Drogenszene im Bahnhofsviertel Immobilie für Crack-Suchthilfezentrum in Frankfurt gefunden
Bereits seit einigen Jahren geistert die Idee eines Suchthilfezentrums speziell für Crack-Süchtige durch die Frankfurter Stadtpolitik. Nun scheint eine passende Immobilie gefunden worden zu sein - unweit des Hotspots der Crack-Szene.
Es war alles andere als eine einfache Suche. Seit gut zwei Jahren versucht das Frankfurter Sozialdezernat rund um das Bahnhofsviertel ein Gebäude zu finden, in dem ein speziell auf Crack-Abhängige spezialisiertes Suchtzentrum eingerichtet werden kann.
Kein leichtes Unterfangen auf dem notorisch überhitzten Frankfurter Immobilienmarkt - zumal zum Konzept des geplanten Suchtzentrums auch Konsumräume gehören. Doch nun scheint die Stadt fündig geworden zu sein.
Betten und Konsumräume
Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Pressemitteilung steht in der Niddastraße 76 ein aus Sicht des Dezernats geeignetes Gebäude zur Verfügung. Das Haus erfülle "alle notwendigen Voraussetzungen", teilt Sozial- und Gesundheitsdezernentin Elke Voitl (Grüne) mit:
"Ich werde dem Magistrat vorschlagen, das Objekt so schnell wie möglich im Namen der Stadt zu mieten und damit den nächsten entscheidenden Schritt zur Verbesserung des Bahnhofsviertels zu gehen." Die Dezernentin verspricht, in dem Gebäude künftig suchtkranken Menschen "sämtliche Arten von Hilfe" anzubieten. Dazu gehörten Übernachtungsmöglichkeiten, Ruhebetten und Beratungsangebote, aber eben auch Konsumräume.
Mit dem neuen Crack-Suchthilfezentrum orientiert sich Frankfurt an einem Modell, das bereits seit einigen Jahren in Zürich praktiziert wird. Mit Erfolg: In der größten Stadt der Schweiz ist die offene Drogenszene quasi verschwunden.
Allerdings wird in Zürich in entsprechenden Einrichtungen auch der Handel mit kleinen Mengen illegaler Drogen toleriert. Für Frankfurt hatte Dezernentin Voitl dies in der Vergangenheit jedoch ausgeschlossen. Dafür fehle schlicht die Rechtsgrundlage, hieß es zur Begründung.
Kaufen oder mieten - das ist noch unklar
Das neue Suchtzentrum würde im Fall einer Übernahme der Immobilie durch die Stadt im südwestlichen Abschnitt der Niddastraße, unterhalb des Platzes der Republik, entstehen - und damit nur wenige Blocks vom Hotspot der Crack-Szene im nordöstlichen Teil der Straße entfernt. Laut einer Studie der Goethe-Universität vom Mai 2023 ist Crack inzwischen die am meisten konsumierte Droge im Bahnhofsviertel.
Unklar bleibt derweil, was die Ankündigung, dass ein passendes Gebäude "gefunden" worden sei, genau meint. In der Pressemitteilung spricht Voitl davon, dass das Gebäude angemietet werden soll. Einige Absätze später ist dann von einem Kauf die Rede.
Eine Klarstellung verweigerte das Dezernat am Donnerstag: Weitergehende Auskünfte könnten vor einer Entscheidung des Magistrats nicht gegeben werden, hieß es auf hr-Anfrage.
Fortsetzung des Frankfurter Wegs
Tatsächlich hat die Stadtregierung das letzte Wort und muss schlussendlich der Anmietung oder dem Kauf der Immobilie zustimmen. Dort bilden Voitls Grüne eine Koalition mit SPD, FDP und Volt. Für die Römer-Koalition stellt das auf Crack-Süchtige ausgelegte Zentrum eine konsequente Weiterentwicklung des Frankfurter Wegs dar. Vor 31 Jahren eröffneten in der Mainmetropole deutschlandweit die ersten Konsumräume - damals vorrangig für Heroinabhängige.
Am Frankfurter Weg gibt es derweil immer wieder teils harsche Kritik. Die Frankfurter CDU etwa fordert, dass nur noch in Frankfurt wohnhafte Abhängige Zugang zu Konsumräumen erhielten. Zudem müsste das Angebot mit "harten Ordnungsmaßnahmen" auf der Straße begleitet werden.
Die CDU-geführte Landesregierung hat derweil unlängst ihren 7-Punkte-Plan für das Bahnhofsviertel vorgestellt. Darin vorgesehen ist unter anderem die Umsiedlung von Betreuungs- und Beratungsangeboten in andere Stadtteile.