Brückensanierung
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Vor rund einem Jahr musste die marode Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden gesperrt werden. Die Region versank im Verkehrschaos. Wie steht es heute um die Brücken auf Hessens Autobahnen? Eine Recherche von hr-iNFO zeigt: Die Infrastruktur bröckelt.

Jede zehnte Brücke auf Autobahnen in Hessen muss saniert werden. Das zeigen aktuelle Zahlen der Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil. "Die Brücken sind in die Jahre gekommen. Wir haben in Hessen den ältesten Bestand in ganz Deutschland", sagt Eberhard Pelke, Dezernatsleiter im Bereich Planung Ingenieurbauwerke. Die meisten Brücken seien in den 60ern und 70ern gebaut worden.

Auf den Autobahnen in Hessen gibt es insgesamt rund 2.400 Brücken – an etwa 275 von ihnen muss etwas gemacht werden. Manchmal geht es um kleine Schönheitskorrekturen – in anderen Fällen müssen Brücken komplett ersetzt werden. Ein Beispiel: Die A45 zwischen dem Gambacher Kreuz und der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen. Dort wurden 22 Talbrücken in den 60er-Jahren gebaut.

Brückensanierungen in Hessen
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Damals galt die A45 unter Ingenieuren als "Königin der Autobahnen". Und heute? "Die Brücken müssen alle – ich wiederhole: alle – abgerissen und neu gebaut werden. Das liegt daran, dass in den 60er-Jahren noch anders geplant wurde", betont Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne).

Bauwerkserneuerungen soll es in diesem Jahr laut Hessen Mobil zum Beispiel an den A45-Talbrücken Lahn Dorlar, Münchholzhausen, Marbach und Lützelbach geben.

Mehr Verkehr, höhere Lasten

Die meisten Autobahnbrücken wurde damals für bis zu 25.000 Autos pro Tag geplant – bei einem Schwerlastanteil von etwa fünf Prozent. Heute sind es laut Hessen Mobil täglich oft bis zu 60.000 Fahrzeuge, jedes fünfte davon ein dicker Brummi. Dazu kommt die Lage von Hessen in der Mitte von Deutschland. "Wir sind in Hessen einerseits gesegnet und andererseits geschlagen mit unserer Lage", sagt Al-Wazir. Der Tourismus etwa profitierte davon, dass Hessen so gut erreichbar sei. Auf der anderen Seite stünden Belastungen durch den Verkehr, die immer größer würden.

Was das erhöhte Verkehrsaufkommen zur Folge hat, zeigt das Beispiel der Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden. Dort entdeckten Bauarbeiter vor rund einem Jahr nach Arbeiten zum ersten Mal Risse in der alten Brücke. Kurz darauf musste die Brücke gesperrt werden. Die Region versank in einem Verkehrschaos, das vor allem Pendler auf eine harte Geduldsprobe stellte. Ein millionenschwerer Neubau soll die Brücke über den Rhein nun ersetzen.

Einfach neue Brücken zu bauen, sei aber nicht so leicht, sagt Eberhard Pelke von Hessen Mobil: "Erst muss Baurecht geschaffen werden, und Baurecht zu schaffen ist oft echt schwierig." Und langwierig. Denn vor allem Umweltfragen müssen vorher ausführlich von den Planern beantwortet werden.

Budget dieses Jahr: 160 Millionen Euro

Dieses Jahr stehen Hessen Mobil 160 Millionen Euro für Ausbesserungen und den Neubau von Autobahnbrücken zur Verfügung. Auch für die nächsten Jahre sind die Beträge in den Haushalten schon gebucht. Dafür gibt es Lob vom ADAC Hessen-Thüringen. "Es gibt seit zwei, drei Jahren ein umfassendes Planungskonzept. Das war vorher nicht der Fall", sagt Wolfgang Herda vom ADAC. Für den Ausbau von Bundesautobahnen kommt der Bund auf.

Trotzdem kann dieses Jahr nur an insgesamt rund 50 Autobahnbrücken in Hessen gearbeitet werden. Die meisten Brücken werden saniert. Neubauten sollen an den bereits erwähnten A45-Brücken und der Schiersteiner Brücke entstehen, sowie an der Döllbachtalbrücke auf der A7 sowie der Lahntalbrücke auf der A3 bei Limburg.

Der Berg an Arbeit ist groß. "Unser erstes Ziel ist der Erhalt der Infrastruktur", sagt deshalb auch Verkehrsminister Al-Wazir. Große Sprünge seien im Moment nicht möglich. Der CDU-Abgeordnete Ulrich Caspar betonte: "Mit der Sanierungsoffensive 2016 bis 2022 von über 400 Millionen Euro haben wir gezielt auf den schlechten Zustand vieler Landesstraßen und Brücken reagiert." Rund 540 Einzelbaumaßnahmen seien enthalten.

Reaktionen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Hessen-Thüringen forderte am Mittwoch nach Veröffentlichung der hr-iNFO-Recherchen größere Anstrengungen der Landesregierung zum Erhalt der Verkehrsinfrastruktur. Überfällige Investitionen könnten durch eine höhere Besteuerung von Vermögen und Erbschaften finanziert werden. Ähnlich äußerte sich die Linke: Wie der Bund bei den Autobahnen verschleppe auch das Land "unter dem Mantra von 'Schuldenbremse' und 'Schwarzer Null'" Ausbau und Unterhalt von Straßen und eine Ausweitung des öffentlichen Personennahverkehrs.

Ihre Kommentare Brücken und Straßen: Wo sehen Sie Sanierungsbedarf?

3 Kommentare

  • O.K., diese Brücken mussen erneuert, ja abgerissen werden.
    Aber dann bitte, Bitte lasst dann die alten Römer ran. Diese bauten schon vor Tausenden von Jahren Brücken, Viadukte, Gebäude und Straßen; Und diese stehen heute noch !

  • Laskabrücke in Offenbach. Nach den Vorstellungen des Masterplans soll zwischen dem Ende B448 und der Laska-Brücke eine Umgehungsstraße gebaut werden. Spätestens dann ist eine Brückensanierung erforderlich.

  • Ich möchte kein konkretes Beispiel nennen, stelle aber fest, dass das Thema über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, ignoriert wurde - und jetzt haben wir den Stau im doppelten Sinne.

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