Ryanair-Flieger neben einer Lufthansa-Maschine
Konkurrenten auf Tuchfühlung: Ryanair und Lufthansa Bild © picture-alliance/dpa

Das geplante Rabatt-Programm für Fluglinien am Frankfurter Flughafen macht es neuen Airlines deutlich einfacher als den etablierten Platzhirschen. Doch gehen auch diese nicht leer aus, wie der hr-iNFO vorliegende Entwurf der neuen Gebührenordnung zeigt.

Selbst eine eigene Mail-Adresse hat das neue Rabatt-Programm des Frankfurter Flughafens schon. Die Fluglinien könnten dort "formlos per E-Mail" ihre Gebührennachlässe bis Ende 2017 geltend machen, heißt es in dem 24 Seiten langen Entwurf der neuen Entgeltverordnung.

Das Problem: Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) hat die neuen Gebühren noch nicht genehmigt, obwohl Flughafenbetreiber Fraport mit ihnen schon den irischen Billigflieger Ryanair ab März 2017 geködert hat. Die Fraport-Stammkunden Lufthansa und Condor laufen Sturm. Politisch ist Streit über das Lockprogramm für mehr Flugverkehr ausgebrochen.

50 Prozent Nachlass für neue Fluglinie

Der hr-iNFO vorliegende Entwurf der Gebührenordnung zeigt, wie stark Ryanair von den neuen Rabatten profitieren würde. Die Rechnung: Nach dem bisherigen Gebührenkatalog müsste Ryanair für Start, Landung und Parken einer B737-800 auf dem Vorfeld jeweils rund 5.500 Euro bezahlen. Das wären etwa 30 Euro pro Passagier.

Der neue Katalog würde Ryanair als neuer Airline in Frankfurt hohe Rabatte einräumen. Für die Europaziele des Billigfliegers sieht er einen Rabatt von 15 Euro pro Passagier im ersten Jahr vor. Also einen Nachlass  von 50 Prozent. Im zweiten Jahr wären es noch 12 Euro,  dann 8 Euro, im dritten Jahr 5 Euro.

Würde eine neue Airline Langstrecken anbieten, würden die Rabatte noch höher ausfallen. Dem Entwurf zufolge wären bis zu 20 Euro möglich.

Bisher deutlich kleinere Rabatte

Das bisherige Anreizprogramm mit dem Titel "Fraconnect" aus dem Jahr 2014 fällt deutlich schmaler aus. Es sieht höchstens einen Abzug von 10 Euro je Passagier vor. Zudem macht es bisher einen Unterschied, ob eine neue Airline neue Ziele ansteuert, die von Frankfurt aus noch nicht direkt erreichbar waren, oder nur bestehende Verbindungen ergänzt. Im neuen Gebührenkatalog spielt dies keine Rolle mehr. Damit treten stark rabattierte Neulinge und etablierte Airlines auf einigen Strecken in direkte Konkurrenz.

Denn die Hürden für etablierte Airlines sind im Entwurf deutlich höher. So bekommen in Frankfurt bereits heimische Airlines im Europaverkehr nur Rabatt, wenn sie die Zahl ihrer Passagiere in einem Jahr um mindestens fünf Prozent erhöhen. Ziemlich ehrgeizig angesichts der Branchenlage. Und den 20-Euro-Rabatt auf der Langstrecke gibt es für etablierte Airlines nur für Ziele, die bislang ab Frankfurt nicht direkt erreichbar sind.

Auch Condor würde profitieren

Leer ausgehen würden die angestammten Fluglinien dennoch nicht, ganz so wie es Fraport-Chef Stefan Schulte versprochen hat. Condor hat etwa angekündigt, ab 2017 in die USA nach Pittsburgh zu fliegen. Eine Strecke, die vor mehr als zehn Jahren eingestellt wurde. Zweimal in der Woche soll die Stadt angeflogen werden. Damit würde Condor auch die Bedingung erfüllen, mindestens 25-mal in einem Jahr das neue Ziel zu bedienen.

Eine Hürde aber bliebe: Das Incentiveprogramm verlangt, dass die neue Strecke mindestens drei Halbjahre hintereinander angeflogen wird. Bei etwas abseitigeren Zielen ist das nicht unbedingt selbstverständlich, wenn sich die Strecke entgegen der Erwartung nicht rentiert.

Lufthansa müsste mehr als umlackieren

Bleibt die Frage, ob Lufthansa von den Rabatten profitiert, wenn sie ihre Billigtochter Eurowings nach Frankfurt holt. Darüber war ein Streit zwischen Lufthansa und Fraport entbrannt. Der Entwurf legt nun fest: Nicht förderungsfähig ist die schlichte Übertragung eines Fluges von einer Gesellschaft auf eine andere. "Es reicht nicht, das Flugzeug umzulackieren", hatte Fraport-Chef Stefan Schulte dazu gesagt.

Bei Lufthansa käme es also darauf an, ob nur bereits angebotene Flüge an Eurowings abgegeben würden oder Eurowings neue und zusätzliche Verbindungen ab Frankfurt anbietet. Zunächst aber muss ohnehin Verkehrsminister Al-Wazir den neuen Gebührenkatalog abnicken, der wohl wenigstens in einem Punkt unstrittig ist: Die meisten Rabatte haben zusätzliche Komponenten, die leise Flugzeuge bevorzugen.

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