Wurstersatz-Theke in der Veganz-Filiale in Frankfurt
Bald leergeräumt: Wurstersatz-Theke in der Veganz-Filiale in Frankfurt (Archivbild). Bild © picture-alliance/dpa

In kurzer Zeit haben mehrere vegane Lokale und Läden in Frankfurt geschlossen. Dabei hält der Trend zum fleischlosen Leben auch hier an. Wie passt das zusammen?

Frankfurts erstes veganes Café Edelkiosk, eröffnet 2012 im Ostend, schloss im November. Im selben Monat machte das vegane Lokal Wondergood im benachbarten Stadtteil Bornheim zu. Sie folgten dem Café Extravegant und dem veganen Bistro der Bio-Metzgerei Spahn an der Berger Straße, die 2015 nach nur einigen Monaten wieder verschwanden. Am Samstag schließt die Filiale der Supermarktkette Veganz am Bornheimer Uhrtürmchenplatz.

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Vegan in Frankfurt

Einen - nicht ganz aktuellen - Überblick über vegane Läden und Lokale in Frankfurt bietet die Internetseite frankfurt-vegan.de: vom Eissalon bis zum Frisör.

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Ist es mit Frankfurt als "Hessens veganer Hauptstadt" und Bornheim als "seinem Veganviertel", wie hr-online als Vorgänger von hessenschau.de im Sommer 2014 schrieb, schon wieder zu Ende?

Fünf der acht damals vorgestellten Läden existieren nicht mehr, auch wenn es etwa mit dem Greenfoody am Zoo auch einen neuen Rohkostladen gibt. Folgt dem Hype um ein fleischloses Leben der Rückzug der Veganer?

Nötige Sanierung zu teuer für Edelkiosk

Der Edelkiosk musste schließen, weil Betreiberin Anna Prokein in Sachen Brandschutz hätte nachrüsten müssen, sich dies aber nicht leisten konnte, wie sie auf Facebook berichtet. Mit dem Betrieb des weithin bekannten und nicht schlecht besuchten, aber eben kleinen Cafés konnte sie keine ausreichende Rücklagen bilden. Die früheren Betreiber der Lokale Extravegant und Wondergood waren auf Anfrage nicht zu erreichen.

Blick auf die Theke in Frankfurts erstem veganen Café Edelkiosk
Frankfurts erstes veganes Café Edelkiosk hat Ende 2016 nach fast fünf Jahren geschlossen. Bild © picture-alliance/dpa

In einem Interview mit dem Magazin des nachhaltigen Modelabels Hessnatur beschrieb Edelkiosk-Gründerin Anna Prokein die Lage für vegane Unternehmer in Frankfurt so: "Ich mag Frankfurt, aber klar, in Berlin oder Leipzig gibt es eine viel größere alternative Szene und auch eine viel höhere Dichte und Nachfrage an veganen Angeboten."

Geänderte Verkaufsstrategie bei Veganz

Dabei sei die Nachfrage nach veganen Produkten in Frankfurt gar nicht das Problem, berichtet Jan Bredack im Gespräch mit hessenschau.de. Bredack gründete vor sechs Jahren das Unternehmen Veganz, das inzwischen neun Lebensmittelmärkte in Deutschland, Wien und Prag betreibt. Noch. Die Frankfurter Filiale schließt am 7. Januar, fast auf den Tag genau vier Jahre nach der Eröffnung.

"Wir stellen derzeit alle unsere Standorte auf den Prüfstand. Der Frankfurter Laden läuft einfach nicht wirtschaftlich, die Kosten stehen in keinem Verhältnis zum Ertrag", sagt Bredack. Der Umsatz dort sei zwischen 2015 und 2016 um 20 bis 30 Prozent gesunken. Außerdem sei das Geschäft, im Januar 2013 in einer ehemaligen Schlecker-Filiale eröffnet, zu klein.

Veganz-Gründer Jan Bredack in der Filiale in Frankfurt
Veganz-Gründer Jan Bredack in der Filiale in Frankfurt, die am Samstag schließt. Bild © picture-alliance/dpa

Traurig klingt Bredack aber nicht: "Insgesamt hat sich unser Umsatz 2016 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt, auch in Frankfurt." Längst nämlich liefert Veganz Produkte seiner Eigenmarke an große Supermarkt- und Drogerieketten wie Spar, Kaufland, Netto, Müller und dm. "Allein auf der Berger Straße in Frankfurt gibt es drei oder vier dm-Läden. Wir haben uns also selbst Konkurrenz gemacht." Bredack sagt noch, dass Veganz ab März auch den Supermarkt-Riesen Rewe beliefere, was dieser bislang nicht bestätigt.

Fleischlose Bewegung verlässt Nische

Auch Bio-Metzger Michael Spahn musste 2015 feststellen, dass die Menschen nur ungern einen veganen Spezialladen aufsuchen, wenn sie vegane Produkte auch in Supermärkten finden, die sie ohnehin ansteuern. Nach etwas mehr als einem Jahr schloss er sein veganes Bistro, dennoch wuchs auch bei ihm die vegane Sparte von 2015 auf 2016 um 30 Prozent.

