Bank testet Überfall Mit Disko-Technik gegen Geldautomatensprenger
Nebel, Blitze und ein Höllenlärm: Im Kampf gegen Geldautomatensprenger setzen Banken auf Effekte, die sonst nur in der Disko zu finden sind. Bei einem Test-Überfall war dem verhinderten Räuber aber nicht nach Feiern zumute.
Vom seriösen Banker zum rabiaten Räuber: Patrick Jacobi durfte am Mittwoch einen ungewöhnlichen Rollenwechsel vollziehen. Der Mitarbeiter der VR Bank Fulda tauschte den Computer als Arbeitsmittel gegen ein Brecheisen. Damit sollte er die Filiale in Hilders (Fulda) überfallen. Ganz offiziell und legal, versteht sich.
Spektakel mit Lärm, Nebel und Blitzlicht
Jacobi zog sich für den Fake-Überfall stilecht zur schwarzen Kleidung eine Sturmhaube über den Kopf, setzte zudem noch Schutzbrille und Gehörschutz auf. Und Sekunden, nachdem er sich Zutritt zum Vorraum mit den Geldautomaten verschafft hatte, ging das Spektakel auch schon los:
Eine Sirene verbreitete einen höllisch lauten Signalton, aus einer Düse an der Wand schoss druckvoll blickdichter Nebel und eine andere Apparatur sendete Lichtblitze aus - ein Szenario wie in der Disko. Für Stuntman Jacobi war die Konfusion komplett. Er versuchte noch eine Sprengstoff-Attrape anzubringen. Doch er hatte keine Chance und musste die Tat abbrechen.
"Ich hatte in Sekundenschnelle keine Orientierung mehr. Ich wollte nur noch raus", sagte der verhinderte Räuber.
Überfälle werden unwahrscheinlicher
Während Jacobi bei seiner Mission scheiterte, lief aus Sicht der VR Bank alles nach Plan. "Alle Systeme haben funktioniert. Sie haben im Zusammenspiel zu maximaler Verwirrung geführt", bilanzierte Patrick Harnier, Leiter für den Bereich Servicebank, den Einsatz der neuen Sicherheitsanlagen.
Überfälle würden mit solchen Schutzmaßnahmen (Harnier: "Der neueste Stand der Technik") immer unwahrscheinlicher, glaubt der Banker.
Der Signalton sei so markant wie eine laute Motorsäge, sorge für Alarm im Umkreis und erschwere die Kommunikation am Tatort. Und das flackernde Blitzlicht - mit der 160-fachen Wirkung einer Glühbirne - solle schnell für Unwohlsein führen. "Stroboskop in Diskos kann cool sein. Unseres ist dann nicht mehr so cool - für die Täter", sagte Harnier.
Investitionen in Sicherheitstechnik
In den vergangenen Jahren hat es zahlreiche Geldautomaten-Sprengungen in Hessen und anderen Bundesländern gegeben. Die Banken haben lange gebraucht, um dem Knowhow und Vorgehen der professionellen Tätergruppen etwas entgegenzusetzen. Aber mittlerweile rüsten viele Geldinstitute auf. So auch die VR Bank, die in der Vergangenheit bereits Ziel von Automatensprengungen wurde.
Von den 27 Automaten, die die regional tätige Bank betreibt, seien 16 Automaten bereits mit dem Sicherheitstechnik-Paket ausgestattet. Weitere sollen folgen. Die Kosten - je nach Maßnahmen - variieren und liegen zwischen 35.000 und 60.000 Euro, wie Harnier sagte.
Doch das Geld in die Sicherheit scheint gut investiert. Je nach Überfall können die Sprengschäden schnell im sechsstelligen Euro-Bereich landen. Wenn es zu Bränden kommt, wird es noch teurer.
Tinte macht Geld unbrauchbar
Und wenn doch mal Geld erbeutet werden sollte, haben die Verbrecher auch nichts davon - zumindest bei den aufgerüsteten Automaten der VR Bank. Denn die Scheine in Geldkassetten der Automaten werde mit Tinte gefärbt, die nicht herauswaschbar ist. So werden die Banknoten unbrauchbar.
Dass die Bank nun über vier Säulen von Sicherheitstechnik - Sirenen, Nebel, Blitzlicht und Tinte - verfügt, demonstriert sie auch nach außen mit Signalschildern, die an der Bank angebracht sind.
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Stahlkoloss soll vor Sprengung schützen
An anderen Standorten setzen die VR Bank Fulda und andere Institute zudem auf sprengsicherere Geldautomaten. Dabei handelt es sich um freistehende Automaten, die wie ein kleiner Pavillon oder Container aussehen. Sie sind 18 Tonnen schwer und bestehen aus armiertem Stahlbeton.
Einen dieser neuen Automaten stellte die VR Bank im November vor. Er steht auf einem Supermarkt-Parkplatz in Mittelkalbach (Fulda) und braucht nur den Platz einer Parklücke. Von diesen hochstabilen Outdoor-Automaten hat die Bank in Osthessen bereits sechs in Betrieb, fünf weitere folgen in Kürze, wie Harnier sagte.
Zahl der Sprengungen mehr als halbiert
Angesichts der verbesserten Sicherheitsmaßnahmen von Behörden und Banken berichtet das Landeskriminalamt in Hessen von weniger Taten. Die Zahl der Geldautomaten-Sprengungen konnte im vergangenen Jahr mehr als halbiert werden. Waren es im Jahr 2023 noch 61 Fälle, lag die Zahl 2024 bei 24 Sprengungen.
Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) sagte: "Durch individuelle Sicherheitskonzepte an den Geldautomaten gelingt es, den Tatanreiz und die Tatgelegenheiten zu minimieren." Er wolle mit den Sicherheitsbehörden weiter resolut gegen die Tätergruppen vorgehen.