Autos eines Sushi-Lieferdiensts mit bulgarischen Kennzeichen
Autos eines Sushi-Lieferdiensts mit bulgarischen Kennzeichen. Bild © Tobias Lübben (hr)

Der Zoll hat mehrere Pizza- und Sushi-Lieferdienste in Frankfurt durchsucht. Die Vorwürfe: Schwarzarbeit und Lohndumping. Zwei Männer wurden festgenommen und abgeschoben.

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Nahaufnahme: der linke Ärmel eines Zollbeamten mit dem aufgenähten Zoll-Wappen

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Seit zwei Jahren fahren Sushi- und Pizza-Lieferautos mit bulgarischen Kennzeichen durch Frankfurt und Umgebung. Jetzt hat der Zoll die Lieferdienste durchsucht.

Die Razzia fand nach Angaben des Frankfurter Zolls schon in der vergangenen Woche statt. 50 Mitarbeiter der Finanzkontrolle Schwarzarbeit hätten zehn Objekte im Großraum Frankfurt untersucht, darunter Sushi-Restaurants, Pizzerien und eine Arbeiter-Sammelunterkunft. 18 Personen seien befragt worden, die meisten von ihnen Bulgaren.

Kurierfahrer erhielten weniger als Mindestlohn

Der Hauptverdacht richtet sich gegen einen bulgarischen Unternehmer. Er soll Landsleute als Kurierfahrer angeworben haben. Die Kurierfahrer sollen weniger als den gesetzlichen Mindestlohn von 8,84 Euro pro Stunde bekommen haben. Außerdem seien sie nicht zur Sozialversicherung angemeldet worden. Zwei Serben, die sich in der Sammelunterkunft aufhielten, wurden abgeschoben. Sie hatten laut Zoll kein Aufenthaltsrecht in Deutschland.

Außerdem bemängeln die Zollfahnder die Lieferautos, größtenteils Kleinwagen mit bunter Sushi- oder Pizza-Werbung. Diese sind nämlich in der bulgarischen Stadt Plovdiv zugelassen. Nach Ansicht der Behörden müssten sie aber in Deutschland zugelassen werden, da sie hier dauerhaft eingesetzt werden. Auch sei die Kfz-Steuer in Deutschland zu entrichten.

Firma Auto-Profi weist Vorwürfe zurück

Nach Recherchen von hr-iNFO handelt es sich um Autos der Firma Auto-Profi, die diese Autos nach eigenen Angaben an Lieferdienste verleast. Ein Mitarbeiter von Auto-Profi versicherte gegenüber hr-iNFO, sein Unternehmen habe sehr wohl für die Autos Kraftfahrzeugsteuer in Deutschland und in Bulgarien bezahlt.

Auch die übrigen Vorwürfe des Zolls seien größtenteils unberechtigt, sagte er. Strittig sei aus seiner Sicht nur ein Arbeitsverhältnis, bei dem es um den Vorwurf der Scheinselbstständigkeit gehe. All das werde nun rechtlich geklärt.

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