Was verbindet Hongkong, Singapur und Eichenzell? Vielleicht bald das schnelle Internet. Noch aber wird am Breitbandnetz in der osthessischen Gemeinde gebaut (rechts)
Was verbindet Hongkong, Singapur und Eichenzell? Vielleicht bald das schnelle Internet. Noch aber wird am Breitbandnetz in der osthessischen Gemeinde gebaut (rechts) Bild © picture-alliance/dpa - Stadtverwaltung Eichenzell

Internet im Schneckentempo? Damit will sich Eichenzell nicht abfinden. Die osthessische Gemeinde baut in Eigenregie ein eigenes Breitbandnetz auf. Der Bürgermeister träumt von dem "schnellsten kommunalen Internet Europas".

Die Bagger wühlen sich durch die Straßen: Stück für Stück - Cluster für Cluster. Rohre werden verlegt, darin liegen Glasfaserkabel. Insgesamt 4.500 Haushalte hat Eichenzell. Die Ortsteile und das Industriegebiet Rhön sind mit dem schnellen Internet bereits angeschlossen. Neun Millionen Euro nimmt die Gemeinde in die Hand. Das Ziel: "Es klingt großspurig, aber wir wollen tatsächlich das schnellste kommunale Internet Europas aufbauen", sagt Bürgermeister Dieter Kolb (parteilos) und nennt Eichenzell in einem Atemzug mit Hongkong und Singapur.

Eichenzell hat Großes vor: Die Gemeinde will das schnellste Internet Europas bauen
Eichenzell hat Großes vor: Die Gemeinde will das schnellste Internet Europas bauen Bild © Stadtverwaltung Eichenzell

Der Datenturbo soll Geschwindigkeiten von 1.000 Megabit pro Sekunde im Download und 100 Mbit/s im Upload erreichen. "Das sind wohlgemerkt garantierte Mindestgeschwindigkeiten", sagt Nico Schleicher vom Eigenbetrieb Breitbandnetz, den die Gemeinde extra für das Projekt gegründet hat. Mitbewerber wie Telekom und Unitymedia lägen zwar preislich gleichauf, würden aber nur "bis zu"-Geschwindigkeiten versprechen, sagt er.  

Neue Unternehmen im Industriegebiet im Visier

Die Gemeinde legt die Leerrohre und das Glasfaserkabel bis vor die Haustür. Damit sich das Projekt rechnet, müssen etwa 60 Prozent der Haushalte mitmachen. Um den Hausbesitzern das schnelle Netz jetzt schmackhaft zu machen, ist der Anschluss bis zu einem gesetzten Termin noch kostenlos, danach sind Gebühren fällig. "Solange der Bagger noch nicht durch ist, geht da immer noch was", sagt Bürgermeister Kolb.

Im letzten Cluster im Kernort fehlen noch 170 Haushalte. "Hier sind viele Mietshäuser“, begründet Kolb, warum es in diesem Bereich noch klemmt. Bei Eigentümergemeinschaften dauere es manchmal etwas länger. Tatsächlich aber haben in den lukrativen, weil eng bebauten Wohngebieten auch schon die Mitbewerber einen Fuß in der Tür.

Mit seinem ehrgeizigen Projekt will Bürgermeister Kolb auch neue Wirtschaftsbetriebe ins Industriegebiet locken. Bislang hält sich der Erfolg jedoch in Grenzen. Erst ein neues Unternehmen stehe kurz vor dem Vertragsabschluss.


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