Die zur Rhön-Klinikum AG gehörende Uni-Klinik in Gießen.
Die Uniklinik Gießen und Marburg bekommt mehr Geld. Bild © picture-alliance/dpa

Das Land Hessen schießt der Uniklinik Gießen und Marburg deutlich mehr Geld für Forschung und Lehre zu. Ein Experte begrüßt den Schritt, prophezeit aber schon den nächsten Konflikt.

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Der Krankenhausbetreiber Rhön-Klinikum und das Land Hessen haben am Freitag einen neun Jahre langen Streit um die Finanzierung des Uniklinikums Gießen und Marburg beigelegt. Die zum Rhön-Konzern gehörenden Unikliniken erhalten ab 2017 einen zusätzlichen Betrag von rund 15 Millionen pro Jahr. Im Gegenzug verzichten sie auf betriebsbedingte Kündigungen und garantieren die Übernahme von Auszubildenden. Das UKGM kündigte zudem Investitionen von mindestens 100 Millionen Euro an.

Grundsätzlich gut, aber...

"Grundsätzlich ist das ein sehr, sehr guter Schritt und ein klares Bekenntnis zu Forschung und Lehre", lobte Gesundheitswesen-Experte Thomas Kolb von der Hochschule RheinMain gegenüber hessenschau.de. "Es ist immer lobenswert, wenn das Land in die Sicherung von Arbeitsplätzen investiert." "Das ist ein sehr guter Tag für die Uni-Medizin in Gießen", freute sich auch Joybrato Mukherjee, der Präsident der Gießener Justus-Liebig-Universität.

Es gibt aber auch eine Kehrseite der Medaille. Kritisch zu betrachten sei jetzt, wie die Universitätsklinik in Frankfurt auf diese Entscheidung zugunsten ihrer akademischen Kollegen in Marburg und Gießen reagiere, so Kolb. Im Gegensatz zu den Einrichtungen in Mittelhessen, die seit 2006 teilprivatisiert sind und zu 95 Prozent der Rhön-Klinikum AG gehören, erhält das Frankfurter Klinikum nämlich ausschließlich staatliche Subventionen.

Minister Rhein ist zufrieden

"Es wird spannend, was jetzt in Frankfurt passiert", prophezeit Kolb. Denn auch dort werde seit Jahren für mehr Geld gekämpft. Es sei klar, dass Forschung und Lehre nicht durch private Unternehmen unterstützt werden dürfe. Im Umkehrschluss müsse man aber auch sicherstellen, dass die Krankenversorgung nicht durch verdeckte Subventionierung zulasten von Forschung und Lehre durchgefüttert werde. "Das muss sauber getrennt sein."

Insgesamt erhält die Uniklinik Gießen und Marburg ab sofort rund 73 Millionen Euro im Jahr, plus eine Einmalzahlung über 13 Millionen Euro für Subventionen. "Es ist eine Schuld, die wir jetzt zu begleichen haben", erklärte Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU), der zudem betonte, dass es sich um eine Kompromisslösung handle. "Das ist ein echter Durchbruch." Und unter Umständen der Ausgangspunkt für den nächsten Streit zwischen Land und einer Universitätsklinik.

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