Die Deutsche Bank in Frankfurt
Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt Bild © picture-alliance/dpa

Die Deutsche Bank hat am Donnerstag tiefrote Zahlen verkündet. Was bedeutet der Rekordverlust für die Kunden? Was passiert mit der Postbank? Schafft der neue Chef den Umbau? 7 Fragen und Antworten.

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Die Jahresbilanz der Deutschen Bank ist am Donnerstag erwartungsgemäß desaströs ausgefallen: Die Bank hat in 2015 mit 6,8 Milliarden Euro den größten Jahresverlust ihrer Unternehmensgeschichte eingefahren. Seit einem halben Jahr ist John Cryan Co-Chef der Bank mit Stammsitz in Frankfurt. Er hat angekündigt, die Bank radikal umzubauen. Filialen sollen geschlossen und Stellen abgebaut werden. Wie geht es mit der Deutschen Bank weiter? Sieben Fragen, sieben Antworten.

1. Wie wird sich der Rekordverlust der Bank auf die Kunden auswirken?

Direkte Auswirkungen auf die Bankkunden wird der Verlust nicht haben - auf die Aktionäre schon: Die Dividende für dieses und das kommende Jahr hat Cryan bereits gestrichen. Den Sanierungskurs will er zwar ohne Kapitalerhöhung schaffen, komplett ausgeschlossen hat der Deutsche-Bank-Co-Chef sie aber auch nicht.

2. Was wird aus der Postbank?

Das ist noch unklar - es ist nur klar, dass die Deutsche Bank sie verkaufen wird. Der Prozess ist bereits weit fortgeschritten, Schritte für den Börsengang sind in die Wege geleitet. Allerdings gibt es immer wieder Hindernisse zu bewältigen, die das Ganze verlangsamen. Und die meisten Analysten sagen voraus, dass die Deutsche Bank beim Verkauf der Postbank einen Verlust in Milliardenhöhe hinnehmen muss.

3. Was bedeutet der geplante Umbau der Deutschen Bank für die Kunden?

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Generell heißt es bei der Deutschen Bank immer wieder, dass das Privatkundengeschäft ein wichtiges Standbein bleiben soll – trotz der geplanten Schließung von 200 Filialen. Die Deutsche Bank will auch in den Regionen vertreten bleiben, das sagen Cryan und der Chef des Privatkundengeschäfts, Christian Sewing, in den vergangenen Wochen immer wieder. Noch ist auch nicht bis ins Detail klar, welche Filialen geschlossen werden sollen.

Wie andere Banken aber auch, muss und will sich die Deutsche Bank in ihren Filialen moderner präsentieren: Für die derzeit 13 Millionen Privatkunden soll es Beratung per Video geben und Geschäfte mit Standardprodukten sollen schneller und vor allem digital abgewickelt werden. Zudem will sich die Bank stärker als Vermögensverwalter aufstellen, ihre Beratung also auf Mittelständler und wohlhabende Kunden konzentrieren.

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4. Was hat Cryan von seinen Plänen bereits umgesetzt?

Konkret umgesetzt hat der Brite John Cryan bislang nichts, aber die Weichen für einen massiven Konzernumbau der Deutschen Bank sind gestellt. Bis 2018 will Cryan die Deutsche Bank sanieren und ist auf harschem Schrumpfkurs – die wichtigsten Meilensteine dabei: Einzelne Geschäftsbereiche im Investmentbanking fallen weg, von bundesweit insgesamt 700 Filialen für Privatkunden werden am Ende noch 500 übrig sein, 9.000 Mitarbeiter der Deutschen Bank verlieren ihren Job, davon etwa 4.000 in Deutschland. Zudem will die Deutsche Bank die Postbank verkaufen.

5. Was bedeuten die Reformpläne für das Top-Management?

Cryan hat die Top-Manager der Deutschen Bank auf eine lange Durststrecke eingeschworen: Seiner Ansicht nach verdienen Banker im Allgemeinen schlicht zu viel. Cryan hatte bereits im Oktober vergangenen Jahres angekündigt, dass die Boni für 2015 gekürzt würden. Seitdem ist immer wieder von Einschnitten um die 30 Prozent die Rede. Detaillierte Zahlen über die Höhe ihrer individuellen Boni erfahren die einzelnen Mitarbeiter erst Anfang März. Klar ist, dass bis zum Ende des Umbaus 2018 auch die Mitarbeiter in höheren Positionen den Sparkurs mittragen müssen.

6. Wo steht die Deutsche Bank nach all den Skandalen im internationalen Vergleich? 

Schauen wir auf die dominierenden Banken – das sind die auf dem US-Markt: Im Vergleich zu ihnen steht die Deutsche Bank da sehr schlecht da. JPMorgan, Citigroup, Morgan Stanley und die Bank of America sind alle mit Millardengewinnen aus dem Jahr 2015 hervorgegangen. Sie haben ihre Schrumpfkuren bereits hinter sich – unter den strengen Augen der US-Bankenaufsicht SEC haben sich die amerikanischen Banken schneller auf die neuen Auflagen eingestimmt. Während die großen US-Banken wie JPMorgan oder Goldman Sachs 150 bis 200 Milliarden Dollar wert sind, bringt es die Deutsche Bank derzeit gerade mal auf um die 25 Milliarden Euro. Noch vor wenigen Jahren konnte sich die Deutsche Bank im Investmentbanking mit diesen Banken messen, das scheint jetzt vorbei zu sein – und nach einer schnellen Aufholjagd sieht es gerade auch nicht aus.

7. Schafft Cyran den Umbau der Bank?

Seit 2012 hat die Deutsche Bank für ihre diversen Skandale mehr als elf Milliarden Euro zahlen müssen - derzeit ist sie in rund 6.000 Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Da ist also noch einiges zu erwarten. Im vergangenen Jahr hat die Deutsche Bank 5,2 Milliarden Euro für Strafzahlungen zurückgelegt. Beobachter rechnen damit, dass in diesem Jahr noch mehrere Milliarden dazu kommen könnten.

Insgesamt steht das größte deutsche Geldhaus vor einem riesigen Umbau, dessen Ausgang bislang jedenfalls relativ unklar ist. Viele Bankanalysten werfen Cryan vor, dass er nicht deutlich genug macht, wie die Deutsche Bank künftig ausreichend Geld verdienen will. Dass er ein harter Sanierer ist, zeigt sein Werdegang: Das Schweizer Geldhaus UBS hat Cryan in seiner Zeit dort gesund geschrumpft und aus der Krise geführt. Ob ihm das auch mit der Deutschen Bank gelingt, wird sich innerhalb der kommenden zwei Jahre zeigen.

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