Solaranlagen-Potenzial am Luisenplatz in Darmstadt
Solaranlagen-Potenzial am Luisenplatz in Darmstadt Bild © Screenshot Web-Anwendung Solar-Kataster Hessen

Mit einer neuen Datenbank im Internet können Hausbesitzer in ganz Hessen prüfen, ob sich ihr Dach für eine Solaranlage eignet. Ein Wirtschaftlichkeitsrechner zeigt, ab wann sich die Investition lohnt.

Wirtschafts- und Energieminister Tarek Al-Wazir (Grüne) hat am Donnerstag ein neues Solar-Kataster für Hessen freigeschaltet. In der Datenbank können Haus- und Grundbesitzer online nachschauen, ob sich eine Solaranlage auf ihrem Gebäude installieren lässt.

Fünf Millionen Dächer per Laserscan erfasst

Für das Kataster wurden rund fünf Millionen Dächer und jede Freifläche per Laserscan aus dem Flugzeug erfasst. Nach Al-Wazirs Angaben werden nicht nur physikalische Größen wie Neigungswinkel und Verschattung berücksichtigt, sondern auch die Wirtschaftlichkeit einer Anlage für unterschiedlichste Verbrauchsprofile und technische Varianten, "etwa der Kombination einer Solaranlage mit einem Stromspeicher oder einem Elektrofahrzeug".

Solareignung nach Einfärbung des Daches
Solareignung nach Einfärbung des Daches Bild © Solar-Kataster Hessen

Die Web-Anwendung funktioniere für Photovoltaik-Anlagen ebenso wie für Solarthermie. (Hilfe zur Nutzung) "In dieser Detailschärfe und mit diesen Funktionen gibt es das in keinem anderen Flächenbundesland", sagte Al-Wazir. Die Kosten für Entwicklung, Realisierung und Betrieb bezifferte er auf bislang rund 500.000 Euro.

Die Eignung jeder Teilfläche eines Daches wird individuell für jedes Gebäude und jedes Grundstück berechnet, wie Martina Klärle, Leiterin des Projekts Sun-Area, sagte. "Der Wirtschaftlichkeitsrechner errechnet für die jeweils ausgewählte Fläche, ab wann sich die Investition in eine Anlage lohnt und wie viel CO2 damit eingespart werden kann."

"Potenzial nur zu kleinem Teil genutzt"

Solaranlagen liefern nach den Worten Al-Wazirs in Hessen bisher 4,5 Prozent des Nettostrombedarfs. "Das Potenzial wird damit aber nur zu einem kleinen Teil genutzt."

Das neue Kataster beziehe auch die Möglichkeit ein, den Strom selbst zu verbrauchen. "Denn auch dann kann sich eine Solaranlage rechnen, nicht nur für private Haushalte, sondern auch für Unternehmen", sagte der Minister. Zielgruppe seien zudem Kommunen und Energieversorger.

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Wie läuft die Energiewende in Hessen?

Der Anteil Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch soll bis Ende 2018 in Hessen ein Viertel erreichen. So hat es die schwarz-grüne Landesregierung im Koalitionsvertrag vereinbart. Wie Energieminister Tarek Al-Wazir (Grüne) erklärte, war 2015 die Marke von 16 Prozent geschafft. Das Ziel auf lange Sicht: Bis 2050 soll Hessen seinen Bedarf an Strom und Wärme vollständig aus erneuerbaren Energiequellen decken. Dabei setzt das Land vor allem auf Windkraft.

Ende 2015 drehten sich knapp 850 Windräder in Hessen, 100 weitere seien genehmigt, aber noch nicht gebaut. Rund 500 Anlagen befinden sich im Genehmigungsverfahren. Um das anvisierte Ziel von 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen zu erreichen, sind insgesamt 2.100 bis 2.500 Anlagen nötig. Mit Windkraft wurden 2015 in Hessen 2.132 Gigawattstunden erzeugt, mit Photovoltaik 1.602, mit Biomasse 1.263, mit Wasserkraft 233 und mit Deponie- und Klärgas 50.

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