Verschmutzungen und Zerstörungen Millionenkosten wegen Vandalismus an hessischen Haltestellen
Graffiti, zerstörte Bänke, zerschlagene Scheiben: Immer wieder findet Vandalismus an hessischen Haltestellen statt. Das verursacht hohe Kosten. Alleine in Frankfurt geht es um mehr als eine Million Euro jährlich.
Der Vandalismus an Hessens Bus- und Bahnhaltestellen verursacht hohe Kosten. Die Reparaturen sind aufwändig. Allein in Kassel entstehe durch Vandalismus an Haltestellen jährlich ein Schaden von rund 200.000 Euro, hieß es von der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG).
Im vergangenen Jahr seien etwa 700 solcher Fälle in Kassel registriert werden. Eine Zunahme gebe es allerdings nicht. Bei den Schäden handele es sich vor allem um Verschmutzungen durch Graffiti oder Aufkleber, aber auch beschädigte oder eingeschlagene Scheiben von Haltestellenwänden oder -vitrinen.
Oft nachts und an wenig belebten Orten
"Hinzu kommt zerstörte Haltestellen-Infrastruktur wie an den digitalen Fahrgastinformationsanzeigern oder auch Mülleimern", erklärte eine Sprecherin. Besonders auffällig sei, dass die Sachbeschädigungen besonders nachts und an wenig belebten Orten stattfinden, hieß es.
Im Gebiet des Nordhessischen Verkehrsverbunds (NVV) habe allein der Vandalismus an Bushaltestellen im Jahr 2024 rund 100.000 Euro an Kosten verursacht. Hinzu kämen Personal- und Verwaltungskosten, teilte eine Sprecherin mit. Allerdings sei die Zahl der Vandalismus-Delikte im NVV-Gebiet 2024 im Vergleich zu den Vorjahren eher leicht rückläufig.
Mehr als eine Million Euro in Frankfurt
Der Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF) entstehe durch Reparaturen und Beseitigung von Vandalismus jährlich Kosten von mehr als einer Million Euro, teilte sie mit. Die Frankfurter Nahverkehrsgesellschaften wollen deshalb stärker gegen Vandalismus an Bus- und Bahnhaltestellen vorgehen.
Eine Kampagne an Haltestellen, die häufig betroffen sind, soll auf den hohen Sachschaden aufmerksam machen. "Die neue Anti-Vandalismus-Kampagne vergleicht den Wert attraktiver Alltagsdinge mit Bestandteilen von ÖPNV-Stationen, die meist wenig wertgeschätzt werden", erklärte der Frankfurter Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert (Grüne).
Schon vor zwei Jahren hatte es eine Plakat-Kampagne in Frankfurt gegeben. Mit Botschaften wie: "Wegen dir steh ich im Regen" oder "523 Portionen Pommes - so viel kostet eine neue Scheibe an dieser Haltestelle". Das Aufzeigen von Gegenwerten wie Pommesportionen sei effektiv, sagte die Arbeitsdirektorin der VGF, Kerstin Jerchel. Folien mit dem Anschein einer zerbrochenen Glasscheibe würden zukünftig auf reparierte Scheiben angebracht, um so für mehr Einsicht, Rücksicht und Abschreckung zu sorgen.
In Darmstadt viele beschädigte Automaten
Auch andere Städte beklagen mutwillige Zerstörungen an Haltestellen. In Darmstadt sind Straßenbahnhaltestellen, um die sich die HEAG mobilo kümmert, ebenfalls von Vandalismus betroffen. Die meisten Schäden sind an Fahrscheinautomaten in Stadt und Landkreis oder an den Anzeigern für die digitalen Fahrgastinformationen zu finden, hieß es. Um Glasschäden zu verhindern, setze die HEAG mobilo bei Vitrinen und Haltestellen Plexiglas ein.
Bei den Straßenbahnhaltestellen sind es durchschnittlich zwischen 100 und 200 Schäden pro Jahr. Die meisten Fälle treten am Wochenende auf. Eine Zunahme lasse sich nicht feststellen. Dem Unternehmen entstünde jährlich ein Schaden zwischen 50.000 und 80.000 Euro.
Kameras sind nicht für Vandalismus-Fälle
Wichtige Knotenpunkte wie beispielsweise der Hauptbahnhof oder Luisenplatz sowie Endhaltestellen seien zwar mit Kameras ausgestattet. Diese dienten allerdings nur der Verkehrsüberwachung. "Die über 50 Kameras sind also nicht gegen Vandalismus, sondern sind für die betrieblichen Abläufe – wie zum Beispiel Anschlüsse – notwendig", hieß es.
Der Mobilitätsdezernent der Stadt Darmstadt, Paul Wandrey (CDU) erklärte: Die Aufwendungen für die Schadensbeseitigung an den übrigen Haltestellen im Stadtgebiet könnten auf einen mittleren vierstelligen Betrag beziffert werden und "bewegen sich über die Jahre auf etwa gleichbleibendem Niveau".
Zerstörungswut als Ausdruck von Langeweile
Nach Einschätzung des Fahrgastverbands Pro Bahn sind häufig abgelegene Haltestellen betroffen, die teils von jungen Leuten als Treffpunkte genutzt würden, die vielleicht keine geeigneteren Orte hätten, um zusammenzukommen. Zerstörungswut sei oft ein Ausdruck von Langeweile und Frustration, sagte ein Sprecher von Pro Bahn Hessen. Ein reines Reparieren der Schäden reiche nicht aus, da es keine langfristige Abhilfe biete.
Durch Vandalismus beschädigte oder zerstörte Haltestellen erhöhten auch nicht gerade die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs. Pro Bahn sieht es als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, hier gegenzusteuern und die Probleme nicht nur der Polizei oder dem Sicherheitspersonal zu überlassen. Die Städte, Gemeinden und Landkreise müssten überlegen, welche Angebote sie gerade jungen Leuten machen könnten, sagte der Sprecher. Warum nicht etwa in einem stillgelegten Bahnhofsgebäude einen Jugendtreff mit Sportangebot einrichten, schlug er vor.