Das erste Erdöl aus der Test-Bohrung in Riedstadt.
Es fließt: das erste Erdöl aus der Test-Bohrung in Riedstadt. Bild © Anikke Fischer

Im südhessischen Riedstadt wird seit Freitag Erdöl gefördert. Zunächst mal nur eine Testphase, die elf Monate dauern soll. Hat das schwarze Gold das Potenzial, die Kleinstadt reich zu machen?

Was ist denn da in Riedstadt-Goddelau los?

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Seit Freitag wird im hessischen Ried erstmals nach 22 Jahren wieder Erdöl gefördert. Dafür wurde an der Starkenburger Straße im Riedstädter Stadtteil Goddelau auf einer 40 mal 80 Meter großen Fläche die Förderungsanlage "Schwarzbach 1" errichtet.

Das Heidelberger Unternehmen Rhein Petroleum wird hier in einer elf Monate langen Testphase untersuchen, ob es in 1.700 Metern Tiefe genug Erdöl gibt, damit sich eine dauerhafte Förderung von fünf bis fünfzehn Jahren lohnt. In etwa elf Monaten wird dann das Fazit gezogen.

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Öl im hessischen Ried

Das hessische Ried ist ein Gebiet zwischen Stockstadt, Gernsheim und Crumstadt (Groß-Gerau) in Südhessen. Hier wurden bis 1994 insgesamt rund 1 Million Tonnen Erdöl gefördert. Auch wenn das der bekannteste Ölfund in Hessen ist, ist seine Bedeutung im Vergleich zu anderen Erdölquellen in Deutschland gering.

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Wird Riedstadt jetzt reich?

Eher nicht. "Wir hoffen, dass das Öl sprudelt - wenn's geht auch die Gewerbesteuer", wünscht sich zwar Riedstadts Bürgermeister Werner Amend (unabhängig). Aber momentan geht es hier vergleichsweise um Kleckerbeträge. Auch mit einem Job-Boom ist nicht zu rechnen. Mit den neuen Förderanlagen reicht es derzeit, wenn drei Arbeiter vor Ort die Anlage "Schwarzbach 1" betreuen. Der Großteil der Beschäftigten von Rhein Petroleum arbeitet vom Firmensitz in Heidelberg (Baden-Württemberg) aus. Auf jeden Fall aber könnte sich der Bekanntheitsgrad Riedstadts als Ölquelle Hessens ungemein steigern - auch das ist ein Gewinn.

Auf dieser kleinen Anlage bei Riedstadt-Goddelau wird das Öl zutage gefördert.
Auf dieser kleinen Anlage bei Riedstadt-Goddelau wird das Öl zutage gefördert. Bild © Anikke Fischer

Warum will man ausgerechnet das Öl aus dem hessischen Ried?

Das gefundene Öl ist extrem schwefelarm und muss deshalb nicht aufwändig gereinigt werden. Und es beinhaltet nach Angaben des Unternehmens Rhein Petroleum viele Inhaltsstoffe, die es besonders geeignet für die industrielle Weiterverarbeitung machen. Sprich: Zu schade zum Verbrennen, aber zur Herstellung von Medikamenten und Kunststoffen geeignet.

Lohnt es sich für Landbesitzer im hessischen Ried, nach Öl zu buddeln?

Sie müssen jetzt tapfer sein. Selbst wenn Sie in Ihrem Garten oder Feld fündig werden sollten, haben Sie wenig davon.  Alles, was tiefer als drei Meter liegt, gehört in Deutschland dem Staat - deswegen müssen die ölfördernden Unternehmen auch eine Förderabgabe zahlen. Grundstückseigentümer profitieren eher über die Grundstückspacht.

Wie wurde das Öl überhaupt entdeckt?

Im hessischen Ried hat es bereits 1927 erste Hinweise von Bauern gegeben, dass es auf ihren Feldern nach Öl riechen würde. 1935 bestätigten Bohrungen einer Bergbaugesellschaft erstmals mehrere Ölvorkommen. Die bedeutendste Ölquelle wurde 1952 bei Stockstadt gefunden. 1965 waren in Stockstadt mit Außenstellen  450 Arbeiter und 74 Angestellte für die Ölfördung tätig. In der ersten Euphorie wurde sogar eine Gaststätte in "Ölquelle" umbenannt. 1994 wurde der Betrieb der Förderanlage eingestellt – die geförderte Ölmenge war zu gering geworden und lohnte den Aufwand nicht. Auch die Gaststätte "Ölquelle" gibt es schon lange nicht mehr.

Familie im Winter vor der Ölförderpumpe in Stockstadt - Bild aus den 60er Jahren
In den sechziger Jahren waren die Ölpumpen im hessischen Ried ein beliebtes Fotomotiv. Dieses entstand in der Nähe von Stockstadt. Weitere Bilder sind ab Freitag 18. März in der Sonderausstellung "Bilder vom Öl" im Hofgut Guntershausen/Kühkopf, 64589 Stockstadt zu sehen. Bild © Archiv Jörg Hartung

Könnte der niedrige Ölpreis den Plänen von Rhein Petroleum einen Strich durch die Rechnung machen?

Rund 10 Millionen Euro Kosten haben bisherige Bohrungen, der Aufbau der Anlage und der Betrieb in Riedstadt-Goddelau verursacht. Um das Geld wieder reinzuholen, müssten nach Angaben der Geschäftsführung rund 100.000 Fass Öl (1 Fass entspricht 156 Litern Öl) gefördert werden. Der sinkende Ölpreis bereitet dem Unternehmen nach eigenen Angaben dabei kein Kopfzerbrechen. Man habe Ölpreisschwankungen bei den Berechnungen einkalkuliert.

Ist Erdölförderung in Deutschland überhaupt von Bedeutung?

In Deutschland wurden 2015 insgesamt 2,4 Millionen Tonnen Öl gefördert - das deckt etwa zwei bis drei Prozent des deutschen Bedarfs. Da der Energiebedarf in Deutschland grundsätzlich groß ist, suchen die Unternehmen vermehrt in Deutschland nach eigenen Ressourcen. Auch, um unabhängiger von ausländischen Zulieferern zu werden. Der überwiegende Teil der Erdgas- und Erdöllagerstätten befindet sich jedoch in Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

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