Zu wenig Regen und eine ganz besondere Auszeichnung
Der März war so trocken wie seit mehr als 140 Jahren nicht, der Fall Amin Farah könnte wieder aufgerollt werden und Gießener Manisch ist Kulturerbe der Unesco. Das und mehr gibt es in Sven-Oliver Schibats Blick auf den Tag.
Heute ist wieder so ein Tag, an dem man sich nach der Schulzeit zurücksehnen könnte, denn für rund 849.000 Schülerinnen und Schüler in Hessen beginnen heute die Osterferien. Ganze zwei Wochen haben sie jetzt einfach so frei. Wenn Ihre Lieblingsautobahn am Wochenende also etwas voller sein sollte, wissen Sie warum: Reiseverkehr.
Im Stau können Sie sich dann aber diese Nachrichten von der Person auf Ihrem Beifahrersitz vorlesen lassen:
- Haben Sie zufällig 15 Mio. Euro gewonnen?
- Trockenheit und Waldbrandgefahr
- Bruder von getötetem Amin Farah will Klage erzwingen
- Gießener Manisch ist Kulturerbe der Unesco
- Weitere Themen des Tages
- Blick über den Tellerrand
- Streaming-Tipps: Deepfake-Pornos und vegane Sterneküche
- Podcast-Tipp: Forever Club
- Eins noch ...
Haben Sie zufällig 15 Mio. Euro gewonnen?
Heute Abend sind rund 27 Millionen Euro im Eurojackpot. Wer hätte die nicht gerne auf seinem Konto?
Dabei ist die Chance darauf mit 1 zu 140 Millionen äußerst gering. Wahrscheinlicher ist es zum Beispiel, vom Blitz getroffen zu werden, im nächsten Badeurlaub einem Hai zum Opfer zu fallen oder auf dem Weg dorthin bei einem Flugzeugabsturz ums Leben zu kommen.
Jemand aus dem Hochtaunuskreis hat es trotzdem geschafft: Ein anonymer Lotto-Tippschein für 8,80 Euro hat seinem Besitzer oder seiner Besitzerin am 29. März 15.336.286,40 Euro eingebracht. Die Person hat sich allerdings noch nicht gemeldet.
Falls Sie also im Hochtaunuskreis wohnen und einen Lottoschein mit den Gewinnzahlen 18, 25, 31, 39, 46, 47 und der Superzahl 6 haben: Herzlichen Glückwunsch! Und rufen Sie doch mal bei Lotto Hessen an. Die freuen sich auf Sie.
Alle anderen können sich heute zumindest über einen Anblick wie den auf unserer heutigen Momentaufnahme freuen. hessenschau.de-Nutzer Wolfgang Brosien hat das Foto im schönen Bad Hersfeld aufgenommen.
Trockenheit und Waldbrandgefahr
Was für ein Wetter! Blauer Himmel, kein Wölkchen in Sicht, dazu fast sommerliche Temperaturen. So lässt sich ein Tag aushalten! Aber fragen Sie mal jemanden aus der Landwirtschaft. Die sehen das ganz anders.
Denn tatsächlich haben wir gerade ein massives Problem: Der März war in Deutschland der trockenste seit 1881 (davor wurden die Niederschläge noch nicht aufgezeichnet) und auch der Winter war viel zu trocken.
Die Folge: Es herrscht bereits jetzt Waldbrandgefahr und im Februar und März hat es in Hessens Wäldern auch schon gebrannt. Achten Sie also bitte unbedingt auf das Rauchverbot, wenn Sie im Wald unterwegs sind!
Die Schiffe auf dem Rhein sind schon jetzt oft nur zum Teil beladen, weil die Pegelstände nicht mehr zulassen. Und für die Insekten könnte es problematisch werden, denn auch sie brauchen Wasser für ihren Nachwuchs. "Weniger Mücken - das ist doch super!", könnte man jetzt sagen. Aber: Ohne Insekten haben die Vögel keine Nahrung. Und erklären Sie mal einer Schwalbe, wie sie ohne den Lehm aus Pfützen ein Nest bauen soll.
Kurzum: Wir Menschen finden sonnige Tage ohne Regen zwar toll, aber für die Natur wäre ein bisschen mehr Wasser von oben ganz gut.
