Airbus in Morgendämmerung im Landeanflug auf Frankfurt
Lärmpausen: An- und Abflüge werden bei Westwind gebündelt Bild © picture-alliance/dpa

Die Lärmpausen am Frankfurter Flughafen sorgen in den Randstunden meist für mehr Ruhe in den Anliegergemeinden. Das zeigt die erste Studie zu den Lärmpausen. Die Untersuchung zeigt aber auch, dass das den Alltag der Anwohner kaum beeinflusst.

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Nach zehn Monaten Probebetrieb haben am Donnerstag Landesregierung, Flugverkehrswirtschaft und Flughafen-Nachbarkommunen erste Ergebnisse des Lärmpausen-Modells am Frankfurter Flughafen präsentiert. In der Studie (hier als pdf-Download) wurden Lärmmessungen aus den Städten Frankfurt, Offenbach und Neu-Isenburg ausgewertet, außerdem rund 1.600 Betroffene interviewt.

Die zentrale Aussage: "Die Lärmentlastung infolge der Lärmpausen ist deutlich höher als die Belastungen."

Seit dem 23. April 2015 werden am Frankfurter Flughafen am frühen Morgen und späten Abend bei Betriebsrichtung West probeweise einzelne Bahnen für Starts und Landungen gesperrt. Unter den dann nicht genutzten Flugrouten sollen Anwohner zusätzlich zum Nachtflugverbot von 23 bis 5 Uhr eine Stunde länger Nachtruhe haben, anderswo kommt dagegen Lärm hinzu (siehe auch unten: "Fragen und Antworten").

Die wichtigsten ersten Ergebnisse:

  • die Lärmentlastung für Anwohner ist laut den Messwerten höher als die Belastungen
  • unterhalb der Anflugroute der Nordwestlandebahn kommt es abends (22 bis 23 Uhr) bei Betriebsrichtung West zu Lärmentlastungen - so sinkt zum Beispiel der Lärmpegel in Frankfurt-Sachsenhausen und Frankfurt-Oberrad um 10 Dezibel, im Norden der Stadt Offenbach um 5 Dezibel - zur gleichen Zeit steigt allerdings der Lärmpegel in Neu-Isenburg (Kreis Offenbach) um bis zu 4,5 Dezibel und im Süden von Offenbach um 3,5 Dezibel
  • morgens (5 bis 6 Uhr) sinkt die Lärmbelastung beinahe ausschließlich in Neu-Isenburg - um bis zu 6 Dezibel. Im Frankfurter Süden und der Stadt Offenbach sind kaum Veränderungen messbar
  • die meisten der befragten Betroffenen (rund 90%) gaben an, die Lärmpausen hätten keine Auswirkungen auf ihr Alltagsleben
  • die Fortsetzung des Lärmpausen-Modells wünschen sich 71% der befragten Betroffenen

Minister Al-Wazir: Ziel ist Regelbetrieb

Verkehrs- und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sprach bei der Vorstellung der Lärmpausen-Ergebnisse am Donnerstag in Wiesbaden von einem Erfolg. "Natürlich sind die Lärmpausen kein Allheilmittel gegen den Fluglärm in der Region", sagte Al-Wazir. Aber sie seien ein wichtiger Baustein in der Strategie, die Belastungen Schritt für Schritt zu verringern.

Ziel sei es, die Probephase in den Regelbetrieb zu überführen. Bis es soweit sei, werde der Probebetrieb fortgesetzt. Voraussichtlich im März wird die Fluglärmkommission über die Ergebnisse beraten. Das Lärmpausen-Modell ist Bestandteil des schwarz-grünen Koalitionsvertrages. CDU- und Grünen-Fraktion im Landtag reagierten ähnlich positiv auf die Ergebnisse wie zuvor Minister Al-Wazir.

Reaktionen: Kritik und Lob

Die Opposition im Landtag widersprach Al-Wazir bei dessen Bewertung der Ergebnisse: Die SPD teilte mit, von den "hohen Versprechungen der Lärmpausen" komme subjektiv bei den Menschen nichts an. Die Messergebnisse könnten von den Betroffenen "nicht als Entlastung empfunden" werden. Es brauche ein durchgehendes verlängertes Nachtflugverbot. Aus Sicht von FDP und Linksfraktion verteilen die Lärmpausen den Lärm lediglich um.

Der Umweltschutzverband BUND Hessen sprach "von ersten kleineren Erfolgen" bei der Reduzierung des Fluglärms. "Doch unser Ziel bleibt das vollständige Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr", sagte Vize-Geschäftsführer Thomas Norgall.

