Teilweise Leinenpflicht Ab 1. März ist Brutzeit: Warum Hunde dann an die Leine sollten

Mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen beginnt in Hessen die Brut- und Setzzeit. Bis zum Sommer bringen Vögel ihre Jungen zur Welt, viele Wildtiere ziehen ihren Nachwuchs auf. Naturschützer bitten gerade Hundebesitzer um Rücksicht. Mancherorts gilt Leinenpflicht.

Hund an der Leine
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Ein frei laufender Hund ist für Herrchen und Frauchen und nicht zuletzt für den Vierbeiner selbst eine tolle Sache. Herumrennen, alles erschnüffeln können, was einem vor die Nase kommt - kein Wunder, warum viele Hundebesitzer ihr Tier gerne ableinen.

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Doch ab dem 1. März sollte damit an vielen Wiesen, Feldern und Ackern in Hessen Schluss sein. Dann beginnt die Brut- und Setzzeit - also die Zeit, in der Wildtiere und ihr Nachwuchs besonderen Schutz benötigen. "Aktuell beginnen die Amseln und viele andere Vogelarten mit dem Nestbau", erklärt Bernd Petri vom Naturschutzbund (Nabu) Hessen.

Die brütenden Tiere, aber auch Hasen oder Rehe würden in Hunden immer noch einen Wolf sehen - und damit einen gefährlichen Fressfeind. Bis sie sich beruhigten, vergingen in der Regel ein bis zwei Tage.

Keine allgemeine Leinenpflicht

In Hessen gilt keine allgemeine Leinenpflicht - doch Kommunen können während der besonders kritischen Monate individuelle Verbote beschließen.

So gilt etwa in der Stadt Hanau bis zum 30. Juni ein Leinenzwang in allen Wäldern sowie auf den meisten Wiesen rund um die Stadt. In Naturschutzgebieten herrsche überdies ganzjährig eine Leinenpflicht. Die Stadt Dieburg hatte erst kürzlich eine im gesamten Stadtgebiet geltende Leinenpflicht für Hunde während der Schutzzeit eingeführt.

"Die Amsel in unserem Garten ist eifrig auf der Suche nach Baumaterial und wuselt dabei zur Not dem Fotografen um die Füsse herum", schreibt hessenschau.de-Nutzer Roland Mandel aus Gelnhausen zu seinem Foto.
Derzeit bauen Amseln und andere Vögel ihre Nester und sind auf Ruhe angewiesen. Bild © Roland Mandel

In Frankfurt dürfen Hunde grundsätzlich nur auf eigens hierfür gekennzeichneten Flächen unangeleint laufen - auch außerhalb der Brutzeit. Ausgenommen von der Regelung sind der Stadtwald und weite Teile des Grüngürtels. Hier müssen die Tiere aber einwandfrei auf einen Rückruf hören.

Beim Verstoß gegen die kommunalen Regeln können Bußgelder in unterschiedlicher Höhe anfallen. Frankfurt erhebt - je nach Schwere des Vergehens - bis zu 5.000 Euro.

Hund an der Leine
In vielen Städten und Kommunen gilt während der Brutzeit eine Leinenpflicht. Bild © picture-alliance/dpa

Der Nabu empfiehlt - eben weil es keine einheitliche Regelung gibt - grundsätzlich in der Zeit bis mindestens Mitte Juli besonders auf die Natur zu achten. "Es gibt viele Beispiele von wildernden Hunden, die auf Wiesen oder Ackerflächen rennen. Hundebesitzer finden das meistens lustig. Es ist im Kern nicht lustig. Das ist ein immenser Schaden", erklärt Vogelexperte Petri.

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Brut- und Setzzeit

Der etwas altertümlich wirkende Begriff "Brut- und Setzzeit" kommt eigentlich aus der Jägersprache und meint die Zeit im Jahr, in der sich die meisten Wildtiere fortpflanzen. Sie gilt in der Regel ab 1. März bis 15. Juli - das sind laut Nabu die besonders betroffenen Monate.

Einzelne Städte und Kommunen definieren den Zeitraum aber oft selbst - und können eine individuelle Leinenpflicht anordnen. Die gesamte Brutzeit kann sich laut Nabu bis in den September ziehen.

Eine Leinenpflicht kann auch temporär und lokal wegen anderer Umstände erlassen werden - so mussten im vergangenen Jahr etwa im Kreis Groß-Gerau wegen der Afrikanischen Schweinepest Hunde grundsätzlich angeleint laufen.

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"Wir leben in einer Zeit, in der wir nicht nur ein Artensterben sondern auch ein Sterben von Individuen erleben", so Petri. Es gebe immer weniger Vögel und andere Wildtiere. Wichtig sei demnach besonders, den eigenen Hund anzuleinen und auf den Wegen zu bleiben.

Vögel haben an Wegen weniger Angst als im Unterholz

Die Folge: Flucht und Stress. Nester bleiben kurzzeitig unbewacht, können Fressfeinden zum Opfer fallen oder werden komplett verlassen. Das gestörte Tier selbst wird unnötig gestresst - in einer Zeit, in der es eigentlich Ruhe bräuchte.

Wer alleine oder mit seinem angeleinten Hund auf den Wegen bleibe, störe kaum - hier könnten sich Vögel an menschlichen Durchgangsverkehr gewöhnen. Anders im Unterholz, abseits von Wegen oder auf Feldern. Hier rechnen Tiere laut Nabu nicht mit Besuch. Ihr Herzschlag erhöhe sich sofort.

Heckenschnitt und Bäume fällen verboten

Wenn schon nicht bei Hunden, gibt es durch die brütenden Tiere allerdings an anderer Stelle einheitliche Regeln - was den Heckenschnitt im heimischen Garten angeht. Bis zum 30. September ist das Fällen von Bäumen und anderen Gehölzen in Hessen verboten.

Nur kleine zur Pflege dienende Arbeiten sind erlaubt, obwohl der Nabu davon dringend abrät. Möchte man in der Zeit einen Baum fällen, wird dafür eine Ausnahmegenehmigung benötigt.

Ihre Kommentare Was halten Sie von einer ganzjährigen Leinenpflicht für Hunde?

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61 Kommentare

  • Wie machen das denn die Bundesländer ohne Leinenpflicht, bzw ohne Brut- und Setzzeit?

  • Auf jeden Fall in der Setz- und Brutzeit !!!

  • Ich wäre für eine ganzjährige Leinenpflicht, im Stadtgebiet, außerhalb der Ortschaften, sowie im Wald . Es gibt heute die langen Schleppleinen und in Naturschutzgebieten funktioniert die Anleinpflicht tadellos, wie zum Beispiel in der Lüneburger Heide.

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