Die Marburger Stadtautobahn
Die Marburger Stadtautobahn ist von der geplanten Umweltzone ausgenommen. Bild © picture-alliance/dpa

Marburg wird im April zur Umweltzone. Mit der Stadtautobahn ist die Verkehrsschlagader von dieser Maßnahme allerdings nicht betroffen. Das sorgt nicht nur bei Bürgerinitiativen für Widerstand.

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Schadstoffschleudern wird in Marburg der Kampf angesagt. Mit der Ernennung der Stadt zur Umweltzone dürfen ab dem 1. April nur noch Fahrzeuge mit einer grünen Plakette im Innenstadtbereich fahren. Das geht aus dem Luftreinhalteplan für die Uni-Stadt hervor, der kürzlich im Staatsanzeiger des Landes veröffentlicht wurde. Ausgerechnet die Verkehrsschlagader B3a, die sich von Süd nach Nord durch Marburg schlängelt, ist davon allerdings ausgenommen.

Um einen Scherz handelt es sich dabei nicht, auch wenn das Datum zum Startschuss der Umweltzone diesen Schluss nahelegen würde. Zum Lachen ist den Umweltschützern in der Uni-Stadt ohnehin nicht zumute. Seit Jahren kämpft die Bürgerinitiative Stadtautobahn (BI) gegen Lärm und Schadstoffbelastung. Dass der Verkehr auf der Stadtautobahn nun von den Einschränkungen befreit werden soll, sorgt für Irritationen. "Wir sind empört", sagte BI-Sprecher Hannes Kleinhenz hessenschau.de. "Die größten Gesundheitsgefahren gehen von der Stadtautobahn aus."

Bürgerinitiative für strengeres Tempolimit

Der Lufreinhalteplan wurde vom hessischen Umweltministerium erstellt, weil im Jahr 2006 an einer Messstation in der Marburger Innenstadt eine zu hohe Stickstoffdioxidbelastung festgestellt wurde. Darin heißt es, der Verkehr sei mit bis zu 74 Prozent Hauptursache der Schadstoffbelastung in der Stadt. Eine Umweltzone ist also der logische Schritt. Warum aber nicht auf der Stadtautobahn, über die täglich mehr als 40.000 Fahrzeuge rollen?

Für die Bürgerinitiative stellt sich diese Frage nicht nur mit Blick auf Schadstoffemissionen, sondern auch aus lärmtechnischen Gründen. Schon länger wollen Kleinhenz und seine Mitstreiter die zulässige Höchstgeschwindigkeit von derzeit 100 Stundenkilometern auf 80 km/h (Pkw) beziehungsweise 60 km/h (Lkw) drücken. Entsprechende Anfragen beantwortete Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) mit Verständnis, wie zuletzt im November 2015 aber auch mit einer Abfuhr. Auswirkungen auf die Schadstoff- und Lärmbelastung in der Innenstadt rechtfertigten keine weitere Verringerung des Tempolimits, heißt es aus Wiesbaden.

Oberbürgermeister Spies versteht B3-Ausnahme nicht

Der neue Marburger Oberbürgermeister Thomas Spies
Der neue Marburger Oberbürgermeister Thomas Spies Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Marburgs Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) steht auf der Seite der Bürgerinitiative. Den Entschluss des Landes, die B3 von der Umweltzone auszunehmen, könne er nicht nachvollziehen, teilte Spies auf Anfrage mit. Auch trete er weiter für eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf der Stadtautobahn ein. "Es gab bereits zahlreiche Beschlüsse, Lärmgutachten, et cetera. Wir verfechten das auch weiterhin."

Den Marburger Bürgern stellte der Oberbürgermeister eine Schonfrist in den ersten Monaten nach Einführung der Umweltzone in Aussicht. Wer ohne passende Plakette erwischt wird, muss vorerst nicht mit einer Strafe rechnen. "In diesem Jahr wird es keine Ordnungsgelder geben", versprach Spies.

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