Ein ICE der Deutschen Bahn
Ein ICE der Deutschen Bahn: Bad Hersfeld fürchtet, vom ICE-Netz abgekoppelt zu werden Bild © picture-alliance/dpa

Schneller, öfter, pünktlicher - mit einer Rekordsumme soll der Bahnverkehr in Hessen ausgebaut werden. Während der Verkehrsminister das Land als "Vorreiter der Verkehrswende" feiert, sprechen andere von einem PR-Gag.

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Zwölf Milliarden Euro sollen bis 2030 ins hessische Schienennetz fließen. Insgesamt zwölf Großprojekte werden damit finanziert. Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) stellte die Pläne am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Wiesbaden vor.

Al-Wazir: "Vorreiter der Verkehrswende"

Den Löwenanteil des Geldes stellt mit rund 80 Prozent der Bund zur Verfügung. Grundlage dafür ist der im vergangenen Jahr beschlossene Bundesverkehrswegeplan. Den Rest der Kosten teilen sich das Land Hessen und die Kommunen.

Längst sei auch die Schieneninfrastruktur an ihre Kapazitätsgrenze gekommen, sagte Al-Wazir. Das Schienennetz werde nun nach jahrelangem Stillstand mit einer Rekordsumme ausgebaut. Zudem bekämen die Verkehrsverbünde mehr Geld, um zusätzliche Züge zu bestellen."Hessen soll Vorreiter der Verkehrswende werden", betonte der Minister.

Linke spricht von "kaltem Kaffee"

Opposition und Fahrgastverbände konnte der Minister damit allerdings nicht überzeugen. "Was Marketing-Minister Al-Wazir heute als großen Coup verkaufen wollte, ist in Wahrheit eine bloße Aneinanderreihung unlängst bekannter Maßnahmen", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag, Jürgen Lenders. Zudem schmücke sich Al-Wazir mit fremden Federn, da viele Projekte von der Bahn geplant und vom Bund bezahlt würden, so Lenders.

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Linken-Fraktionschefin Janine Wissler schlug in dieselbe Kerbe. "Der Minister hat heute mit viel Tamtam kalten Kaffee angepriesen", sagte sie. Die meisten der präsentierten Maßnahmen stammten aus 15 Jahre alten Plänen und seien vornehmlich Bundes- und kommunale Projekte.

Pro Bahn: "Reiner PR-Gag"

Harsche Kritik übte auch der Fahrgastverband Pro Bahn an der Vorstellung der Pläne. "Wir reden hier von Projekten, die seit nunmehr 40 Jahren geplant beziehungsweise schon längst hätten umgesetzt werden müssen", sagte der Landesvorsitzende Thomas Kraft. Den Auftritt des Ministers vor der Presse nannte Kraft einen "reinen PR-Gag".

Al-Wazir wies eine hessische Verantwortung für den jahrelangen Stillstand zurück. Das "Bundesschienenwegeausbaugesetz" sei erst Ende Dezember 2016 in Kraft getreten, sagte er: "Erst seit diesem Zeitpunkt haben wir Sicherheit."

Pünktlicher und schneller

Rückendeckung bekam er vom Koalitionspartner. Die vorgestellten Pläne seien "ein enormer Schub für die Mobilität auf der Schiene", erklärte der CDU-Abgeordnete Ulrich Caspar, wenngleich auch Caspar einräumte, dass viele Vorhaben bereits seit Jahrzehnten diskutiert würden. Ihre Realisierung werde jetzt aber für mehr Pünktlichkeit und kürzere Fahrzeiten sorgen.

Der für Großprojekte zuständige Vorstand der DB Netz, Dirk Rompf, betonte die besondere Rolle, die Hessen aufgrund seiner zentralen geographischen Lage im bundesweiten Netz der Bahn zukommt. Der Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes, Knut Ringat, begrüßte, dass Fern- und Nahverkehr "entmischt" würden. Regionalzüge müssten dann nicht mehr auf Fern- und Güterzüge warten. "Wir reden nicht mehr nur darüber, wir tun auch was."

Die wichtigsten Vorhaben im Überblick:

Ausbau der Strecke Hanau - Würzburg/Fulda
Zusätzliche Gleise sollen den chronischen Engpass auf der viel befahrenen Strecke zwischen Frankfurt und Fulda beseitigen. Reisende im Fernverkehr gewinnen nach Angaben des Verkehrsministeriums dadurch sieben Minuten. Zwischen Hanau und Gelnhausen wird die Strecke entlang den bestehenden Schienen viergleisig ausgebaut.

Ausbau der Strecke Frankfurt/Wiesbaden - Mannheim
Die Pläne versprechen eine Zeitersparnis von von neun Minuten. Wichtig: In einem ersten Schritt geht es bei diesem Projekt um den Nahverkehr zwischen Wiesbaden und dem Frankfurter Flughafen. Hier soll ein "Hessen Express" alle 30 Minuten fahren. Die Fahrzeit soll dabei ab 2025 mit 15 Minuten etwa halbiert werden. Interessant ist das vor allem für Flughafen-Mitarbeiter. In einem zweiten Schritt wird die Strecke ab dem Flughafen nach Darmstadt weitergeführt. Die dritte Stufe widmet sich dann dem weiteren Ausbau bis Mannheim.

Nordmainische S-Bahn
Das Projekt verknüpft die Innenstadt und den Osten Frankfurts im 15-Minuten-Takt über Maintal mit Hanau. Zeitgewinn: bis zu elf Minuten. Die S-Bahn-Stationen sollen barrierefrei werden. Zwei zusätzliche Bahngleise trennen künftig Nah- und Fernverkehr besser voneinander. Erste Bauarbeiten sollen 2019/2020 beginnen.

Regionaltangente West
Hier soll es neue Direktverbindungen ohne Umsteigen unter anderem von Bad Homburg und Eschborn nach Neu-Isenburg und Dreieich geben. Der Ausbau entlastet den durch Frankfurt fahrenden S-Bahn-Verkehr. Je nach Verbindung versprechen die Planer eine Zeitersparnis bis zu 15 Minuten.

S-Bahn plus
Insgesamt 14 Maßnahmen sollen laut Verkehrsministerium die Pünktlichkeit der S-Bahn Rhein/Main verbessern. Dazu zählen auch zusätzliche Gleis- beziehungsweise Weichenverbindungen, die Engpässe im Frankfurter Hauptbahnhof und der Station Farbwerke Höchst vermeiden. Das Land und der Verkehrsverbund RMV finanzieren das Projekt.

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