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Fünf der betroffenen rumänischen Bauarbeiter machten am Mittwoch mit einem Transparent auf ihre Lage aufmerksam. Bild © hr

Das Geld reichte gerade für ein bisschen Essen: Rumänische Bauarbeiter warten seit Herbst auf ihren Lohn. Arbeitsfeld und Nachtquartier war eine Lufthansa-Baustelle am Frankfurter Flughafen.

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Wände stellen, Decken montieren - Bürogebäude 327 am Frankfurter Flughafen ist eine Baustelle. Und ein Schlafsaal. Denn rumänische Arbeiter waren bis vor wenigen Tagen an diesem Ort nicht nur mit dem Trockenbau beschäftigt. Sie lebten dort auch. Und das unter armen Bedingungen.

"Die Kollegen sind seit Monaten um ihren Lohn betrogen worden“, sagte Philipp Jacks, Regionalchef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) am Mittwoch. Es gehe um seit September aufgelaufene Lohnrückstande für insgesamt 28 Mitarbeiter einer Firma aus Neu-Isenburg.

Eine von mehrere Baustellen, auf denen sie in wechselnder Besetzung aktiv waren: das Gebäude am Flughafen. Die meisten Männer seien in ihre Heimat abgereist. Fünf Arbeiter blieben und wandten sich in ihrer Not an die Gewerkschaft. Mitarbeiter des DGB-Projekts "Faire Mobilität", das für die Interessen von Wanderarbeitern eintritt, brachten die Männer in Pensionen unter. Ihnen seien rund 55.000 Euro Lohn vorenthalten worden.

Neue Arbeit suchen

"Wo bleibt unser Geld?" Transparente mit Fragen wie dieser trugen die fünf Rumänen, als sie am Mittwoch am Flughafen auf ihre Lage aufmerksam machten. Einer von ihnen ist Alexandru, 57 Jahre alt. Er spricht wie die anderen kaum Deutsch. Das Geld, das ihm sein Chef zahlte, hat seinen Angaben zufolge nur für ein bisschen Essen gereicht. Was er und seine Kollegen jetzt ganz ohne Geld machen wollen? "Wir suchen neue Arbeit“, übersetzt DGB-Projektmitarbeiterin Letitia Türk seine Antwort.

Bauherr im Flughafengebäude ist die Lufthansa Technik AG - jene Sparte, die im Flugkonzern Maschinen wartet, Ersatzteile vorhält oder unter dem Motto "Fliegende Träume" VIP- und Regierungsflugzeuge mit edlen Ausstattungen versieht. Den Auftrag zum Trockenbau am Flughafen erhielt ein Unternehmen aus Bayern. Es beschäftigte als Subunternehmen die Firma aus Neu-Isenburg. Und mit diesem Betrieb befassen sich nun auch der Zoll und die Sozialkasse des Baugewerbes. Denn nicht nur die rumänischen Arbeiter sind nach Darstellung der Gewerkschaft die Betrogenen.

"Am Ende ist es keiner gewesen."

Zwei der Männer, die beim DGB Hilfe fanden, seien ohne ihr Wissen Schwarzarbeiter gewesen. Bei der Sozialkasse habe die Neu-Isenburger Firma sie jedenfalls nicht angemeldet. Ihre drei Kollegen waren mit verdächtig geringen Monatslöhnen in Höhe von 150 bis 420 Euro registriert.

Seit 2011 gibt es das DGB-Projekt "Faire Mobilität“. Es wurde vor einigen Jahren gegen die Ausbeutung ins Leben gerufen, der Menschen vom Balkan und aus Osteuropa auf Großbaustellen immer wieder ausgesetzt sind. "Die Kosteneinsparungen kommen ganz unten an“, lautet die Erfahrung von DGB-Regionalchef Jacks.

Nur wenige melden sich

Im Herbst gelang Zoll und Polizei bei einer Razzia mit Schwerpunkt Frankfurt ein Schlag gegen eine Bau-Mafia, die mit Subunternehmen Millionen mit der Beschäftigung von Schwarzarbeitern gemacht haben soll. Vor zwei Jahren hatte der Fall von 50 Rumänen Schlagzeilen gemacht, die für einen Subunternehmer auf einer Hotelbaustelle im Frankfurter Europaviertel arbeiteten und auf Lohn warteten. Kein Einzelfall, wie die aktuellen Vorkommnisse auf dem Flughafen zeigen. Selten sei aber, dass sich Betroffene überhaupt melden: "Wir bekommen nur das wenigste mit", sagt DGB-Projektmitarbeiterin Türk.

Das von der Lufthansa Technik mit den Umbaumaßnahmen beauftragte Unternehmen will die Vorwürfe gegen den eingesetzten Subunternehmer jetzt prüfen. Man werde gegebenenfalls Konsequenzen ziehen, hieß es auf Anfrage von hessenschau.de. Der Vertrag mit dem Subunternehmer enthalte selbstverständlich "Verpflichtungen zur Einhaltung des Mindestlohns und der weiteren gesetzlichen Verpflichtungen".

Lufthansa prüft

Es habe auch Kontrollen gegeben. So habe das Subunternehmen wie üblich eine Bestätigung des Steuerberaters über die Zahlung des Mindestlohns an die Beschäftigten vorgelegt. Ähnlich äußerte sich die Lufthansa Technik. "Wir verpflichten alle Auftragnehmer auf Einhaltung der Vorschriften und gehen den Vorwürfen nach", sagte ein Sprecher.

Vom Neu-Isenburger Betrieb war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Laut Gewerkschaft bestritt der Geschäftsführer, ein Landsmann der Bauarbeiter, die Vorwürfe. Er mache unter anderem Ausgaben geltend, die er zur Unterbringung seiner Beschäftigten gehabt habe.

DGB-Regionalchef Jacks kommentiert diese Stellungnahmen achselzuckend: "Es ist immer dasselbe bei diesen Konstellationen mit Subunternehmen oder sogar Sub-Subunternehmen: Am Ende ist es keiner gewesen." Hauptproblem sei, dass sich die Behörden nicht genug kümmerten. Gerade der Zoll greife nicht genug durch.

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