Blick in ein Locomore-Zugabteil
Blick in ein Locomore-Zugabteil Bild © Locomore

Für 22 Euro von Frankfurt nach Berlin: Die Deutsche Bahn muss sich ab September wohl mit Konkurrenz aus dem Niedrigpreis-Sektor messen. Ein privater Anbieter hat eine Schwarm-Finanzierung abgeschlossen - und sieht das erst als Anfang.

Die 460.000-Euro-Schallmauer fiel gerade noch rechtzeitig. Am Mittwoch vermeldete die private Eisenbahngesellschaft Locomore, dass genug Geld für den Angriff auf die Deutsche Bahn zusammengekommen sei.

Auf diese Summe hatte das Berliner Unternehmen die Basisfinanzierung für seinen ambitionierten Plan beziffert. Seit November kamen per Crowdfunding – also eine Schwarmfinanzierung von Privatpersonen – 478.498 Euro zusammen (Mittwoch 12 Uhr). Am Freitag um Mitternacht endet die Aktion.

Skizze eines Locomore-Zugs
So sollen die Locomore-Züge aussehen. Bild © Locomore

"Die breite Unterstützung der Menschen in den letzten drei Monaten war großartig", sagte der geschäftsführende Locomore-Gesellschafter Derek Ladewig, ehemals Bahn-Referent der Grünen im Bundestag. "Sie zeigt uns, dass wir mit unserer Idee richtig liegen: Neue Zugangebote für faires, günstiges und ökologisches Reisen auf die Schiene zu bringen."

Der Bahn den Preiskampf angesagt

Die Züge sollen ab September 2016 rollen, die Strecke von Stuttgart nach Berlin und zurück für jeweils eine Verbindung pro Tag wurde bereits im vergangenen Jahr bei der Bahn reserviert. Locomore präsentiert sich – trotz orangefarbener Loks - als grüne Alternative zur Bahn: mit Ökostrom, Bremsenergierückgewinnung und Bio-Catering.

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Auf der Strecke von Stuttgart nach Berlin sollen die Locomore-Züge fünf Mal Halt in Hessen machen. Als Zwischenstopps sind Darmstadt, Frankfurt, Hanau, Fulda und Kassel geplant.

Ende der weiteren Informationen

Dazu verspricht das Unternehmen modernisierte IC-Abteilwagen, WLAN und Fahrzeiten, die nur eine gute Stunde über denen der ICE der Bahn liegen. Von Frankfurt nach Berlin bedeutet das viereinhalb Stunden Fahrzeit. Zum Vergleich: Der Platzhirsch bringt seine Kunden in rund vier Stunden in die Hauptstadt. Doch während die regulären Preise bei der Bahn gern mal bei 120 Euro liegen, will Locomore seine Dienste für 22 Euro anbieten – kein schlechtes Argument.

Fahrplan des Locomore-Bahnunternehmens
Einer hin, der andere zurück: Fahrplan des Locomore-Bahnunternehmens Bild © Locomore

Drei weitere Strecken für 2017 in Planung

Für 2017 hat Locomore bereits weitere Verbindungen in Planung: Berlin-Binz (Rügen), Bonn-Berlin und München-Frankfurt. Auch in diesen Fällen seien die Fahrpläne für die Strecken bereits durch Rahmenverträge bei der DB Netz AG reserviert, heißt es auf der Homepage. Doch all das ist noch Zukunftsmusik. Aktuell sammelt Locomore bis zum Ende der Kampagne am Freitag um 23.59 Uhr noch weiter Geld – "um die finanzielle Basis des Projektes weiter zu stärken".

Gesicherte und geplante Verbindungen von Locomore
Gesicherte (orange) und geplante Verbindungen von Locomore Bild © Locomore

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