S-Bahn im Bahnhof (Archiv)
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Jede zehnte S-Bahn im RMV war im ersten Halbjahr 2015 verspätet. Selbst der Verkehrsverbund ist damit unzufrieden und schiebt den Schwarzen Peter der Bahn zu. Ursachen für Verspätungen waren aber auch Streiks und sogar ein Flugzeugabsturz.

Mit einer Pünktlichkeitsrate von 89,68 Prozent waren die S-Bahnen in den Monaten Januar bis Juni häufiger verspätet als im Gesamtjahr 2014, als etwas über 92 Prozent der S-Bahnen pünktlich abgefahren waren. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) teilte die Zahlen dem hr am Mittwoch auf Anfrage mit.

Als "unpünktlich" gilt eine Bahn erst, wenn sie mindestens sechs Minuten verspätet abfährt. Fahrten mit Verspätungen von bis zu fünf Minuten und 59 Sekunden werden als "pünktlich" gewertet. Messpunkte registrieren die Zeiten automatisch. Was man auch wissen muss: Züge, die komplett ausfallen, tauchen in der Verspätungsstatistik gar nicht auf.

Luftballons in Oberleitungen

Vor allem die S2 mit 85,3 Prozent sowie die Linien S1, S7, S8 und S9 mit 86,3 Prozent Pünktlichkeit rissen die Statistik nach unten. Ursache der Verspätungen waren häufig Oberleitungsstörungen, etwa durch metallbeschichtete Luftballons, Personenunfälle und im Mai vor allem ein Streik der Lokführergewerkschaft GDL. Ende Juni sorgte auch ein Flugzeugabsturz auf die Bahngleise bei Egelsbach für Behinderungen im Zugverkehr.

Besser sah es auf der Achse der Linien S3-S6 aus. Hier wurde eine Pünktlichkeitsrate von fast 94 Prozent erzielt. Mit dem Gesamtergebnis aber ist der RMV nicht zufrieden. "Wir wünschen uns eine stärkere Zuverlässigkeit", sagte Unternehmens-Sprecherin Petra Eckweiler hessenschau.de. Und da sei die Bahn als Betreiberin der Strecke in der Pflicht.

Langes Warten auf Streckenausbau

Probleme sieht der Verbund vor allem in der Infrastruktur. Seit langem fordere man etwa den viergleisigen Ausbau der S6 zwischen Frankfurt und Bad Vilbel, so Eckweiler. Zwar fiel diese Linie nicht durch übermäßige Verspätungen auf. Dennoch könne man dort keinen optmialen Service anbieten, weil sich die S-Bahn die Gleise mit Güter- und Regionalzügen teilen muss, die häufig Vorrang haben. So etwas wirke sich letztlich auf das gesamte Netz aus.

Tatsächlich konnte der Ausbau der so genannten Main-Weser-Bahn nach 20-jähriger Planungsphase erst im Mai dieses Jahres auf den Weg gebracht werden. Langwierige Gerichtsverfahren hätten die Umsetzung des Vorhabens immer wieder hinausgezögert, teilten die Bahn und das Hessische Verkehrsministerium mit. Nun seien die Aufträge für die ersten Vorabmaßnahmen vergeben worden. Der Ausbau selbst soll im zweiten Halbjahr des Jahres 2017 starten.

Stetes Bemühen um Verbesserung

Die Bahn verwies zudem darauf, dass viele Verspätungen durch Baumaßnahmen verursacht seien. So habe es zu Jahresbeginn durch Arbeiten am Bahnhof Frankfurt-Höchst Einbrüche in der Pünktlichkeit gegeben. "Wir sind ständig daran, unsere Pünktlichkeit zu verbessern", sagte ein Sprecher. Dazu diene "ein ganzer Strauß" an Maßnahmen, wie etwa verstärkte Sicherheitsmaßnahmen oder ein eigener Winterdienst.

Fehlende Pünktlichkeit hat für die Bahn auch ganz direkte finanzielle Folgen. Denn der RMV als Besteller des S-Bahn-Services wird am Jahresende von seinen Zahlungen an die Bahn Abstriche machen, sollte der Vertrag nicht wie vereinbart erfüllt worden sein. Noch ist der Verbund laut Eckweiler aber guter Hoffnung, dass sich die Statistik im zweiten Halbjahr doch noch ins Positive wenden wird. "Die Tendenz geht nach oben."

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