Behördliche Genehmigung Umstrittene Affenversuche in Frankfurt sind wieder erlaubt
Etwa ein Jahr lang musste das Frankfurter Ernst-Strüngmann-Institut auf Versuche an Affen verzichten. Der Grund: Die behördliche Genehmigung fehlte. Nun hat das Regierungspräsidium wieder grünes Licht gegeben.
Am Ernst-Strüngmann-Institut für Hirnforschung in Frankfurt sind Affenversuche wieder erlaubt. Das teilte das Regierungspräsidium am Donnerstag mit. Die Forscherinnen und Forscher dürfen somit wieder Versuche an den Tieren durchführen. Dabei geht es laut Institut darum, die Hirnfunktionen besser zu verstehen.
Die Erlaubnis sei zum 31. März wieder erteilt worden, sagte ein Sprecher des Regierungspräsidiums Darmstadt. Rund 40 Affen leben in dem grauen Büro-Gebäude in Frankfurt-Niederrad. Dabei handelt es sich um Weißbüschelaffen und um bis zu 20 Kilo schwere Makaken.
Sachkunde des Personals nachgewiesen
Ein Jahr lang waren die Versuche ausgesetzt. Denn die Behörde hatte Zweifel, dass sich die Forscher gut genug mit Affen auskennen. Nun sind die Zweifel offenbar ausgeräumt.
"Die zuständige Fachbehörde hat die Sachkunde unseres Personals und die Eignung unserer Einrichtung umfassend geprüft und bestätigt", teilte eine Sprecherin des Ernst-Strüngmann-Instituts mit. Bereits genehmigte Versuche könnten somit nun wieder aufgenommen werden.
Der Hintergrund: Im März 2024 hatten zwei erfahrene Mitarbeiter das Institut verlassen, unter anderem der damalige Tierhausleiter. Der neue Tierhausleiter, Matthias Ebert, ist zwar nach eigenen Angaben Fachtierarzt für Versuchstierkunde. Mit Affen hatte er bis 2024 aber nichts zu tun. Er habe sich inzwischen entsprechend weitergebildet und qualifiziert.
Kritik von Tierschützern an Versuchen
Gegen die Affenversuche wird immer wieder demonstriert. 2024 protestierten drei Initiativen gegen Tierversuche am Ernst-Strüngmann-Institut – mit Mahnwachen, Menschenketten und Kundgebungen. Höhepunkt war eine Demonstration im Sommer in der Frankfurter Innenstadt mit rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Viele Tierschützer kritisieren die Affen-Versuche grundsätzlich. Sie glauben nicht, dass sich die Ergebnisse auf das menschliche Hirn übertragen lassen. Auch die Tierschutzbeauftragte des Landes Hessen, Madeleine Martin, bezweifelt das. Es sei eine Tatsache, dass sich das Hirn eines Makaken vom menschlichen Hirn "in verschiedenen Punkten deutlich unterscheidet", erklärt sie damals auf hr-Anfrage.
Institut rechtfertigt Versuche an Affen
Dem widerspricht das Institut. "Eins zu eins" seien die Ergebnisse vom Affen auf den Menschen übertragbar. Die Hirnrinden der beiden Spezies seien unter dem Mikroskop kaum voneinander zu unterscheiden. Um Vorgänge auf Zellebene zu verstehen, seien Affenversuche deshalb sinnvoll.
Laut Tierschutz-Gesetz sind Tierversuche nur dann erlaubt, wenn sich ein echter wissenschaftlicher Mehrwert ergibt. Eine weitere Bedingung: Es darf keine schonenderen Alternativmethoden geben, die den gleichen Zweck erfüllen. Das betonte Gilbert Schönfelder, Leiter des Deutschen Zentrums zum Schutz von Versuchstieren. Dieses gehört zum Bundesinstitut für Risikobewertung.
Zwar lässt sich vieles mittlerweile auch mit Computermodellen oder Versuchen an künstlich gezüchtetem Gewebe erforschen. Beim Gehirn stoße man da aber an Grenzen, sagt Schönfelder. Das Organ sei so komplex, dass sich viele Abläufe noch nicht am Rechner oder in der Reagenz-Schale nachstellen ließen. Deshalb seien Tierversuche manchmal noch unverzichtbar.
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55 Kommentare
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Ich bin gegen Tierversuche! Bei den meisten Versuchen handelt es sich doch um reine Tierquälerei und der wissenschaftliche Nutzen ist mehr als fraglich. Der Mensch ist nicht das einzige Lebewesen auf diesem Planeten und er sollte mit den Mitbewohnern (Tiere und Pflanzen) respektvoll umgehen.
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Absolut!Kein Tier soll leiden um Menschen zu helfen.Das Geld soll für alternative Methoden verwendet werden. Ärzte ohne Tierversuchen kämpfen dafür seit Jahren.
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Das ist der "Segen" von Big Pharma. Es geht nur um's Geldverdienen! Deshalb geht es auch nicht darum, Menschen zu heilen - nur ein Kranker bringt Geld! Zum Glück wird alldem bald ein Ende bereitet. Man schaue nach USA, wo Big Pharma derzeit ausgeschaltet wird. Es gibt viele alternative Behandlungsmöglichkeiten, auch für "schlimme" Krankheiten und für die ist kein einziger Tierversuch erforderlich. Abschaffen, sofort!!!
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