Vom Ersatzmann zur Stammkraft Plötzlich wichtig! Papela als Vorbild für zweite Lilien-Reihe
Der Heimsieg gegen Schalke verschafft Darmstadt 98 spürbar Auftrieb. Trotzdem plagen sich die Lilien weiterhin mit Personalproblemen herum - eine Chance für Leute wie Merveille Papela.
Als Florian Kohfeldt noch vor der Übungseinheit am Mittwochmittag auf sie zuschritt, hatte es sich für die 16 Fans von Darmstadt 98 schon gelohnt, ihr Kommen trotz Schmuddelwetters. Der Trainer der Lilien trottete vor Eröffnung des sportlichen Treibens bewusst quer über den Platz und begrüßte die Kiebitze persönlich. Ein Akt der Wertschätzung, zumal Kohfeldt den Ausdauernden noch jegliche Erfüllung von Autogramm- und Selfiewünschen nach der Einheit versprach. Erst danach ging es los auf dem Platz, begann die Vorbereitungswoche auf das Zweitligaspiel am Sonntag in Magdeburg - mit Andreas Müller und Philipp Förster.
Heißt auch: Die mukuläre Blessur von Mittelfeldmann Müller, wegen der er zuletzt beim 2:0-Befreiungssieg gegen Schalke 04 ausgewechselt werden musste, ist nicht schlimm. Und Förster, dick eingemummelt zwar noch, dürfte ebenfalls nach überstandener Krankheit für Sonntag wieder ein Kader-Kandidat sein. Gute Nachrichten also für die Lilien.
Kohfeldt lobt das Kollektiv
Mittendrin mischte am Mittwoch auch Merveille Papela mit. Ein Profi, der zwar bereits auf 22 Ligaeinsätze kommt, die meisten davon aber nur als Einwechselspieler. Erst seit der Verletzung von Kai Klefisch ist Papela auf der Doppel-Sechs neben Müller gesetzt, durfte er viermal von Beginn an ran. Es sei schön, dem Team jetzt mehr helfen zu können, sagte Papela dann auch in einer Medienrunde, ohne dabei allzu großen Groll auszustrahlen, dass ihm das über weite Strecken der Saison nicht gelungen war. Denn wichtig sei stets der Mannschaftserfolg, "persönliche Ziele stehen im Hintergrund". Worte, die jedem Trainer gefallen dürften.
Im Anschluss an den wichtigen Erfolg gegen Schalke hatte Kohfeldt allerhand Lob für sein Team geäußert, für seine beiden Angreifer Isac Lidberg und Fraser Hornby, inbesondere fürs Kollektiv, explizit aber hob er auch noch zwei andere Profis hervor: Linksverteidiger Guille Bueno und eben jenen Papela, beides Ergänzungsspieler, die derzeit Vollzeitkräfte sind. "Sie haben das sehr gut gemacht", so Kohfeldt.
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Holland-Rückkehr zieht sich hin
Im zentralen Mittelfeld fehlt neben Klefisch seit Saisonbeginn auch Paul Will (Kreuzbandriss). Links hinten verbüßt Fabian Nürnberger nach zwei Tätlichkeiten binnen zwei Sekunden seine Fünf-Spiele-Zwangspause, zudem zieht sich die Rückkehr von Fabian Holland. So stand der eigentliche Kapitän in der Rückrunden-Vorbereitung nach überstandenem Kreuzbandriss zwar wieder auf dem Platz, dann warf ihn jedoch ein schwerer Infekt deutlich zurück.
So bleibt die zweite (oder dritte) Reihe bei den Lilien weiterhin wichtig, ein Leistungsabfall ist da aber nicht immer zu verhindern, wie die Schwächephase zu Beginn des Jahres eindrucksvoll aufzeigte. Denn nicht nur Bueno und Papela bekamen ihre Chancen, auch andere Profis wie Fynn Lakenmacher, Oscar Vilhelmsson oder Marco Thiede. Nicht von allen wurden sie nachhaltig genutzt.
Papela: "Ist ein sehr, sehr geiles Team"
Für Papela hat sich der Wechsel im vergangenen Sommer aus Mainz nach Darmstadt dennoch gelohnt. "Für meine Entwicklung war das gut", sagte der 24-Jährige, der in ein "sehr, sehr geiles Team" und einen "familären Verein" gekommen sei. "Jeder läuft für jeden, jeder feiert sich ab nach guten Aktionen." Dies habe vor allem zuletzt die Partie gegen Schalke bewiesen. Papela ist einer, der sich immer reinhaut, der viel läuft und für seine Gegenspieler unangenehm, weil biestig ist. Fußballerisch kann er dagegen bestimmt noch draufpacken.
Am Sonntag wollen die Darmstädter derweil in Magdeburg anknüpfen an den Aufwärtstrend des Schalke-Spiels. Einzig muss auch dann die zweite Reihe wieder fürs Stammpersonal einspringen. Es fehlt der gelbgesperrte Innenverteidiger Clemens Riedel, ihn könnte der bisher kaum in Erscheinung getretene Winterneuzugang Meldin Dreskovic ersetzen. In Mann-gegen-Mann-Duellen sieht Kohfeldt den 26-Jährigen bereits "gut dabei". Im Spielaufbau sei hingegen noch Luft nach oben. Ähnliches gilt auch für Matej Maglica.
So könnte der Coach auch auf eine Dreierkette umstellen und Müller dort als Mittelmann aufbieten. Der zuletzt gesperrte Jean-Paul Boetius würde dann ins zentrale Mittelfeld rücken - an die Seite von Merveille Papela. Der einstige Ersatzmann ist derzeit unumstritten.