Regionalversammlung stimmt zu Frankfurt darf weiter neuen Stadtteil planen

Fast 7.000 neue Wohnungen sollen im Frankfurter Nordwesten entstehen. Um den Nachbarkommunen entgegenzukommen, hatte die Stadt die Pläne für den umstrittenen neuen Stadtteil angepasst. Nun hat die Regionalversammlung zugestimmt.

Luftaufnahme von nordwestlichen Stadtteilen von Frankfurt am Main und der A5 zwischen Westkreuz und Nordwestkreuz. Man sieht Äcker und Wiesen mit Bäumen, wo ein neuer Stadtteil gebaut werden soll. Im Hintergrund sind die Hochhäuser der Frankfurter Skyline zu sehen.
Im Nordwesten von Frankfurt, östlich der A5 (auf dem Bild jenseits der Autobahn), soll ein ganzer neuer Stadtteil entstehen. Bild © picture alliance/dpa | Arne Dedert

Frankfurt kann seinen "Stadtteil der Quartiere" im Nordwesten der Stadt planen. Die Regionalversammlung Südhessen hat in ihrer Sitzung am Freitag mit großer Mehrheit dem "Zielabweichungsantrag" der Stadt zugestimmt.

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Multifunktionshalle und neuer Stadtteil für Frankfurt

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Er sieht die Entstehung dreier Quartiere östlich der A5 vor. Dort sollen rund 6.800 Wohnungen für bis zu 17.000 Menschen entstehen.

Keine Bebauung westlich von Autobahn

Anders als in früheren Plänen soll es westlich der Autobahn keine Wohnbebauung geben. Stattdessen soll dort nun die "koproduktive Landschaft" erweitert werden, ein gemeinsamer und multifunktionaler Grünraum, wie die Stadt mitteilte.

Dies war eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die 99 Mitglieder der Regionalversammlung den Entwicklungsplänen der größten Stadt Hessens zustimmen.

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Die neuen Pläne haben auch den Segen des zuständigen Regierungspräsidiums Darmstadt. Es hatte vor kurzem in einem Beschluss erklärt, dass es "grundsätzlich möglich" sei, das Quartier in dem nun vorgesehenen Areal zu errichten, die Pläne seien raumverträglich.

Dringender Bedarf an Wohnraum

Frankfurt hat knapp 800.000 Einwohner, und der Bedarf an Wohnraum wächst weiter. Die Pläne für den neuen Stadtteil im Westen der Stadt gibt es bereits seit acht Jahren, doch sie stießen auf den Widerstand der Anrainerkommunen wie Steinbach oder Oberursel (beide Hochtaunus).

Die Regionalversammlung Südhessen setzt sich aus 99 stimmberechtigten Vertretern der Landkreise, kreisfreien Städte und Gemeinden zusammen. Sie ist ein wichtiges Gremium für die räumliche Entwicklung der Region, erstellt Regionalpläne, beschließt Änderungen und nimmt zu Fragen der Raumordnung Stellung.

Denn ursprünglich waren vier Quartiere geplant. Einer davon sollte westlich der A5 entstehen und bis an Steinbach heranreichen. Landwirte bangten um ihre Felder, Anwohner um die Frischluftzufuhr. Im September 2019 hatten sich aus Protest rund 3.000 Menschen zu einer kilometerlangen Menschenkette zusammengeschlossen.

"Wichtiger Schritt für weitere Planung"

"Der heutige Beschluss der Regionalversammlung Südhessen ist für uns ein sehr wichtiger Schritt, um gemeinsam mit der Region den Stadtteil der Quartiere im Frankfurter Nordwesten weiter zu planen“, sagte Frankfurts Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD).

Er lobte die guten Gespräche mit der Regionalversammlung, im Rahmen derer durch die Anpassung der Planungen ein besseres Ergebnis erzielt worden sei.

Grüne: Planung muss ökologisch Sinn machen

Zufrieden zeigten sich auch die Grünen im Römer. "Das ist ein wichtiger Meilenstein für die Stadtplanung in Frankfurt", sagte deren planungspolitische Sprecherin Julia Frank. Der neue Stadtteil sei die wichtigste Antwort auf den wachsenden Bedarf an Wohnraum. Die Grünen hätten dabei stets darauf gepocht, dass die Planungen auch ökologisch Sinn machten.

Der CDU-Politiker Bernd Röttger sagte, maßgeblich für die Zustimmung seiner Partei sei die Konzentration auf Flächen östlich der A5, die Anknüpfung an die bestehende siedlungsstruktur und die Freihaltung bedeutsamer Kaltluftleitbahnen gewesen. Dezernent Gwechenberger habe in einem intensiven Dialog den regionalen Konsens gesucht und gefunden.

Bedenken von Umweltschützern

Kritik gab es dagegen schon im Vorfeld der Sitzung vom Umweltverband BUND. Mit der Bebauung würden große Kaltluftentstehungsflächen versiegelt oder deren lokale Winde blockiert, hieß es vom Frankfurter Kreisverband.

Der umweltpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Römer, Roger Podstatny, zeigte Verständnis für die Bedenken. Der "Stadtteil der Quartiere" werde aber keine klassische Trabantenstadt, versprach er. "Urbane Dichte im Kernbereich wird gepaart mit großzügigen Grünzügen, die Frisch- und Kaltluft auch weiterhin den Weg in die Kernstadt ebnen."

Entwicklungssatzung in diesem Jahr

Nach der Zustimmung durch die Regionalversammlung muss die Stadtverordnetenversammlung eine Entwicklungssatzung beschließen. Der Magistrat sei zuversichtlich, dass dies noch in diesem Jahr erfolgen werde, hieß es von der Stadt.

Bis die Pläne verwirklicht und die ersten Wohnungen im neuen Stadtteil bezugsfertig sind, dürften nach jetziger Schätzung etwa 15 bis 20 Jahre ins Land gehen.

Redaktion: Uwe Gerritz

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau,

Quelle: hessenschau.de/Frank Angermund; dpa/lhe