Abwärtstrend setzt sich fort Kirchen in Hessen verlieren zehntausende Mitglieder

Trotz Kriegen und Krisen schrumpfen die Kirchen in Hessen jährlich. Katholiken und Protestanten verzeichneten 2024 zwar weniger Austritte als im Vorjahr. Es wurden aber auch weniger Menschen getauft.

Türmchen mit Kreuz und Glocke
Die Mitgliedszahlen der hessischen Kirchen sinken seit Jahren. Bild © IMAGO / Panthermedia

Die Kirchen in Hessen haben 2024 weiter an Einfluss verloren. Wie die Deutsche Bischofskonferenz am Donnerstag mitteilte, sind 22.231 Hessinnen und Hessen im vergangenen Jahr aus der katholischen Kirche ausgetreten. Das sind rund 4.000 Austritte weniger als im Vorjahr.

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Zum Stichtag am 31.12.2024 waren rund 1,16 Millionen Menschen in Hessen Mitglied der katholischen Kirche - im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um etwa 3,7 Prozent. In Hessen leben rund 6,4 Millionen Menschen. 

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Bischof Gerber: Enttäuschende Erfahrungen mit der Kirche

Im Bistum Limburg, das sich über Teile von Hessen und Rheinland-Pfalz erstreckt und das Frankfurter Stadtgebiet umfasst, ist Georg Bätzing der Bischof, zugleich ist er Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. 2024 lebten in der Diözese rund 501.000 Katholikinnen und Katholiken, damit sank die Zahl binnen eines Jahres um knapp 20.000. Knapp 10.00 Menschen sind ausgetreten, das sind 3.000 weniger als 2023.

Im Bistum Mainz, dessen Gebiet zu zwei Dritteln in Hessen und zu einem Drittel in Rheinland-Pfalz liegt, sind im vergangenen Jahr 11.780 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten. Dort sank die Zahl der Mitglieder von 621.000 auf knapp 598.000. Ein Teil der hessischen Katholiken wird dem Bistum Paderborn zugeordnet, in dem mehr als 17.000 Menschen 2024 die Kirche verlassen haben. Die Mitgliederzahl sank auf knapp 1,24 Millionen.

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Nach der neuen Statistik zählte das Bistum Fulda Ende 2024 mehr als 326.800 Katholiken, das sind rund 10.880 weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Kirchenaustritte liegt nach Angaben des Bistums bei 5.345. Bischof Michael Gerber bedauerte, dass Menschen enttäuschende Erfahrungen mit der Kirche gemacht hätten. Er betonte, dass die Kirche gerade vor dem Hintergrund wachsender gesellschaftlicher Herausforderungen Hoffnung vermitteln und Zusammenhalt fördern könne.

Auch zehntausende Austritte in der evangelischen Kirche

In den evangelischen Kirchen sieht es ähnlich aus. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), die sich über Teile von Hessen und Rheinland-Pfalz erstreckt, meldete Ende 2024 noch knapp 1,27 Millionen Mitglieder. 26.000 Menschen seien innerhalb des Jahres ausgetreten. Das entspricht ebenfalls einem Rückgang von 3,7 Prozent.

In der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) sank die Zahl der Kirchenmitglieder mit 11.000 Austritten um 3,2 Prozent. Sie lag zum Jahresende bei mehr als 687.500.

Weniger Geburten, weniger Taufen

Bei Katholiken und Protestanten ging die Zahl der Austritte im Vergleich zu 2023 zwar zurück. Allerdings wurden auch weniger Menschen getauft. Die Zahl der Verstorbenen sei weitgehend stabil geblieben, hieß es von beiden Kirchen.

Die EKKW in Nord- und Osthessen begründet den Rückgang der Taufen mit der niedrigen Geburtenrate, dem verpufften Nachholeffekt nach der Corona-Pandemie und den Austritten vergangener Generationen. EKKW-Bischöfin Beate Hofmann will neue Formate für die Taufe entwickeln und für die Kirchenmitgliedschaft werben, "um Orte der Kraft, des Trostes für Menschen in Not und in Krisen sowie ein wichtiges Netz der Solidarität zu erhalten".

Redaktion: Sophie Brosch

Sendung: hr INFO,

Quelle: hessenschau.de, dpa/lhe, epd, KNA