Bewerbung um Landesvorsitz Anna Lührmann will hessische Grüne führen

Zur Bundestagswahl trat sie als hessische Spitzenkandidatin an, nun bewirbt Anna Lührmann sich um den Vorsitz des Grünen-Landesverbands. Sie will "neue Ideen für das Land entwickeln" - und vielleicht auch für die Partei.

Anna Lührmann am Rednerpult mit der Aufschrift "Mit Euch. Mit Uns. Für Hessen." reckt den rechten Arm hoch mit Daumen-hoch-Zeichen, dahinter grüne Wand mit Sonnenblumen-Logo der Grünen
Anna Lührmann sieht die Grünen im Aufwind. Bild © picture alliance/dpa | Christian Lademann

Anna Lührmann will beim Landesparteitag am 15. März in Marburg für einen der beiden Vorstandsposten der hessischen Grünen kandidieren. "Ich kam als hessische Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl viel im Land herum und habe große Lust, weiter mit den Leuten vor Ort zu arbeiten", sagte sie am Freitag exklusiv dem hr.

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Noch arbeitet die 41-Jährige aus Hofheim als Staatsministerin für Europa und Klima im Bundesaußenministerium in Berlin. Seit der Abwahl der Ampel-Regierung ist klar, dass sie aus diesem Amt bald ausscheiden wird. Als zum wiederholten Mal in den Bundestag gewählte Abgeordnete wird sie der Bundespolitik erhalten bleiben.

Kandidatur nach Rücktritten

Zugleich tut sich an der Spitze der hessischen Grünen eine doppelte Vakanz auf. Nach dem Streit um zwei Auslandsreisen des Co-Landesvorsitzenden Andreas Ewald trat zunächst Co-Chefin Kathrin Anders von ihrem Posten zurück.

Danach kündigten Ewald und der restliche Vorstand an, beim Parteitag nach der Bundestagswahl nicht mehr kandidieren zu wollen. Kritiker hatten Ewald vorgeworfen, Einladungen zu politischen Informationsreisen nach Israel und in die USA seien als versteckte Parteispenden zu werten. Die Bundestagsverwaltung prüfte die Vorgänge und entlastete Ewald.

"Stillstand in der Landesregierung"

Anna Lührmann geht es nach eigener Aussage darum, im Fall ihrer Wahl zur hessischen Parteivorsitzenden "neue Ideen für das Land zu entwickeln". Sie äußerte sich im Gespräch mit dem hr enttäuscht über die bisherige Bilanz der schwarz-roten Landesregierung. Diese schreibe sich zwar "eine Renaissance der Realpolitik" auf die Fahnen, halte sich aber mit Genderverbot und dem vorgeschriebenen Blockflötenunterricht an Schulen mit Nebensächlichkeiten und Symbolpolitik auf.

Sie wolle dazu beitragen, dass die Grünen als Oppositionspartei im Landtag weiterhin als "Stimme der Vernunft" aufträten, sagte Lührmann: "Wir müssen Kurs halten für eine moderne Wirtschaftspolitik, die verknüpft ist mit Klimaschutzpolitik."

Die CDU/SPD-Koalition in Wiesbaden betreibe derzeit gar keine Klimapolitik. "Hier herrscht Stillstand", beklagt Lührmann. Die Klimakrise erlaube jedoch keinen Aufschub bei den Gegenmaßnahmen.

Angesprochen auf das aus Grünen-Sicht enttäuschende Ergebnis bei der Bundestagswahl und den vorherrschenden Zeitgeist, der trotz der sich zuspitzenden Klimakatastrophe auf eher weniger Klimaschutzmaßnahmen drängt, sagte Lührmann: Ihrer Überzeugung nach gehe das Bemühen um einen Konjunkturaufschwung sehr gut zusammen mit der Transformation hin zu nachhaltigem und ressourcenschonendem Wirtschaften.

"Konstruktive und realistische Vorschläge"

Sie räumte zugleich ein, dass sie selbst noch keine Antwort darauf habe, warum die Grünen mit dieser Botschaft nicht so durchdringen, wie es für eine Regierungsbeteiligung nötig wäre. Dazu müsse sie mit ihrer Partei erst das Bundestagswahlergebnis genau analysieren.

Die Zeit in der Opposition sowohl im Land als auch im Bund sollen die Grünen nach Lührmanns Meinung dazu nutzen, um "ein klareres Profil zu entwerfen" und um "konstruktive und realistische Vorschläge zu machen". Vermeintlich einfache Lösungen vorzuschlagen, liege ihr auch in der Opposition fern.

Landesverband mit rund 13.000 Mitgliedern

Dafür nutzen will sie auch die Ideen der vielen neuen Parteimitglieder, die sich den Grünen vor allem seit dem Ampel-Aus angeschlossen haben. Jedes vierte sei seit weniger als einem Jahr dabei in Hessen.

Insgesamt sei der Landesverband auf aktuell rund 13.000 Mitglieder angewachsen. "Als Landesvorsitzende will ich die Brücke zwischen unseren Mitgliedern und den Fraktionen in Wiesbaden und Berlin sein", sagte Lührmann.

Sendung: hr INFO,

Quelle: hessenschau.de