Erste Brände in Hessen Hessen Forst warnt vor drastischer Waldbrandgefahr

Es ist zu trocken in Hessen, das macht Wäldern, Tieren und der Landwirtschaft zu schaffen. Der März war sogar der trockenste seit Beginn der Aufzeichung vor mehr als 140 Jahren. Deshalb herrscht eine drastisch erhöhte Waldbrandgefahr.

Feuerwehrautos, Feuerwehrleute und ein Schlauch auf einem Weg in einem trockenen Wald
In Hainburg (Offenbach) musste die Feuerwehr am Donnerstag einen Waldbrand löschen. Bild © 5vision.news
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Trockenheit – Waldbrandgefahr in Hessen

hs 04.04.2025
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Es ist März und schon zu trocken in Hessen. Während Spaziergänger sich über die vielen Sonnenstrahlen mit blauem Himmel freuen, macht der fehlende Regen den Wäldern Probleme. Die hessische Forstverwaltung Hessen Forst und das hessische Forstministerium warnen vor einer "drastisch erhöhten Waldbrandgefahr".

Wegen des außergewöhnlich trockenen März gelten in ganz Hessen mittlere Gefahrenstufen, in einigen Berechen Südhessens sogar eine hohe Waldbrandgefahr, wie die Behörden am Freitag mitteilten.

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Trockenheit – Waldbrandgefahr in Hessen

hs 04.04.2025
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Trockenster März seit Messbeginn 1881

Der März war der trockenste seit dem Messbeginn 1881 in Deutschland. Es fiel nur ein Viertel des Niederschlags, der sonst in diesem Monat üblich ist. Auch der Winter war deutlich trockener als der Winter zuvor, es fiel im Vergleich deutlich weniger Regen und Schnee.

Im März kam es deshalb bereits zu mehreren Waldbränden. Darunter ist laut Hessen Forst ein Großbrand im Nationalpark Kellerwald-Edersee gewesen, bei dem rund 15.000 Quadratmeter Waldboden in Flammen standen. Weitere Feuer seien in Hanau und Jossgrund gemeldet worden, bei denen jeweils rund 700 Quadratmeter betroffen waren.

Wind begünstigt Waldbrände

Die Kombination aus trockenen Böden, vertrocknetem Laub und Gras sowie dünnen Zweigen begünstigen den Angaben zufolge die Entstehung von Waldbränden. Die erwartete Zunahme des Windes werde das Risiko von Waldbränden weiter erhöhen. Auch für die kommenden Tage seien keine Niederschläge vorhergesagt.

Bürgerinnen und Bürger sollten achtsam und verantwortungsvoll handeln. Offenes Feuer und Rauchen im Wald seien strikt untersagt. Gegrillt werden darf im Wald nur auf ausgewiesenen Plätzen. Funkenflug soll dabei vermieden und das Feuer ordentlich gelöscht werden. Wer Anzeichen eines Brandes bemerkt, solle die Feuerwehr über den Notruf 112 alarmieren.

Bauernverband: "Besorgniserregend"

Für die Feldarbeit bringt die Trockenheit jetzt schon Schwierigkeiten. "Es ist schon besorgniserregend, wenn es weiter so trocken bleibt", sagte die Sprecherin des Hessischen Bauernverbands, Marie-Claire von Spee. "Aber aktuell würden wir noch keinen Alarm schlagen."

Für die Aussaat des Sommergetreides sei die Trockenheit zwar zunächst gut gewesen: "Die Traktoren können besser fahren, wenn nicht alles nass und schlammig ist." Für das Keimen von Getreide und Zuckerrüben sei jetzt aber mehr Bodenfeuchtigkeit wichtig: "Es wird Zeit, dass es wieder regnet."

Ohnehin niedrige Pegelstände fallen weiter

Auch für die Schifffahrt hat die Trockenheit Folgen. "Schon lange werden viele Schiffe auf dem Rhein nur noch zum Teil beladen", sagte der stellvertretende Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Bingen, Florian Krekel. Die Wettervorhersage deute auch nicht auf einen baldigen Wiederanstieg des Wasserspiegels hin. Im Gegenteil: Vorerst sollen die Pegelstände weiter fallen.

"Größere Schiffe müssen sich natürlich früher anpassen", erklärte der Experte. Der für die Branche kritische Abschnitt von Europas verkehrsreichster Binnenwasserstraße ist das Rheintal in Teilen von Hessen und Rheinland-Pfalz. Zwischen Wiesbaden und St. Goarshausen (Rheinland-Pfalz) gibt es sechs niedrige Fehlstellen, die langfristig beseitigt werden sollen, um hier wenigstens von garantierten 1,90 auf 2,10 Meter Tiefe in der Fahrrinne zu kommen.

Viele moderne Tankschiffe könnten heute bei voller Beladung laut Krekel einen Tiefgang von 3,50 Meter erreichen. In Erinnerung ist Binnenschiffern auf dem Rhein immer noch das extreme Niedrigwasser im trockenen Jahr 2018 - es soll in ihrer Branche im bundesweiten Wasserstraßennetz Milliardenschäden verursacht haben.

Insekten, Vögel und Amphibien leiden unter Trockenheit

Auch Tieren macht eine Frühjahrsdürre schwer und nachhaltig zu schaffen. Zu wenig Regen im Frühjahr ist vor allem für Insekten ein Problem, wie Markus Pfenninger von der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz sagte. Insekten sind die Nahrung vieler Vögel - somit leiden auch sie.

Hinzu kommen indirekte Folgen. Berthold Langenhorst, Geschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) in Hessen, weist beispielsweise auf die aus ihren afrikanischen Winterquartieren zurückkehrenden Schwalben hin: Für ihren Nestbau fehle der Lehm von Pfützen, wenn Feldwege lange trocken seien.

Feldhasen profitieren - noch

Schwierig sei die Trockenheit auch für Amphibien, sagt der Biologe. "Sie warten in ihren Winterquartieren auf Regen, damit ihre Haut nicht austrocknet." Irgendwann wanderten sie aber doch los zu Gewässern zum Ablaichen. Es gibt indessen auch Gewinner im Tierreich in einem trockenen Frühling, etwa Feldhasen, ursprünglich Steppenbewohner.

Der Frühling ist ihre wichtige Geburtenzeit - und es überleben laut Experten Pfenninger mehr Jungtiere, wenn es dann warm und trocken ist. In Dürrephasen mangele es allerdings auch Hasen an Futter.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau,

Quelle: hessenschau.de, dpa/lhe