Historiker recherchiert Wie heißt das Frankfurter Waldstadion eigentlich richtig?
Im Volksmund "Waldstadion", auf Schildern und Tickets "Deutsche Bank Park" – Frankfurts größte Sportstätte hat mindestens zwei Namen. Doch was ist die amtliche Bezeichnung? Das Institut für Stadtgeschichte steht vor einem Rätsel.
Im Mai dieses Jahres wird Frankfurts Fußball-Tempel 100 Jahre alt. Für alle Frankfurter ist klar: Es ist vom Waldstadion die Rede. Doch ist das auch der amtliche Name? Wurde die Sportstätte je offiziell so benannt? Zum runden Geburtstag wollte die städtische Stadiongesellschaft die Frage klären lassen – ohne Erfolg.
Viele vergilbte Dokumente hat Thomas Bauer in den vergangenen Wochen durchgesehen. Der Historiker vom Institut für Stadtgeschichte sollte Licht ins Namensdunkel bringen. Er hat viele Bezeichnungen für die Sportstätte gefunden – von "Hauptkampfbahn" bis "Wald-Sportstätte". Doch eine offizielle Benennung in "Waldstadion"? Fehlanzeige. Thomas Bauer spricht von einem "Mysterium".
Stadion – Sportfeld – Victory Park
Die lange Namensgeschichte im Zeitraffer: Am Anfang ist es einfach das Stadion Frankfurt am Main. Wenige Jahre später lässt Frankfurts NS-Oberbürgermeister Friedrich Krebs "Stadion" durch "Sportfeld" ersetzen, das erscheint ihm germanischer. Nach dem Krieg beschlagnahmen die US-Truppen die Anlage und nennen sie "Victory Park".
Seit 1950 ist die gesamte Sportanlage mit Fußballplatz, Radrennbahn und Schwimmbad wieder im Besitz der Stadt. Die lässt alles renovieren und lädt 1955 feierlich zur Eröffnung. Und was steht auf der Einladung? "Stadion", sagt Historiker Bauer. Ebenso auf den Plakaten für die Deutsche Leichtathletik-Meisterschaft. Der Zusatz "Wald" fehlt.

Muhammed Ali boxt im Waldstadion
In Zeitungsberichten, auf Postkarten oder in Politiker-Grußworten wird dagegen immer öfter "Waldstadion" gesagt. Und der Name setzt sich durch. 1966 wird der Boxkampf von Karl Mildenberg gegen Muhammed Ali selbstverständlich im Waldstadion ausgetragen. Auf den Tickets für die Fußball-WM 1974 steht auch: Waldstadion.
Nur einen offiziellen Beschluss gibt es nicht, auch keinen Schriftzug auf dem Stadion. Womöglich ist es schlicht nicht nötig, denn jeder weiß, wie die Betonschüssel im Stadtwald heißt.

Plötzlich tauchen die Banken auf
Einen Schriftzug bekommt erst der Neubau für die Weltmeisterschaft 2006. Nur lautet der dann ganz anders, nämlich "Commerzbank Arena". Die Stadiongesellschaft hat die Namensrechte an eine Bank verpachtet. 2020 wechselt der Sponsor, seitdem steht "Deutsche Bank Park" in blauen Lettern auf dem Dach. Auch auf Verkehrsschildern steht es so.
Ist das vielleicht der amtliche Name? Nein, erklärt die Stadiongesellschaft. Das sei lediglich die derzeitige kommerzielle Bezeichnung. Die Hauptnutzer der Anlage haben sie ohnehin nie akzeptiert, Eintracht-Fans sprechen stets vom Waldstadion.
Auch zum Jubiläum kein Gastspiel für "Waldstadion"
Politisch zuständig für die Benennung von Straßen und Plätzen ist eigentlich der Ortsbeirat 5. Und der hat schon vor über einem Jahr beantragt, zumindest zum 100. Stadiongeburtstag endlich den wahren Namen, also Waldstadion, auch zum offiziellen Namen zu machen. Doch dem erteilt die Stadiongesellschaft auf hr-Nachfrage eine Absage. Es werde keine Umbenennung geben.
So bleibt Waldstadion der populäre, aber inoffizielle Name der Kultstätte. Nicht schlimm, findet Historiker Bauer. Der Name der Herzen sei stärker als jede amtliche oder kommerzielle Bezeichnung. "Der allgemeine Sprachgebrauch setzt sich gegen so manches durch."