Hai Aquarium
Ein Hai im Tierpark Hellabrunn in München. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Für mehr als 20 Millionen Euro will ein Investor in Pfungstadt das größte Indoor-Haifischbecken Europas bauen. Der Bürgermeister ist erfreut, Tierschützer sind entsetzt.

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Die Stadt Pfungstadt (Darmstadt-Dieburg) hat einem Investor den Bau eines großen Haifisch-Aquariums auf einem Grundstück im Gewerbegebiet Nordwest erlaubt. Das hat Bürgermeister Patrick Koch (SPD) am Freitag dem hr bestätigt. Der notwendige Beschluss des zuständigen Ausschusses der Stadtverordnetenversammlung liege bereits vor. Jetzt fehle nur noch der Notartermin mit dem Investor. Details will die Stadt am kommenden Montag bekannt geben.

Nach Angaben der Betreiber soll "Shark City" das "größte Indoor-Hai-Aquarium" Europas werden. Bis Ende 2018 will die "Seven Seas Aquarium Gesellschaft" aus dem pfälzischen Grünstadt für 20,5 Millionen Euro ein zweistöckiges Gebäude mit 5.000 Quadratmetern Grundfläche bauen.

Fast 40 Haiarten

Herzstück soll ein 10,5 Millionen Liter fassendes Becken werden, das 38 Meter breit, 24 Meter tief und zwölf Meter hoch ist. Hinzu sollen weitere Becken unterschiedlicher Größe mit einer Gesamtkapazität von 14 Millionen Litern kommen.

Zu sehen sein sollen 36 Haifisch-Arten und andere Meerestiere. Geplant sind der Ankündigung zufolge Programme zur Wissensvermittlung rund um den Schutz der Haie - und gastronomische Angebote. 60 Arbeitsplätze sollen entstehen.

"Haie dem Menschen näher bringen"

"Ziel ist es, vor allem Haie als bedrohte Tierart möglichst vielen Menschen näherzubringen und die Faszination zu wecken", schreibt Geschäftsführer Thomas Walter, ehemals Chef eines Meerwasserfachgeschäfts, in einem Statement. Auch Wissenschaftler seien an Bord.

Walter erwartet nach eigenen Angaben rund 550.00 Besucher pro Jahr. Die Stadt Pfungstadt rechnet mit jährlichen Gewerbesteuereinnahmen von 550.000 bis 700.000 Euro. Darauf hatte auch die Stadt Sinsheim (Baden-Württemberg) gehofft, wo das Aquarium ursprünglich entstehen sollte. Dort war es aber unter anderem an planungsrechtlichen Gründen gescheitert.

Proteste von Tierschützern

Nach Angaben von Bürgermeister Koch hat die Stadtentwicklungsgesellschaft den Investor für den Hai-Park nach Pfungstadt geholt. Die Kommune habe mit der verkehrsgünstigen Lage an zwei Autobahnen gepunktet. Man hätte in dem Gewerbegebiet auch eine Spedition ansiedeln können, sei aber davon ausgegangen, dass der Hai-Park verträglicher für die Anwohner im benachbarten Neubaugebiet sei.

Tierschützer hatten schon gegen den Bau der Anlage in Sinsheim protestiert. Viele Hai-Arten sind inzwischen vom Aussterben bedroht. Das von rund 180 Staaten unterzeichnete Washingtoner Artenschutzabkommen hat bislang Handelsbeschränkungen für 13 Arten festgelegt, darunter Riesenhai und Weißer Hai. Die hessische Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin geht davon aus, dass der Betreiber der Anlage die Herkunft der Tiere genau nachweisen muss.

Ärger auch in Pfungstadt?

Dass sich nun auch in Pfungstadt Ärger zusammenbraut, ist abzusehen. Für Gerhard Wegner, Gründer und internationaler Präsident der Organisation "Sharkproject", ist der Tierschutz bei "Shark City" nur vorgeschoben: "Das Projekt ist reiner Kommerz." Haie gehörten nicht in Aquarien, sagte Wegner dem hr. Es sei unverständlich, dass ein solches Projekt genehmigt werde, wo doch derzeit viele Delfinarien aus Tierschutzgründen geschlossen würden.

Die Tierschützer von "Sharkproject" hatten schon gegen die Anlage in Sinsheim mobil gemacht, jetzt soll es in Pfungstadt weiter gehen. Die Beratungen über den Verkauf der 21.000 Quadratmeter großen Gewerbefläche im Haupt- und Finanzausschuss lief ohne öffentliche Diskussion ab, wie das Darmstädter Echo berichtet. Erst die Abstimmung war öffentlich. "Wir haben nicht öffentlich getagt, weil der Kaufpreis nicht bekannt gegeben werden soll", begründete der Ausschussvorsitzende Jochen Kockegei (CDU) im "Echo" das Vorgehen.

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