Eurofighter macht Luftaufnahmen Vermisster Junge in Weilburg: Auch Luftwaffe sucht nach Pawlos
In Weilburg geht die Suche nach dem vermissten Pawlos weiter - vor allem an Orten, die der sechs Jahre alte Junge kennt. Die Polizei nutzt digitale Anzeigetafeln im öffentlichen Raum, auch die Bundeswehr stieg in die Suche ein.
Seit acht Tagen wird in und um Weilburg nach dem kleinen Pawlos gesucht - auch mit Unterstützung der Bundeswehr: Vom Fliegerhorst im nordrhein-westfälischen Nörvenich startete am Dienstagnachmittag ein für Luftaufklärung ausgerüsteter Eurofighter ("Recce") in Richtung Mittelhessen, um hochauflösende Aufnahmen zu liefern.
Die erstellten Bilder seien in der Auswertung, sagte am Mittwoch ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur dpa. Dabei kämen technische Mittel zum Einsatz, die er nicht näher benannte. Wie viel Zeit die polizeiliche Auswertung in Anspruch nehmen werde, lasse sich nicht sagen.
Das Polizeipräsidium Westhessen hatte ein entsprechendes Ersuchen auf Amtshilfe gestellt. "Ich hoffe sehr, dass der Junge schnell und unversehrt gefunden wird", sagte am Dienstag Oberstleutnant René Diegeler, der stellvertretende Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders 31 "Boelcke".
Polizei: Suche "wird nicht enden"
Noch immer sind zahlreiche Einsatzkräfte an der Suche nach dem Kind beteiligt. Bis zum Freitag werde weiterhin eine "niedrige zweistellige Zahl" an Polizei-Kräften unterwegs sein, sagte ein Sprecher der Polizei. Dann werde es eine Neubewertung der Lage geben.
Dabei werde es um die aktiven Suchmaßnahmen an Land gehen, sagte der Sprecher. Klar sei: "Die Suche selbst nach Pawlos wird nicht enden."
Keine neuen Hinweise zu Pawlos' Aufenthaltsort
Eine Einsatzgruppe der Kriminalpolizei arbeite ebenso mit, den Jungen zu finden, so der Sprecher. Ein Boot der Wasserschutzpolizei war auch am Mittwoch auf der Lahn unterwegs.
Die Ermittler konzentrieren sich inzwischen überwiegend auf Orte, die Pawlos gut kennt: den Bahnhof in Weilburg, die Innenstadt, die Gegend rund um seine Schule sowie die Lahn. Derzeit gebe es keine neuen Hinweise zu seinem Aufenthaltsort, teilte die Polizei mit.
Polizei nutzt deutschlandweit digitale Anzeigetafeln
Neben der Suche in Weilburg und Umgebung sowie einer bereits bestehenden Öffentlichkeitsfahndung nutzt die Polizei seit Montag zusammen mit dem Bundeskriminalamt nun bundesweit mehr als 13.000 digitale Informationstafeln im öffentlichen Raum unter anderem an Bahnhöfen, Autobahnraststätten und Flughäfen, um nach dem Jungen zu suchen.
Junge verschwand am Dienstag
Seit Dienstagmittag wird der laut Behördenangaben "autistisch veranlagte" Junge vermisst. Seither wurde mit einem Großaufgebot gesucht. Hunderte Einsatzkräfte sowie Rettungshunde, Reiterstaffel, Boote, Taucher und Hubschrauber waren in den vergangenen Tagen im Einsatz.
Am Sonntagabend wurde eine Sichtung des Jungen in der Nähe einer Tankstelle in Weilburg gemeldet, schon in der Nacht zuvor gab es nach einem Bevölkerungshinweis eine Suchaktion in Aßlar (Lahn-Dill) - beide Einsätze blieben allerdings ohne weitere Erkenntnisse.
Der sechs Jahre alte Pawlos besuchte eine Förderschule in der mittelhessischen Stadt. Am Dienstagmittag lief er ohne ersichtlichen Grund davon. Kurz darauf sah ihn ein Passant an dem kleinen Bahnhof nahe der Lahn, nur wenige Hundert Meter von der Schule entfernt.
Zuletzt war ein Video aufgetaucht, das laut Polizei "mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit" Pawlos zeigt. Es sei zu sehen, wie ein Junge auf einer stark befahrenen Straße stehe.
Neben ihm sei ein Verkehrsteilnehmer zu erkennen, der ihn von der Fahrbahn begleite. Die Polizei geht davon aus, dass es bald nach der Sichtung am Bahnhof aufgenommen wurde - und zwar ebenfalls nahe der Lahn.
Polizei: Kein Hinweis auf Verbrechen
Die Ermittler stehen mit dem Mann aus dem Video in Kontakt. Die Polizei bekräftigte, dass der Mann als Zeuge geführt werde. Spekulationen in den Sozialen Medien seien zu unterlassen. Die Polizei geht weiter von einem Vermisstenfall aus. Es gebe keine Hinweise auf ein Verbrechen, betonte der Sprecher am Montag.
Wer Pawlos sehe, solle ihn nicht direkt ansprechen oder rufen, weil er sehr schreckhaft sei, so die Polizei. Stattdessen solle man den Polizei-Notruf 110 wählen oder sich an eine Polizei-Dienststelle wenden.