Bruder von getötetem Amin Farah will Klage erzwingen
Im August 2022 wurde der 23-jährige Amin Farah in einem Hotelzimmer im Frankfurter Bahnhofsviertel von einem Polizisten erschossen. Dieser soll in Notwehr gehandelt haben, weil Farah ihn mit einem Messer bedroht haben soll. Das jedenfalls ist das Ergebnis der Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft, die daraufhin die Ermittlungen einstellte.
Der Bruder des Getöteten, Abdiwali Farah, gibt sich mit diesem Ergebnis nicht zufrieden und will deshalb mit einem Antrag auf Klageerzwingung beim Oberlandesgericht (OLG) erreichen, dass die Ermittlungen wegen Totschlags wieder aufgenommen werden und Anklage erhoben wird.
Die Anwältin des Bruders, Beate Böhler aus Berlin, geht nicht von Notwehr aus. Insbesondere der aus kurzer Distanz senkrecht in Farahs Schädel abgefeuerte Schuss passe nicht dazu.
Das von der Staatsanwaltschaft vorgelegte Schussgutachten lasse viele Fragen offen - etwa die nach der genauen Reihenfolge der Schüsse. Den gesamten Polizeieinsatz hält Böhler für unverhältnismäßig, sie spricht von einer "Kette von Fehlentscheidungen".
Gießener Manisch ist Kulturerbe der Unesco
An dieser Stelle wird wahrscheinlich fast jedem Nicht-Gießener ein Fragezeichen über dem Kopf stehen: Wer oder was ist ein Manisch?
Hier die Antwort: Das Gießener Manisch war früher eine Geheimsprache gesellschaftlicher Randgruppen und hat sich im Laufe der Zeit zu einem Gießener Identifikationsmerkmal entwickelt.
Überall in der Stadt finden sich Spuren des Manisch in großflächigen Graffiti. Es gibt T-Shirts, Tassen und Postkarten mit Manisch-Deutsch Übersetzungen. Und die Basketballmannschaft "Gießener Rackelos" heißt auf Deutsch übersetzt "Gießener Jungs".
Manisch wurde jetzt von der Deutschen Unesco-Kommission zusammen mit anderen sogenannten "Rotwelsch-Dialekten" als Träger kultureller Ausdrucksformen in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Unesco aufgenommen.
Alle diese Dialekte haben sich ursprünglich als Geheimsprache von sozial Benachteiligten, Fahrenden und Händlern entwickelt. Sie basieren unter anderem auf einer Mischung aus Deutsch, Westjiddisch, Romani und anderen Sprachen. Herzlichen Glückwunsch nach Gießen!
Weitere Themen des Tages
- Seit mittlerweile zehn Tagen wird der sechsjährige Pawlos aus Weilburg vermisst. Bisher gibt es keine Spur von dem Erstklässler. "Der entscheidende Hinweis blieb bisher leider aus", hieß es am Freitag in einer Mittelung der Polizei. Man setzte nun verstärkt auf kriminalpolizeiliche Ermittlungen. Die Übersichtsaufnahmen der Gegend, die in dieser Woche mit einem Eurofighter erstellt wurden, werden aktuell ausgewertet.
- Die 17-Jährige, die gestern zusammen mit einem 32-Jährigen schwer verletzt auf einem Feldweg in Wetzlar-Blasbach gefunden wurde, ist gestorben. Nach dem aktuellen Ermittlungsstand soll der dringend tatverdächtige 32-Jährige die Jugendliche mit einem Schuss aus einer Waffe lebensgefährlich verletzt haben, so Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag. Anschließend soll er die Waffe auf sich selbst gerichtet haben. Der Mann überlebte.
- Ein 40-jähriger Polizist zeigte gestern Abend in seiner Freizeit Zivilcourage und wurde daraufhin ins Krankenhaus geprügelt. Er soll von zwei jungen Männern angegriffen worden sein, die mit einem Roller und einer Crossmaschine in Darmstadt sogenannte "Burnouts" machten.
