Fassadensanierung
Fassadensanierung eines Wohnhaus in Frankfurt mit Dämmstoffen. Bild © picture-alliance/dpa

Nachdem in London vor einem Monat 80 Menschen bei einem Hochhausbrand starben, fordern hessische Architekten einen Kurswechsel bei der Wärmedämmung. Damit liegen sie auf einer Linie mit der Feuerwehr.

Knapp einen Monat nach dem verheerenden Brand im Londoner Grenfell Tower, bei dem mindestens 80 Menschen starben, fordern Hessens Architekten eine Änderung der Bauvorschriften von der Landesregierung. Dämmungen aus Polystyrol, umgangssprachlich auch beim Markennamen Styropor genannt, sollen künftig nicht mehr in Gebäuden zum Einsatz kommen, die höher sind als sieben Meter. Das erklärte die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen (AKH) am Mittwoch in einer Mitteilung.

Die brennbaren Styropordämmungen trügen nicht nur dazu bei, dass sich ein Feuer wie in London über die Fassade ausbreiten könne, sagt AKH-Pressesprecher Christof Bodenbach im Gespräch mit hessenschau.de. "Wenn Polystyrol Feuer fängt, wird sein Zustand zähflüssig. Diese Substanz läuft an den Fassaden runter und macht die Rettungsarbeiten so gut wie unmöglich."

Brennbare Dämmung nur in Hochhäusern verboten

Bisher sind brennbare Dämmungen nur bei Hochhäusern verboten, also Gebäuden mit einer Höhe von mehr als 22 Metern. Das ist die Höhe, die Feuerwehr-Drehleitern noch erreichen können. Für die Neuregelung setzen die Architekten auf die Hessische Bauordnung (HBO), die ohnehin noch dieses Jahr novelliert werden soll. Es gebe schließlich Alternativen, sagt Sprecher Bodenbach - Mineralwolle zum Beispiel. Die sei zwar teurer, halte aber auch länger.

Die Architekten sind nicht die einzigen, die Reformen fordern: In einem Positionspapier, das Feuerwehrverband und andere Gruppen noch vor der Londoner Brandkatastrophe veröffentlicht hatten, hieß es, dass seit 2012 mehr als 90 Brände mit Polystyrol-Dämmstoffen in Deutschland verzeichnet seien. Bei diesen Bränden seien insgesamt elf Menschen gestorben und mehr als 124 verletzt worden.

"Warnschuss aus London"

"Besonderes Augenmerk möchten wir darauf richten, dass die Toten nicht in der Brandwohnung selbst verstorben sind, sondern in Wohnungen anderer Geschosse", heißt es in dem Papier. "Das ist signifikant, weil es damit Opfer in Wohneinheiten gab, die mit dem auslösenden Ereignis nichts zu tun hatten."

Frankfurts Branddirektor Reinhard Ries hatte im Nachgang zur Londoner Katastrophe ebenfalls erklärt, Dämmungen mit Poystyrol seien eben nicht sicher, auch wenn ein Großteil aus Industrie und Politik das Gegenteil behaupteten. "Wir können nur hoffen, dass der Warnschuss aus London endlich ernstgenommen wird", hatte Ries damals gesagt.

Alle alten Hochhäuser werden überprüft

Die Landesregierung hat bereits reagiert: Bereits kurz nach dem Brand in London hatte Wirtschaftsminister Tarek al-Wazir (Grüne) die Kommunen aufgefordert, alle alten Hochhäuser auf brennbare Stoffe in der Fassade zu überprüfen. Bis 1984 waren die nämlich noch zugelassen.

Sendung: hessenschau kompakt, 12. Juli 2017, 16.45 Uhr

Das könnte Sie auch interessieren