Arzt im Kasack
Weg mit den langen Ärmeln: So sehen die Arzt-Kasacks aus Bild © Asklepios

Arztkittel können Keimschleudern sein. Der Asklepios-Konzern verordnet den Ärzten seiner 17 Kliniken in Hessen deshalb Kurzarm-Hemden. Nicht allen gefällt das. Mancher Arzt hat Sorge, künftig mit einem Pfleger verwechselt zu werden.

Kasack statt Kittel - mit dieser Maßnahme wollen die Asklepios-Kliniken der Verbreitung von Krankheitserregern entgegenwirken. Denn auf den langen Ärmeln der konventionellen Arztkittel bleiben bei Berührung schnell einmal Keime haften, die an andere Patienten weitergegeben werden könnten.

Von April an will Asklepios deshalb bundesweit auf die kurzärmelige Variante umstellen - auch in den 17 Kliniken, die der Konzern zwischen Willingen und Bad König in Hessen betreibt. Kasacks heißen die Hemden, die schon jetzt von vielen Pflegern getragen werden. Für Ärzte soll es eine abgewandelte Version geben.

Kittel als Dreckschleuder?

"Unterarme lassen sich schnell waschen ", begründet Asklepios-Sprecher Franz Jürgen Schell die Maßnahme. Ein Kittel dagegen bleibe mit den Keimen belastet, bis er richtig gereinigt werde. Das leiste der Ausbreitung multiresistenter, aber auch "normaler" Keime Vorschub.

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Asklepios in Hessen

Die Asklepios Kliniken und die zum Konzern gehörende Mediclin AG betreiben nach eigenen Angaben in Hessen 17 Kliniken an 13 Standorten.

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Und das wird in Krankenhäusern immer mehr zum Problem. Zuletzt waren die Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden wegen schlechter Hygienezustände in den Fokus der Berichterstattung geraten. So war die Frühchchen-Station des Klinikums mit dem multiresistenten MRSA-Keim belastet. Wie die Erreger dorthin kamen, ist ungeklärt.

Lange Ärmel unnötig

"Langärmelige Arztkittel haben keine wirklichen Vorteile", sagt Schell. Darum empfehle auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Umstellung auf kurze Ärmel. Asklepios beruft sich außerdem auf den Klinik-Hygiene-Experten Prof. Arne Simon, der schon länger eine Abschaffung der Langarm-Kittel fordere.

Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) am Robert-Koch-Institut, deren Mitglied Simon ist, zitiert in ihrem jüngsten Papier zu dem Thema zwar Experten und Institutionen, die sich ebenfalls für kurze Ärmel aussprechen. Für eine offizielle Empfehlung reichten die vorliegenden Daten aber nicht aus. "Auswirkungen der Art der Kleidung mit langen oder kurzen Ärmeln auf die Qualität der Händedesinfektion konnten nicht gezeigt werden", heißt es in dem Bericht.

Manche Ärzte sträuben sich

Asklepios sieht sich mit seinem Vorstoß als Vorreiter. Zwar hätten einzelne Kliniken schon ähnliche Maßnahmen ergriffen, man sei jedoch die erste Kette, die das flächendeckend durchsetze. Bis Juli 2017 sollen alle Asklepios-Kliniken umgestellt haben. Bei der Paulinen Klinik in Wiesbaden etwa soll es Ende August soweit sein.

Widerstand gebe es allerdings von Seiten einiger Ärzte. Die Ähnlichkeit der neuen Hemden mit der Dienstkleidung des Pflegepersonals stört offenbar das Statusempfinden einiger Mediziner. "Mancher Arzt möchte sich da deutlicher unterscheiden", so Schell. Für reine Repräsentationen, bei denen kein Kontakt zu Patienten besteht, soll es auch Ausnahmen geben.

Bald auch in kommunalen Kliniken?

In den rund 50 Krankenhäusern in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft in Hessen ist man einer neuen Kleiderordnung gegenüber aufgeschlossen. "Das Thema wird zum Teil auch in unseren Häusern diskutiert", sagte die Geschäftsführerin des Klinikverbunds Hessen, Brigitte Wagner. "Die Idee wird überwiegend gut gefunden." Ein Allheilmittel zur Infektionsvermeidung seien aber auch kurze Ärmel nicht.

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