Ein Fiat 500x bei einer Autoschau in Washington
Ein Fiat 500x bei einer Autoschau in Washington. Bild © picture-alliance/dpa

Fiat bewirbt sein Diesel-Modell 500x als "umweltfreundlich". Das Frankfurter Landgericht hat genau daran aber erhebliche Zweifel. Der Hersteller will die Autos nun mit neuer Software sauberer machen.

Das Frankfurter Landgericht muss über eine Klage der Deutschen Umwelthilfe entscheiden. Die Umwelthilfe will Fiat verbieten lassen, die 2.0-Liter-Dieselvariante des Mini-SUV 500x als "umweltfreundlich" anzupreisen. Auch von "niedrigen Emissionen" dürfe nicht länger die Rede sein. Das Frankfurter Gericht ist zuständig, weil die Deutschlandzentrale des italienischen Herstellers dort liegt.

In einem Schreiben an beide Streit-Parteien, das hr-iNFO vorliegt, hat das Gericht jetzt seine Sicht der Dinge dargelegt. Demnach dürfte von "'niedrigen Emissionen' und 'Umweltfreundlichkeit' nicht auszugehen sein." Grund: Der Wagen überschreite bei Messungen auf der Straße den Euro-6-Grenzwert um ein Vielfaches.

Fiat hält Messergebnisse für überholt

Damit folgt das Gericht in wichtigen Punkten bislang der Deutschen Umwelthilfe. Zwar habe das Auto beim Zulassungstest in Italien den geltenden Grenzwert für das giftige Stickstoffdioxid (NO2) eingehalten. Das sei aber ein Labortestverfahren gewesen, "das mit der Wirklichkeit gerade nicht vergleichbar ist", wie es in dem Schreiben heißt. Für den Verbraucher sei der normale Straßenverkehr entscheidend. Bei Tests der EU-Kommission, die vom Standardverfahren abweichen, fiel der Fiat 500x durch sehr hohe Schadstoffwerte auf.

Fiat hält dagegen, dass diese Messungen überholt seien. Man habe die Motorsteuerung des Autos neu eingestellt und so den Abgasausstoß deutlich verringert. Seit August vergangenen Jahres werde der 500x mit neuer Software ausgeliefert; bei älteren 500x werde beim nächsten anstehenden Werkstatt-Besuch die neue Software aufgespielt.

Gericht verlangt neue Messungen bis Ende Februar

Das Landgericht Frankfurt verlangt nun vom italienischen Autohersteller bis Ende dieses Monats Messungen, die belegen, dass der 500x dadurch sauberer wird. Allein der Verweis auf ein Software-Update reiche nicht aus.

Auf Anfrage von hr-iNFO erklärte Fiat, das "verbesserte Emissionsverhalten" sei vom italienischen Verkehrsministerium mit Messungen bestätigt worden. Der Hersteller zeigt sich zuversichtlich, auch die Frankfurter Richter vom Effekt der neuen Software überzeugen zu können - und den umstrittenen 500x weiter als "umweltfreundlich" bewerben zu dürfen.

Andernfalls könnte es Fiat ergehen wie Opel, der auf eine Klage der Deutschen Umwelthilfe hin auf bestimmte Werbeaussagen verzichtet. In einem Vergleich mit der DUH verpflichtete sich der Rüsselsheimer Autobauer im Mai 2016, beim Diesel-Modell Zafira 1.6 nicht mehr zu behaupten, das Auto sei "so sauber wie ein Benziner" und habe "eine vorbildliche Abgasreinigung mit niedrigstem Schadstoffausstoß".

Politischer Streit offenbar beigelegt

Mit seinem Mini-SUV 500x sorgte Fiat auch auf politischer Ebene für Streit. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) vermutete in dem Auto eine Schummel-Software. Messungen des Kraftfahrtbundesamtes hätten ergeben, dass die Abgasreinigung bei realen Fahrbedingungen gedrosselt werde. Dobrindt hat aber keine Handhabe gegen Fiat: Für die Genehmigung des Autos ist das italienische Verkehrsministerium zuständig. Und Italiens Verkehrsminister Graziano Delrio hält eisern zu Fiat. Der Turiner Autobauer schummle nicht und halte die Abgas-Norm Euro 6 ein, betonte Delrio erst vor wenigen Tagen wieder.

Dobrindt hatte die EU-Kommission als Vermittlerin in dem Streit eingeschaltet. Nach Informationen von hr-iNFO ist jetzt offenbar ein Kompromiss gefunden. Dobrindt gibt sich demnach mit dem Versprechen von Fiat zufrieden, mit einer neuen Motor-Software die Abgase zu reduzieren.

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