"Massif E" soll Innenstadt beleben Frankfurter E-Kinos werden zur Eventlocation der Zukunft
Von den Wänden im Foyer grüßen Hollywoodstars. Doch ansonsten hat sich in den geschlossenen E-Kinos in der Frankfurter Innenstadt sehr viel verändert. Nun sollen sie als Eventlocation "Massif E" wiedereröffnen.
Am Eingang blickt den Besucherinnen und Besuchern Heike Makatsch entgegen. Schräg gegenüber, passenderweise hinter einem Pulp-Fiction-Flipperautomaten, starrt Samuel L. Jackson gebannt auf eine Kinoleinwand. Etwas grimmig schaut Hardy Krüger in Richtung der neueingerichteten Bar. Das Foyer der ehemaligen E-Kinos steht noch ganz im Zeichen der großen Leinwandstars, auch wenn hier seit fast einem Jahr kein Film mehr gezeigt wurde.
Am 3. April aber soll das traditionsreiche Lichtspielhaus wieder seine Pforten öffnen. Nicht als Kino oder zumindest nicht nur. Unter dem Namen "Massif E" soll direkt an der Hauptwache ein neuer Veranstaltungsraum entstehen, der Platz bieten soll für "Kunst, Design, Demokratie, Street Art, Kultur, Kulinarik, Sport und natürlich auch Film". So versprechen es die Macherinnen und Macher.
"Mehr aus dem Gebäude machen"
Ende April vergangenen Jahres wurde in den E-Kinos letztmals ein Film gezeigt: Back to Black - die Filmbiographie der jung verstorbenen Soul Sängerin Amy Winehouse. Danach gingen in den E-Kinos die Lichter aus. Ein echter Einschnitt für Frankfurt. Gut 72 Jahre hatten die zuletzt acht Säle Kinogänger an die Hauptwache gelockt.
Doch Personalmangel, teure Sanierungen und immer weiter zurückgehende Zuschauerzahlen hatten den Betrieb auf Dauer unrentabel gemacht. Zumindest im Sinne eines klassischen Kinos. "Kino ist definitiv zeitgemäß, aber die Idee war natürlich aus diesem Gebäude mehr zu machen", sagt Florian Joeckel, Geschäftsführer der Massif Central Projektgesellschaft mbH.
Mehr aus Orten zu machen, ist quasi die Spezialität von "Massif Central". Seit 2023 bespielt die Projektgesellschaft den Frankfurter Bethmannhof, bietet dort neben Gastronomie auch Raum für Events - etwa Veranstaltungen der Frankfurter Fashionweek. In der Eschersheimer Landstraße betreibt sie einen weiteren Standort in einer ehemaligen Autowerkstatt. Im Bahnhofsviertel entsteht mit "Massif W" derzeit ein Projekt zur gemeinsamen Nutzung von Büroräumen.
Auf der Zielgeraden
Die typischen visuellen Erkennungszeichen von "Massif Central" haben inzwischen auch Einzug in die ehemaligen E-Kinos gehalten. Die einstige Popcorntheke ist passé. Stattdessen sollen dort künftig an einer mit bunten, rechteckigen Kacheln verzierten Bar Getränke serviert werden.
Auch die Wände zieren bunte geometrische Formen - Markenzeichen des israelischen Künstlers Pesh, der schon an den anderen Standorten den optischen Stil des "Massif Central" geprägt hat. Flipperautomaten dürfen auch nicht fehlen. Dazwischen: Noch ein bisschen Baustaub, Werkzeug und das eine oder andere Kabel. Das "Massif E" befindet sich auf der Zielgeraden.
Mittendrin: Florian Joeckel. Braun-silbener Lockbart, grauer Herrenhut zu T-Shirt und Cargo-Hose, bis zu den Handknöcheln tätowierte Arme. "Unser Ziel ist es in Zeiten, in denen alle sagen 'Geht nicht, können wir nicht machen, ist nicht gut' zu zeigen, okay, es geht dann irgendwie doch, aber es geht doch nur gemeinsam." Neben sehr viel Eigeninitiative ist nach Joeckels Angaben auch ein "sechsstelliger Betrag" in die Umwandlung der E-Kinos geflossen.
Teilchenbeschleuniger für eine neue Innenstadt
Joeckel und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter sehen das "Massif E" als Beitrag zur Stadtentwicklung. Ein "Baustein" für die Innenstadt der Zukunft. "Wir denken, dass die neue Innenstadt sich quasi aus dem Epizentrum Hauptwache neu entwickeln wird", ist Joeckel überzeugt. Die neue Nutzung der E-Kinos, soll ihren Beitrag dazu leisten. Als eine Art "Teilchenbeschleuniger", so Joeckel.
Dafür musste einiges umgebaut werden. Im ehemals größten Kinosaal - dem Europa - stehen keine Sessel mehr. Stattdessen soll es künftig als Ausstellungs- und Eventfläche genutzt werden. Die Elyseekinos 1 und 2 verfügen noch über Originalbestuhlung und Kinotechnik. Sie sind jedoch vor allem als Vortragsräume vorgesehen.
Die Nutzung der teilumgebauten Räume steht grundsätzlich allen Interessierten offen. Doch das "Massif E" wird - im Gegensatz zum "Massif Central" im Bethmanhof - nicht täglich geöffnet haben. Events statt Dauerbetrieb, so lässt sich das neue Konzept zusammenfassen.
Welche Veranstaltungen genau künftig im "Massif E" stattfinden, darüber entscheidet unter anderem Projektleiter Oemer Enrique Erol. Die Liste der für ihn denkbaren Events ist lang: Conventions, Kongresse, Buchvorlesungen, Podcast-Vorträge. "Die Kinoräumlichkeiten können sehr vielfältig genutzt werden. Es gibt Veranstaltungen, bei denen man lange sitzen muss. Kinosessel sind extrem bequem, da kann man schon mal ein paar Stunden verbringen", sagt Erol.
Und dann ist da noch der große Saal im ehemaligen Europa-Kino. "Wundervoll, glamourös und geschichtsträchtig", wie ihn Erol beschreibt. Geeignet für "Fine-Dining" oder sogar für Messe-Events.
Location für Filmfestivals
Und Kino? Bleibt weiterhin Teil des Konzepts. Bereits Ende April soll das Lichter-Filmfest im "Massif E" gastieren. Im September soll in den Räumen erstmals das "Internationale Frankfurter Sport-Film-Festival" stattfinden.
Während der Nacht der Museen, am 10. Mai, soll zudem im großen Europa-Saal ein Kolossalbild des oscarprämierten Filmdesigners Hein Heckenroth gezeigt werden. Das 14 Meter breite und 5 Meter hohe Kunstwerk war erst 2023 wiederentdeckt worden und bislang noch nie öffentlich in Frankfurt zu sehen.