Ein Opel- und ein Peugeot-Logo.
Bald womöglich unter einem Dach: Peugeot und Opel. Bild © picture-alliance/dpa

Der Peugeot-Mutterkonzern PSA erwägt, die General-Motors-Tochter Opel zu kaufen. Ein Abschluss binnen weniger Tage gilt als ebenso möglich wie ein Scheitern der Verhandlungen. Der Ministerpräsident zeigt sich von der Entwicklung überrascht, Gewerkschaft und Betriebsrat sind verärgert.

Der US-Autobauer General Motors (GM) sondiert einen Verkauf seiner Tochter Opel an den französischen Konkurrenten Peugeot. Die Gespräche darüber seien in einem fortgeschrittenen Stadium, sagten zwei Insider der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag.

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Ein Sprecher des Peugeot-Mutterkonzerns PSA sagte der Nachrichtenagentur AFP, das Unternehmen erkunde die Möglichkeit, Opel zu übernehmen. GM bestätigte, strategische Überlegungen könnten zu einem Verkauf an PSA führen.

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Ein Abschluss könne binnen Tagen verkündet werden, sagten die Reuters-Informanten. Opel und Peugeot hatten bereits vor einigen Jahren eine Allianz angestrebt. Am Ende blieb davon die gemeinsame Produktion einiger Modelle. Auch die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete am Dienstag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, dass es in den kommenden Wochen zu einer Einigung kommen könne. Allerdings könnten die Gespräche auch noch scheitern.

Bouffier: "Egal, wo der Eigentümer sitzt"

Das erklärte auch General Motors. "Es kann keine Gewissheit geben, dass eine Einigung erreicht wird", hieß es in einer Meldung vom bisherigen Opel-Mutterkonzern, auf die Opel am Nachmittag anstelle einer eigenen Mitteilung verwies. Deutschlandweit arbeiteten im Jahr 2015 nach Unternehmensangaben mehr als 18.000 Menschen für den Konzern, davon mehr als 14.000 am Stammsitz in Rüsselsheim.

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Für die machte sich Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Dienstag stark. "Es ist vergleichsweise egal, ob der Eigentümer wie bisher in den USA sitzt oder in Frankreich. Entscheidend ist, was hier geschieht", sagte er in Wiesbaden. Wichtig sei, dass das Opel-Entwicklungszentrum am Standort Rüsselsheim bleibe. "Die Meldungen des heutigen Tages haben uns völlig überrascht", sagte Bouffier. Die Landesregierung suche nun den Kontakt zur Unternehmensleitung und zu den Betriebsräten.

Arbeitnehmervertreter fühlen sich übergangen

Auch SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel hoffte, dass der Rüsselsheimer Standort erhalten bleibt. Er erklärte, Betriebsräte und Gewerkschaften müssten im Fall eines Zusammenschlusses "entsprechend der geltenden Mitbestimmungsregeln beteiligt sein".

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Doch der Opel-Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall wurden selbst überrascht, erklärten sie am Dienstag. Sie fühlen sich von den Übernahmegesprächen übergangen und sprachen von einer "beispiellosen Verletzung sämtlicher deutscher wie europäischer Mitbestimmungsrechte". Abgesehen davon werde man den möglichen Verkauf aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit PSA aber "vorbehaltlos prüfen".

Dass weder Arbeitnehmervertreter noch Landes- oder Bundesregierung über die Pläne informiert wurden, bezeichnete die aus Darmstadt stammende Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) als "inkazeptabel". Auch Janine Wissler, Fraktionschefin der Linkspartei im Landtag, bezeichnete dieses Vorgehen als "Unding". Kai Klose, wirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, sagte, es sei jetzt wichtig, "dass die Arbeitsplätze am Stammsitz des Unternehmens in Rüsselsheim gesichert bleiben". Es sei im Interesse der hessischen Wirtschaft - einschließlich der Zulieferbetriebe - dass Opel seine Wachstumsstrategie fortsetzen könne, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion Jürgen Lenders.

Auto-Experte befürchtet Stellenabbau

Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach, sagte im Gespräch mit hr1: "Die Konsequenzen sind sehr schwer abzuschätzen. Prinzipiell wird man sich dann natürlich bemühen, Kosten zu sparen." Da sei es naheliegend zu versuchen, "das dann mit weniger Mitarbeitern zu schaffen".

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Thorsten Schäfer-Gümbel

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Doch falls es gelingen sollte, in der neuen Konstellation wettbewerbsfähiger zu sein, "kann man am Ende natürlich auch mehr Fahrzeuge verkaufen und dann könnten möglicherweise die Produktionsstandorte und die Mitarbeiterzahlen stabil gehalten werden", sagte Bratzel. So oder so: "Für viele Beschäftigte ist eine Umorientierung dann notwendig. Ob es zu einem großen Stellenabbau kommen wird, kann man heute noch nicht seriös beantworten."

Brexit-Votum verhagelte Bilanz

Die Traditionsmarke mit dem Blitz als Logo gehört seit fast 90 Jahren zu GM. Die Amerikaner hatten jahrelang vergeblich versucht, Opel zu sanieren. Im vergangenen Jahr hatte Opel sein Ziel verfehlt, erstmals seit 1999 schwarze Zahlen zu schreiben. Als Grund für einen Verlust von 257 Millionen Euro nannte Firmenchef Karl-Thomas Neumann Währungsturbulenzen nach dem britischen Referendum für einen EU-Austritt.

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