Gesperrte Straße zum Müllheizkraftwerk in Heringen (Hersfeld-Rotenburg)
Gesperrte Straße zum Müllheizkraftwerk in Heringen mit Bahnübergang, im Hintergrund das Müllheizkraftwerk. Bild © Petra Klostermann (hr)

Eine Umgehungsstraße zum Heizkraftwerk in Heringen an der Werra sollte Anwohnern Ruhe vor vorbeirollenden Lastwagen bringen. Doch in drei Jahren wurde sie noch kein einziges Mal befahren. Grund: ein Planungsfehler.

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Ein Gitter sperrt die Umgehungsstraße zum Müllheizkraftwerk in Heringen an der Werra (Hersfeld-Rotenburg) ab - seit ihrer Fertigstellung im Jahr 2014. Die Straße ist nämlich nicht zu benutzen. Kalizüge vom nahen K+S-Werk blockieren oft den dazugehörigen Bahnübergang. Anders hätten sie beim Rangieren keinen Platz. Darauf zu warten, bis sie damit fertig sind, würde umgekehrt den Lastwagen im Anlieferverkehr für das Heizkraftwerk zu lange dauern.

Fehler fiel erst bei Bauaufnahme auf

Hört sich nach Hessens unnützester Straße an, und so ist es wohl auch. (Oder sind Sie anderer Meinung?) Dass die Umgehungstraße in drei Jahren noch kein einziges Mal benutzt wurde, liegt an einem Planungsfehler. Die Rangiergleise sind rund 260 Meter zu kurz, die Kalizüge kommen beim Wenden daher auf dem Bahnübergang zum Stehen. Aufgefallen ist der Fehler erst bei der Bauabnahme. Wer dafür verantwortlich ist, ist unklar.

Müllheizkraftwerk Heringen (Werra)
Das Müllheizkraftwerk in Heringen (Werra). Bild © EEW Energy from Waste

Ausbaden müssen das Versäumnis die Anwohner in Heringen-Wölfershausen. An ihren Häusern fahren jeden Tag rund 60 Lastwagen mit Abfall für das Müllheizkraftwerk des Betreibers EEW Energy from Waste vorbei. Auf ihren Protest hin wurde die bislang unbenutzbare Straße überhaupt erst gebaut: für rund 2,5 Millionen Euro. Drei Fünftel davon bezahlte der Kraftwerksbetreiber. Den Rest des Kosten, gut eine Million Euro, übernahm die Stadt.

Baubeginn für neues Gleis frühestens 2019

Die Stadt an der Werra ist mit 102 Millionen Euro verschuldet. Im laufenden Jahr weist der Haushalt nach Auskunft von Bürgermeister Daniel Iliev ein Defizit von zehn Millionen Euro auf. Der parteilose Politiker kam im vorigen Jahr ins Amt und regt sich über die unnütze Straße, die mit der nötigen Nachbesserung noch teurer wird, richtig auf. So wie Anwohner Ralf Mertens, der sagt: "Als Gassiweg ist die Straße zu teuer." Anders ist sie aber bislang nicht zu gebrauchen.

Damit sich das ändert, müssen die Rangiergleise für die Kalizüge verlängert werden. Die Planung läuft und soll 2018 abgeschlossen sein. Gebaut werden könnte ab 2019. Doch auch hier gibt es ein Problem: Für den Ausbau benötigt die Bahn ein Grundstück eines Privatmanns, der zum Verkauf derzeit nicht bereit ist, wie Bürgermeister Iliev berichtet. Notfalls droht dem Mann eine Enteignung aus öffentlichem Interesse. Dadurch könnte sich der Baubeginn aber auf 2020 verschieben.

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