Weitere Informationen

Fragen und Antworten

Was sind Lärmpausen?

Eine Lärmpause bedeutet nicht, dass es in dieser Zeit ruhig sein muss. Am Frankfurter Flughafen soll es heißen, dass ein normal schlafender Anwohner bei gekipptem Fenster weiterschlafen kann. Dafür werden vom Gesetz her im Innenraum stündlich maximal sechs Schallereignisse mit einem Pegel von 43 Dezibel zugelassen. Außen darf der maximale Pegel bei sechs Ereignissen von 58 Dezibel liegen.

Wie funktioniert das Lärmpausenmodell am Frankfurter Flughafen?

Bei Betriebsrichtung West wird morgens von 5 bis 6 Uhr auf zwei statt drei Bahnen gelandet. Die Südbahn bleibt ungenutzt. Es gibt keine Abflüge von der Startbahn West. Alle Flugzeuge heben von der Südbahn ab. Abends von 22 bis 23 Uhr wird auf einer statt auf drei Bahnen gelandet. Alle Maschinen kommen dann auf der Südbahn an. Starts gibt es nur von der Startbahn West und von der Centerbahn.

Wie häufig konnte das Lärmpausen-Modell bisher angewendet werden?

Das Lärmpausen-Modell wird derzeit nur bei Betriebsrichtung West angewendet. Die Flugzeuge starten dann gegen den Wind in Richtung Westen und landen aus Richtung Osten. Diese Situation gibt es etwa an sieben von zehn Tagen im Jahr. Zwischen April und Dezember 2015 wurde das Lärmpausen-Modell frühmorgens zu 96 Prozent umgesetzt, spätabends zu 89 Prozent.

Verändern die Lärmpausen die Zahl der Flugbewegungen?

Nein, es wird nicht weniger häufig gestartet und gelandet als ohne Lärmpausen. Aber die Flugbewegungen werden bei Westwind frühmorgens und spätabends gebündelt.

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3 Kommentare

  • Wir wohnen im Süden Frankfurts auf dem Lerchesberg und haben von Lärmpausen nichts gemerkt. Ab 5 Uhr früh,oft auch schon vor 5 Uhr, werden wir täglich von tief über uns donnernden Flugzeugen geweckt und sehr gestört. So geht es dann bis 23 Uhr in der Nacht. 18 Stunden ununterbrochen ohne sogenannte "Lärmpausen".Falls mal kurz die Nordwestlandebahn nicht benutzt wird,haben die Isenburger den doppelten Lärm. Al Wasirs Märchen von Lärmpausen ist nichts anderes als eine Verschiebung des Lärms und keineswegs eine Lärmminderung,wie er es uns weismachen will. Uns hilft nur eine Deckelung der Flugbewegungen,ein Nachtflugverbot von 22 -6 Uhr,also die normale gesetzliche Nacht,und die Schließung der unnötigen Nordwestlandebahn,deren Bau sich ja durch die nicht eingetretene Zunahme der von Fraport prognostizierten Passagierzahlen als überflüssig erwiesen hat.

  • Das kann man tatsächlich in den Sommermonaten (weil meist Fenster geöffnet) schon als Entlastung ab 22:00 Uhr wahrnehmen (Sachsenhausen-Süd). Die am meisten nervige Lärmbelästigung ist doch aber am höchsten, wenn man früh morgens um 5:00 Uhr von der ersten Maschine aus dem Schlaf gerissen wird (wiederum am schlimmsten in den warmen Monaten). Und da hat sich zumindest für das südliche Sachsenhausen mal überhaupt nichts geändert.

  • "Bei Westwind starten die Flugzeuge in Richtung Osten und kommen auch dorther."
    Da hat wohl jemand nicht so ganz aufgepasst: Das würde bedeuten, dass Flugzeuge mit dem Wind starten (ist nicht so gut) und gegen den Wind landn (ist besser). Allerdings würden sich dann abfliegende und ankommende Flugzeuge begegnen (gar nicht gut...). Vielleicht nochmal genau recherchieren... :-)
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    Antwort von hessenschau.de.: Danke für den Hinweis. Da ist uns leider ein Fehler unterlaufen. Wir bitten um Entschuldigung. Korrekt heißt es jetzt: "Die Flugzeuge starten dann gegen den Wind in Richtung Westen und landen aus Richtung Osten."

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