Ein kurzer Blick über den Tellerrand
- Nur fünf Wochen nach der Wahl geht es für die Union in den Umfragen bergab - und eine Regierung unter Friedrich Merz ist noch nicht einmal im Amt. Nur noch zwei Prozentpunkte trennen im ARD-DeutschlandTrend die Union von der AfD. Und dabei wollte Merz die AfD doch eigentlich halbieren ...
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- Die Zahl der gemeldeten Einbrüche ist im vergangenen Jahr fast konstant geblieben. Mit rund 90.000 Einbrüchen fand statistisch gesehen alle sechs Minuten ein Einbruch statt. Das klingt viel, ist aber im Vergleich zu 2015 nur noch etwa die Hälfte der damals mehr als 180.000 gemeldeten Einbrüche.
- Er will doch eigentlich nur nach Hause, aber niemand will ihn haben: Die Originalfigur aus dem Filmklassiker "E.T. - Der Außerirdische" wurde bei Sotheby's zur Versteigerung angeboten, doch niemand wollte sie haben. Schon irgendwie gemein. Armer E.T.!
Streaming-Tipps: Deepfake-Pornos und vegane Sterneküche
Haben Sie schon einmal in einem Porno mitgespielt? Nein? Sind Sie sicher? Künstliche Intelligenz ermöglicht nämlich sogenannte Deepfakes, bei denen ein Gesicht in einem Film durch ein anderes ersetzt wird.
Eigentlich wird die Technik dahinter genutzt, um Schauspielerinnen und Schauspieler in Kinofilmen künstlich zu verjüngen. So sieht der heute 82-jährige Harrison Ford im Film "Indiana Jones und das Rad des Schicksals" von 2023 dank KI wieder so aus wie im ersten "Indiana Jones" von 1981.
Man kann die Technik aber auch nutzen, um Gesichter in Pornofilme zu montieren. So musste die Moderatorin und Schauspielerin Collien Ulmen-Fernandes feststellen, dass es Pornos mit ihrem Gesicht darin gibt, obwohl sie nie in einem mitgespielt hat.
Für die Dokumentation "Deepfake-Pornos: Die Jagd nach den Tätern" hat sie sich auf die Suche nach den Menschen gemacht, die solche Deepfake-Pornos herstellen.
Und ich habe noch etwas leichte Kost für Sie - im wahrsten Sinne des Wortes: In unserer Serie "Mittendrin - Flughafen Frankfurt" geht es in der ersten Folge der aktuellen Staffel um einen Sternekoch, der für eine deutsche Fluggesellschaft veganes Essen zubereitet. Und es gibt einen Blick hinter die Kulissen eines der größten Airline-Caterer Europas.
Podcast-Tipp: Forever Club
Der Mystery-Hörspiel-Podcast "Forever Club" erzählt die Geschichte der 17-jährigen Mica, die auf vier Jugendliche trifft, die irgendwie anders sind - was daran liegt, dass sie eigentlich tot sind. Und das ist erst der Anfang dieser dramatischen Geschichte ...
Heute ist die zweite Staffel der Serie erschienen und damit gibt es jetzt 30 Folgen vom "Forever Club" in der ARD-Audiothek.
Die Serie ist übrigens vollgepackt mit Musik und wer wissen will, welche Songs dabei sind, findet auf wdr.de eine Liste aller Titel in chronologischer Reihenfolge.
Eins noch ...
Wahrscheinlich haben Sie schon einmal die Redewendung "Jemanden schön trinken" gehört. Gemeint ist damit, dass Menschen angeblich nach ein paar Bier für die alkoholisierte Person attraktiver aussehen als nüchtern. Mickie Krause hat diesem Thema sogar einen Song gewidmet.
Ob das wirklich funktioniert, ist wissenschaftlich allerdings umstritten. Während es beim Schöntrinken also darum geht, dass die alkoholisierte Person eine andere Person attraktiver findet, haben Forscherinnen und Forscher aus Jena nun herausgefunden, dass Männer tatsächlich attraktiver wirken, wenn sie Alkohol getrunken haben. Aber bevor sich jetzt einige Männer zu sehr freuen: Die Sache hat einen ziemlich großen Haken ...
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Bis Montag!
Ihr Sven-Oliver Schibat (wäre an Stelle dieser Pinguine sauer - Link führt zu Instagram)