieht über den Platz, es wird angestoßen und gequatscht, viele Grüppchen haben sichtbar gute Laune. Die meisten hier draußen kommen wegen des Events, nicht wegen Endivien.

Kleinmarkthalle in Frankfurt
Kleinmarkthalle in Frankfurt Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Die klingelnden Kassen an den Weinständen genießen aber nicht alle hier als Ausdruck eines urbanen Lebensgefühls. Viele traditionelle Händler sehen mit Sorge, dass immer mehr Menschen ihren Spaß an der Kleinmarkthalle haben, die alteingesessenen Stände aber nur noch Kulisse sind.

"Das Erlebnishafte mehr im Vordergrund"

Vorne an der Terrasse sei ja inzwischen ein Heiratsmarkt entstanden, sagen die Händler Dieter Rudolph und Wolfgang Husky in der Reportage "Die Frankfurter Kleinmarkthalle", der am Dienstagabend im hr-fernsehen ausgestrahlt wurde (Video). "Wir müssen aufpassen, dass es nicht kippt. Dass nicht einfach nur zum Schluss Event ist und die Geschäfte weg sind."

Weitere Informationen

Kleinmarkthalle im hr-fernsehen

Einen Tag in der Kleinmarkthalle zeigt die Reportage von Silke Klose-Klatte und Dorothea Windolf. Der Film aus der Reihe erlebnis hessen wirft auch einen Blick auf die Geschichte der Kleinmarkthalle, und auf gefährdete Traditionen (Video).

Ende der weiteren Informationen

Der Unmut zumindest einiger Händler ist auch beim Betreiber der Kleinmarkthalle angekommen. "Die Kleinmarkthalle soll ein Ort des Handels bleiben", sagt Michael Lorenz von der städtischen Managementgesellschaft für Hafen und Markt (HFM) hessenschau.de. Doch er sieht auch, dass sich die Bedürfnisse der Kunden ändern: "Für viele steht das Erlebnishafte heute mehr im Vordergrund."

Frankfurt kennt inzwischen eine Reihe solcher Konflikte, in denen sich altes und neues städtisches Lebensgefühl reiben. Am Friedberger Markt sind es die Anwohner, die sich beschweren, dass aus dem Wochenmarkt ein quirlig-lauter Treffpunkt geworden ist. Zuletzt gab es Diskussionen, weil die Atmosphäre der Bahnhofsviertelnacht vom kulturellen ins partyhafte zu kippen schien.

Dem einen zu leer, dem anderen zu voll

Auch in der Kleinmarkthalle sehen sich manche als Verlierer. "Die Kunden, die einkaufen wollen, beschweren sich", sagt Michaela Frieser, die hier in vierter Generation einer Händlerfamilie arbeitet. "Es ist einfach zu eng und man wird geschubst. Und kriegt Wein sogar teilweise über die Kleidung geschüttet." Nicht selten wird ihr Stand zur Abstellfläche für leere Weingläser.

Blick in die Kleinmarkthalle
Blick in die Kleinmarkthalle Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Hallen-Manager Michael Lorenz weiß, die Situation ist "polarisierend". Allerdings sei die Ansicht der Mieter auch nicht einheitlich. Wenig überraschend murren die einen bei Lorenz, wenn es in der Halle zu voll ist, die anderen sorgen sich, wenn es zu leer wird. Und mancher Händler und Gastronom lebt gut vom Eventpublikum. Auch ist Wandel der 1954 am heutigen Ort wieder aufgebauten Kleinmarkthalle nicht fremd: Inzwischen gehören so zum Beispiel Händler aus vielen Ländern und internationale Spezialitäten fest zum Bild des Marktes.

Bei neuen Mietern achtet die HFM darauf, den Handel zu bevorzugen. Die Nachfrage sieht allerdings anders aus: Mehr Gastronomen wollen in die Halle als traditionelle Händler. "Ein gewisser Wandel ist im Gange", sagt Lorenz. Er schaue nun aber, dass wenigstens genug Personal da ist, das die leeren Weingläser bei den Ständen einsammelt. Stellt aber auch fest: "Jeder ist willkommen."

Das könnte Sie auch interessieren