Vegane Anbieter wollen also nicht mehr allein möglichst viele Kunden in die eigenen Märkte locken, sondern verkaufen dort, wo bereits viele einkaufen: in den großen Märkten. So kommt es, "dass sich die fleischlose Bewegung aus der Nische heraus in die Mitte der Gesellschaft ausdehnt", wie die Gesellschaft für Konsumforschung festhält. Der tendenziell missionarischen Ader der Veganer kann das nur entgegenkommen.

Jährliche Zuwachsraten von 30 Prozent

"Noch vor einigen Jahren waren pflanzliche Alternativen ausschließlich in ausgewählten Bioläden zu finden, heute gehören sie in jedem Supermarkt zum Produktsortiment dazu", hat auch der Vegetarierbund Deutschland (Vebu) erkannt. Vebu jubelt über "ein stetiges Umsatzplus von jährlich rund 30 Prozent seit 2008" bei Fleischalternativen.

Diese enormen Zuwachsraten gehen von einer kleinen Basis aus. Rund 100 Millionen Euro habe der Umsatz in der Sparte 2014 betragen - bei einem Gesamtumsatz im deutschen Lebensmitteleinzelhandel von rund 170 Milliarden Euro. Die Zahl der Veganer in Deutschland liegt bei rund 900.000, das sind wenig mehr als ein Prozent der Bevölkerung.

Bio Spahn spürt die große Konkurrenz

Bio-Metzger Michael Spahn aus Frankfurt mit veganen Rouladen in seiner Metzgerei
Bio-Metzger Michael Spahn mit veganen Rouladen in seiner Metzgerei in Frankfurt-Bornheim (Archivbild). Bild © picture-alliance/dpa

Dennoch scheint die Nische der veganen Lebensweise den Großen der Branche nicht zu klein, um nicht selbst davon zu profitieren. Immer seien bislang die Supermarktketten auf ihn zugekommen mit dem Angebot, Veganz-Produkte in ihre Regale zu stellen, sagt Veganz-Chef Bredack.

Bio-Metzger Spahn berichtet, eine zwischenzeitliche Kooperation mit Tegut sei inzwischen beendet, auch weil große Fleischhersteller wie Gutfried und Rügenwalder in den veganen Markt drängten. Er als kleiner Anbieter könne da preislich nicht mithalten. Es sieht so aus, als ob die fleischlose Revolution ihre Kinder fressen könnte.

Ihre Kommentare Vegane Produkte erobern die Supermärkte auf Kosten kleiner Läden - was halten Sie davon?

73 Kommentare

  • Leider haben die deutschen Kreizfahrtgesellschaften noch nicht bemerkt, dass es sowas wie Veganer gibt. Auf AidaBella gibt es für uns nichts zu essen. Traurig!

  • Nachtrag: Was ich durchaus gewollt polemisch zum Ausdruck bringen wollte, ist, dass nicht per se die Mischkost als einzig wahre gesunde Ernährungsform gelten kann. Veganismus kann wie die Mischkost, wenn zu unausgewogen praktiziert, zu Mangelerscheinungen führen. Eben BEIDE Seiten können sich gut und ausgewogen ernähren. Oder eben auch nicht. Aber der Veganer verzichtet eben aus diversen Gründen auf jegliche Tierprodukte. Was ist in Zeiten von Massentierhaltung, massenhaftem Antibiotika Einsatz in der Viehhaltung und Überbevölkerung der Erde, der allgemeinen Ressourcenverschwendung, da schlechtes dran zu finden? Selbst 95% des weltweiten Soja Anbaus gehen in die Tierproduktion. Es könnten mehr Menschen mit Pflanzen (jaaa, in Gottes Namen mit getöteten Pflanzen...gähn) satt werden, als durch Fleisch, wenn auch immer noch nicht alle, so aber doch wenigstens mehr Menschen auf der Welt. Es muss ja nicht jeder Veganer werden, aber Respekt vor einem Lebensmittel kann und sollte jeder haben.

  • Amüsant, dass ausgerechnet der ach so kranke Veganer, dessen Produkte einen noch so geringen Anteil an der gesamten Lebensmittelindustrie ausmachen, hier eine so große Projektionsfläche für fleischessende Provokateure bietet. Als ob die normale Wurst ein Beispiel an reiner Natur ohne Geschmacksverstärker und Zusatzstoffe wäre. Leute, hier wie da können wir ENTSCHEIDEN, ob wir das essen. Wahnsinn!! Auch der Veganer hat Auswahl zwischen verarbeiteten oder naturbelassenen Produkten, ist ja nicht zu fassen...Ach, ich vergaß, wir Veganer sind ja zu kränklich, um zu denken. Googelt einer der Herrschaften mal nach Patrick Baboumian? Rich Roll? Brendan Brazier? Und den Namen, der auch noch dem allerletzten Currywurstesser die Zornesröte ins Gesicht treibt, weil der Mann es WAGT, als bekennender Veganer Porsche zu fahren: Attila Hildmann..., die sehen aber auch wirklich, WIRKLICH kränklich aus...und ich bin sicher, dass die Millionen Vitaminpillen NUR für uns paar Veganer produziert werden...

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