Willensleistungen gegen Kiel und Gummersbach Die Triple-Jäger der MT Melsungen sind wieder da
Noch vor zwei Wochen zeigte die Tendenz bei der MT Melsungen nach unten, mittlerweile agieren die Handballer aus Nordhessen wieder titelreif. Ihnen bleiben drei Chancen.
Die ganz große Neuigkeit im Sport ist es nun nicht, wenn sich feststellen lässt: Es hat sich was gedreht - noch dazu im Eiltempo. Veränderte Situationen gehören schlicht dazu, insbesondere im rasend-raschen Handball-Betrieb. Beachtlich sind derartige Entwicklungen aber allemal. Als Beispiel sei an dieser Stelle jene des Topclubs MT Melsungen betrachtet.
Noch vor zwölf Tagen, am 21. März, erlebten die Nordhessen eine Abreibung der allerübelsten Sorte. 32:42-Klatsche beim Mittelklasse-Team aus Hamburg, die Bundesliga-Tabellenführung futsch und ein Trainer, Roberto Garcia Parrondo, der seine Spieler während einer Auszeit verbal im Boden versenkte. Die bis dahin so grandiose Saison, sie hätte an diesem Punkt ins Negative abrutschen können. Pustekuchen.
Als Einheit aus misslicher Lage befreit
Keine zwei Wochen später ist die MT wieder da, und wie! Auf die Hamburg-Schmach und eine Niederlage im Hinspiel der European League beim VfL Gummersbach folgten zwei Statement-Siege: Erst am vergangenen Samstag in der Liga gegen den Rekordmeister THW Kiel (27:22), dann am Dienstagabend im Europapokal-Rückspiel gegen den Altmeister Gummersbach (29:25).
Melsungen zeigte an beiden Tagen zwar nicht die feinste Handball-Kunst, sehr wohl aber beeindruckende Willensleistungen. Die Spieler agierten als Einheit, pushten sich, warfen alles rein, was die Körper hergaben. So treten Champions auf, so befreien sich Topteams aus misslichen Lagen.
Als das Spiel gegen Gummersbach auf der Kippe stand, übernahm vorne Timo Kastening das Zepter, trieb mit seinem Tempo an und netzte verlässlich ein. Auch das Sieben-gegen-Sechs funktionierte wieder besser als zuletzt. Und hinten hielt der Mittelblock einiges fern, erleichterte Torwart Nebojsa Simic damit die Arbeit. Alles in allem verdienten sich die Nordhessen das Weiterkommen ins Viertelfinale.
Personelle Sorgen bleiben
Was ist nun also drin? Der Europa-Titel? Der nationale Pokalerfolg? Die Meisterschaft? Double? Triple? Oder gar nichts? Möglich ist alles. Die MT aber denkt lieber, wer will es ihr verdenken, von Spiel zu Spiel. Denn weiterhin ist die personelle Lage angespannt, auch gegen Gummersbach musste etwa der aus der Handball-Rente geholte Felix Danner in der Schlussphase wieder mittun.
Elvar Örn Jonsson, einer der Unterschiedspieler, kam gegen den VfL dagegen nur zu einem Mini-Einsatz, der isländische Nationalspieler hatte sich im Training den Fuß vertreten. Gegen Kiel war er nach vierwöchiger Verletzungspause überhaupt erst zurückgekehrt in die Mannschaft.
Pokal-Final-Four wartet als Höhepunkt
Am Samstag (19 Uhr) sind die Melsunger nun in der Bundesliga in Bietigheim zu Gast, als Tabellendritter mit nur einem Zähler Rückstand auf den Primus aus Berlin treten sie gegen den Drittletzten als klarer Favorit auf die Platte. Ein Wochenende später folgt ein Saison-Höhepunkt, das Pokal-Final-Four in Köln - mit der MT als heißem Kandidaten auf eine Endspielteilnahme.
Halbfinal-Gegner HBW Balingen-Weilstetten ist zwar starker Tabellenvierter, allerdings in der zweiten Liga. Alles andere als der Einzug ins Endspiel wäre eine herbe Enttäuschung. Dort könnte die MT entweder auf die Rhein-Neckar Löwen oder den THW Kiel treffen. In der European League geht es schließlich Ende April weiter, dann im Viertelfinale gegen Bidasoa Irun, den Dritten der spanischen Liga.