Mit der Bahn durch den Eurotunnel Was einem Direktzug von Frankfurt nach London noch im Weg steht
Berichte in englischen Medien haben bei England-Liebhabern Hoffnung auf eine direkte Zugverbindung von Frankfurt nach London gemacht. Die Deutsche Bahn rudert aber etwas zurück: Noch gebe es einige Hürden.
Wer von Frankfurt aus mit dem Zug nach London reisen möchte, braucht dafür momentan noch rund siebeneinhalb Stunden: Der Umstieg in der belgischen Hauptstadt Brüssel mit Sicherheits- und Passkontrollen kostet Zeit, bevor es durch den Eurotunnel nach Großbritannien geht.
Mehr Züge und Passagiere geplant
Dabei strebt die Bahn schon seit Längerem an, eine Direktverbindung von Frankfurt und Köln nach London anzubieten. Diese abstrakten Pläne scheinen nun etwas greifbarer zu werden: Vor einer Woche kündigten die Betreiber der britischen Hochgeschwindigkeitsstrecke und des Eurotunnels eine neue strategische Partnerschaft an.
Darin ist vorgesehen, die Taktung im Eurotunnel zu erhöhen und die Passagierkapazitäten am Londoner Bahnhof St Pancras International auszuweiten. So sollen neue Ziele - unter anderem in Deutschland - erreichbar gemacht werden.
Auf Anfrage des hr bestätigte die Deutsche Bahn am Donnerstag, dass eine Direktverbindung nach London grundsätzlich in ihrem Interesse sei. Allerdings gebe es noch einige Hürden.
Grenzkontrollen am Frankfurter Bahnhof wären nötig
Wie ein Sprecher der Bahn erklärte, müssten wegen des Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union schon am Frankfurter Hauptbahnhof und auf den Zwischenhalten am Frankfurter Flughafen und am Kölner Hauptbahnhof Grenzkontrollen stattfinden. Dafür sei die entsprechende Infrastruktur notwendig, die erst einmal finanziert werden müsste.
Noch seien die Schienen in Großbritannien außerdem nicht durchgehend mit dem europäischen Zugsicherungssystem ETCS ausgestattet. Die Ausrüstung der Strecke mit dem System sei für den Direktverkehr aber "unerlässlich", laut den britischen Partnern jedoch nicht vor 2030 oder 2035 geplant.
Auch die Züge der DB Fernverkehr seien derzeit nicht in der Lage, in allen vier Ländern - Deutschland, Belgien, Frankreich und Großbritannien - zu fahren.
Umsetzung nach Brexit nicht wirtschaftlich genug?
Und zuletzt nennt der Sprecher der Bahn ein weiteres Problem: "Wirtschaftliche Herausforderungen sowohl aufgrund hoher Trassenpreise im Eurotunnel als auch aufgrund einer veränderten Nachfrage-Situation als Folge des Brexits." Soll heißen: Derzeit wäre es für die Bahn teuer, durch den Eurotunnel zu fahren - und die Nachfrage wegen des Brexits zu gering.
Zuerst hatte die britische Zeitung The Times über das neue Abkommen und die möglichen Folgen für internationale Verbindungen berichtet.
Bahn will bestehendes Angebot verbessern
Bislang sind die britisch-französischen Eurostar-Züge die einzigen, die vom europäischen Festland nach England fahren. Das bisherige Angebot mit bis zu fünf Umsteigeverbindungen pro Tag von Frankfurt oder Köln über Brüssel nach London und in die Gegenrichtung wolle die Bahn "zusammen mit Eurostar weiter verbessern", sagte der Sprecher.
Dafür prüfe man regelmäßig, wie sich das Angebot ausweiten lasse und stehe im Austausch mit verschiedenen Partnern auch auf der britischen Seite.